Kunst

50-Prozent-Aktion? Die Galerien am Rheinknie gelten eigentlich als diskret – doch der Markt verändert sich

Die Galerie Carzaniga (links) am Gemsberg.

Die Galerie Carzaniga (links) am Gemsberg.

Die Basler Traditionsgalerie Carzaniga sorgt mit einer «speziellen» Aktion für Aufsehen.

Das sorgt durchaus für den einen oder anderen scharfen Atemzug im kunstaffinen, aber dahingehend sehr diskreten Basel: Eine 50-Prozent-Aktion in einer Traditionsgalerie in Basel? Als «Jubiläumsaktion»? Das ist im Basler Galerienwesen unüblich.

Die Galerie Carzaniga mit Sitz am pittoresken Gemsberg ist eine Grösse in der kunstverliebten Stadt am Rheinknie. Vor 15 Jahren wurde sie von Arnaldo Carzaniga mit seinen Geschäftspartnern Markus Rück und Philipp Hediger gegründet.

Seit 2004 hat sich die Galerie nach Eigenbeschrieb der klassischen schweizerischen Kunst, unter anderem der Gruppe Rot-Blau und Gruppe 33, bis hin zu Werken des abstrakten Expressionismus, der informellen Malerei und zeitgenössischen Schweizer Kunst verschrieben. Sie ist zudem seit Jahren auch an der Kunstmesse Art Basel präsent.

Tatsächlich ist die Aktion ein bisschen speziell, wie Philipp Hediger, Mitinhaber der Galerie, auf Anfrage sagt. Der Hintergrund ist es allerdings auch: Das Haus hat für übliche Galerienverhältnisse ein grosses Lager. Um einen Fundus von über 2000 Werken abzubauen, die der Galerie gehören, wird nun die Aktion durchgeführt. «Wir machen so etwas nicht zum ersten Mal», sagt Hediger.

Neue Geschäftsfelder und eine alternde Kundschaft

Denn die Verhältnisse verändern sich. Erst kürzlich berichtete die bz, dass sich der Basler Galerien-Verein mangels Mitgliedern auflöst. Veränderung im Geschäftsumfeld ist auch bei der Galerie Carzaniga spürbar.

Das Geschäftsfeld bewege sich entsprechend stärker vom klassischen Galeriewesen mit seinen Ausstellungen zum Kunsthandel hin. Hinzu komme eine steigende Nachfrage nach Schätzungen, so Hediger.

Doch es ist nicht nur der Markt, der sich verändert. Auch der Generationenwechsel ist spürbar: nicht nur unter den Galeristen, auch bei der Kundschaft. Denn viele Stammkunden sind mit den Galeristen gealtert – und nicht wenige sterben nun.

Schliesslich kommt hinzu, dass die Preise auf dem Kunstmarkt internationaler werden, Preislisten sind im Internet von überall her verfügbar. Der Kunde ist heute kritischer geworden, besonders, wenn einige Werke an Auktionen – nicht selten auch durch Zufall – weniger hohe Preise erzielen.

Auch deshalb bevorzugt die Galerie zwecks Reduzierung der Lagerbestände die Aktion gegenüber der Auktion. Zu Erstehen ist am Gemsberg zurzeit eine grosse Zahl von Werken, grösstenteils Einzelstücke, viele aus dem mittleren Preissegment. Es gibt aber durchaus auch hochpreisige Werke, etwa vom Künstler Mark Tobey, der zu den grossen Namen der Galerie gehört.

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