Backen

500 Jahre Faschtewaaie? – Jeanette Born hat uns ihr Rezept verraten und wir haben es getestet

Die Fastenwähe hat eine lange Geschichte, die bis ins 16. Jahrhundert zurück führt. Ein Rückblick und eine Bastelanleitung.

Fasnacht – das hatte schon immer mit essen zu tun, früher sogar mit schlemmen. Logisch. Irgendwann danach kommt die Fastenzeit, und so darf man nochmal richtig, bis man nicht mehr darf.

In ländlichen, katholischen Gegenden waren üppige Mehlspeisen noch eher üblich. Jeanette Born, die in Basel Kochevents veranstaltet («Die Kocherei»), erinnert sich zurück: «Bei meiner Grossmutter in Nidwalden war das grossartig. Da wurden Fasnachtskiechli, Schenkeli, Schlüferli, Berliner, Ziegerkrapfen gebacken. Schwimmed im Öl. Ganze Zeinen voll Fasnachtskiechli wurden da produziert.» Sie heissen dort Chnüplätz, weil der feine Teig übers Knie gezogen wird. Dann wurde fritiert. «Man hatte damals nicht so viele und grosse Öfen, in denen man die vielen Dinge backen konnte.» Da habe sich halt das Frittieren angeboten.

500 Jahre Faschtewaaie?

Und dann gab’s noch diese Fastenwähen, die hier in der Region ihren Ursprung haben. Dank Recherchen des Baslers Albert Spycher sind wir diesbezüglich gut dokumentiert. «Die Geschichte der Fastenwähe führt ins 16. Jahrhundert zurück, als die Herren der Basler Safranzunft beim Aschermittwochsmahl, Klosterleute während der vorösterlichen Fastenzeit und Lateinschüler am St. Gregoriustag (12. März) «weÿen» oder «weÿgen» verzehrten», schreibt er auf der Website www.brauchtumsseiten.de.

Die Reglemente der Zünfte waren streng. Anno 1554 war den Rheinfelder Bäckern vorgeschrieben, in welcher Geldwährung sie «Fastenwegenn» verkaufen durften, so Spycher. Also: Fastenwaien gibt es in der Region seit mindestens 450 Jahren. In Basel seien «Fastenweÿen» erstmals bei einem Essen der Klostergutsverwalter zu St. Clara am 7. März 1649 aktenkundig geworden.

Die Bäcker, so weiss Spycher, mussten sich vor Weihnachten entscheiden, ob sie im folgenden Jahr Fastenwähen oder «Ankenwecken» backen wollten. Beides zusammen war nicht erlaubt. Die Vorgesetzten der Brotbeckenzunft bestimmten an einem Stichtag anhand der aktuellen Getreide- und Butterpreise Teiggewicht sowie Stückpreis der Fastenwähen und begrenzten das Angebot auf die Zeit von der Herrenfastnacht an bis zur Osternacht. Heissa, da war die Welt noch in Ordnung! Selbst altbackene Fastenwähen mussten zum festgesetzten Preis verkauft werden.

Renner an der Fasnacht

Die Faschtewaaie hat sich gut gehalten, historisch gesehen. Neben der Mehlsuppe und der Zibelewaie ist sie der Renner an der Fasnacht. Nicht in den Beizen, nicht auf der Strasse (dort hat die Bratwurst das Rennen gemacht). Aber in den Bäckereien und den Grossverteilern. Und als fröhlicher Zeitvertreib in der Küche.

Kochevent-Veranstalterin Jeanette Born hat uns ihr Rezept verraten und wir haben es getestet. Beistehend die Backanweisungen mit ein paar nützlichen Tipps.

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