Demonstration

5000 Menschen gegen Rassismus – auch Basler Politiker zeigten sich solidarisch

Trotz Coronaverordnungen: Auch in Basel gingen die Menschen am Wochenende auf die Strasse.

Es ist ja nicht so, dass Basel keine Erfahrungen mit Demonstrationen hätte. In den vergangenen Jahren und Monaten hat die Zahl der Kundgebungen stark zugenommen: Fridays for Future, Demos der kurdischen Community, Linksextreme und zuletzt sogar vereinzelte Coronaprotestler beanspruchten den öffentlichen Raum. Doch jener Menschenzug, der sich am vergangenen Samstag durch die Basler Innenstadt bahnte, war doch in mehrerer Hinsicht bemerkenswert.

Etwa 5000 Menschen protestierten unter dem Slogan «Black Lives Matter» gegen Rassismus, wie die Schweizer Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichtete. Auslöser der andauernden Proteste in aller Welt ist der Tod von George Floyd: Der Afroamerikaner kam bei einem brutalen Polizeieinsatz Ende Mai in Minneapolis ums Leben. «Schwarz zu sein, ist kein Verbrechen», «Rassismus ist auch eine Pandemie», oder «Wie viele noch?» stand auf den selbstgemalten Schildern der Demonstranten.
Zum Zeichen der Solidarität mit den Demonstranten knieten auch Polizisten nieder. Ein Foto davon verbreitete sich rasant in den sozialen Medien.

Die Kundgebung bahnte sich ihren Weg vom Barfüsserplatz durch die Innenstadt. Die Spitze bildeten Menschen mit dunkler Hautfarbe – und sie waren es auch, die in den Reden den Ton angaben. Dahinter liefen mehrere tausend Menschen, die nicht den üblichen Lagern zuzuordnen waren: Meist waren es sehr junge Gesichter, die hinter den Masken steckten, aber nicht so jung wie an den Schülerdemos für das Klima. Ja, man wurde den Eindruck nicht los, dass hier jene diverse Generation der 20- bis 30-Jährigen auflief, der man sonst ihre unpolitische Lebensweise zum Vorwurf macht.

Rund 5000 Menschen an "Black Lives Matter"- Kundgebung in Basel

Rund 5000 Menschen an «Black Lives Matter»-Kundgebung in Basel

Gut 5000 Menschen haben sich am Samstagnachmittag in Basel zu einer Kundgebung gegen Rassismus versammelt. Hintergrund der Demonstration ist der Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in der US-Stadt Minneapolis vor zwei Wochen. Unter dem Motto #BlackLivesMatter bekundeten die Demonstranten ihre Solidarität.

Aufmerksam machen auf subtilen Rassismus

Auch Basler Politikerinnen und Politiker zeigten sich solidarisch mit den Demonstranten. SP-Grossrätin Edibe Gölgeli etwa wollte die Kundgebung nicht verpassen. Sie besuchte den Barfüsserplatz, mitlaufen wollte sie nicht, um die Coronaverordnungen einhalten zu können. Rassismus beschäftigt die Baslerin. Sie sagt: «Als Politikerin und Verfechterin dieses Themas versuche ich seit Jahren, auf den Rassismus in der Schweiz hinzuweisen.» Gölgeli engagiert sich in Vereinen und Organisationen. Trotz diverser Fachstellen sei man in der Schweiz noch nirgends. Dass nun mehrere tausend Menschen in ihrer Heimatstadt gegen Rassismus auf die Strasse gingen, bestärke sie. Auch sie erlebe aufgrund ihres Migrationshintergrunds subtilen Rassismus: «Ich wurde schon oft gefragt, woher ich denn komme», sagt Gölgeli, die in Basel geboren und aufgewachsen ist.

Das Anliegen der Demonstranten anerkennt auch SVP-Grossrat Joël Thüring. Dennoch kritisiert er das Verhalten der Menschen und der Polizei. Entgegen der Coronaverordnung, die nur Ansammlungen von maximal 300 Personen erlaubt, löste die Polizei die Kundgebung nicht auf. Thüring: «Die Coronaregeln gelten auch für ein gutes, sympathisches Anliegen.» Ihm fehle eine klare Linie des Basler Justizdepartements, dem Regierungsrat Baschi Dürr vorsteht. «Die Polizei kontrolliert konsequent, ob die Bars in der Steinen nach Mitternacht schliessen. Dann müssten auch solche Menschenaufläufe verhindert werden», so Thüring. (dpa)

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