Die «Ozobots» sind kleiner als ein Tennisball, haben es aber in sich: Sie folgen schwarzen Linien, können Gegenständen ausweichen und auf Farbcodes reagieren. Richtig programmiert, lösen sie sogar Matheaufgaben, machen Verfolgungsjagden und führen gemeinsame Synchron-Tänze auf.

Die Verantwortlichen im Basler Erziehungsdepartement (ED) sind begeistert. Und haben Ende 2017 entsprechend eingekauft: 500 dieser programmierbaren Roboter für rund 50'000 Franken wurden angeschafft, damit sämtliche Primar- und Sekundarschulstandorte mit einem Klassensatz eingedeckt werden können.

Doch was dort mit den smarten Winzlingen passiert, weiss niemand. Es soll ganze Kisten voll Roboter geben, die unberührt im Kopierräumchen stehen, sagen Lehrer gegenüber der bz. ED-Sprecher Simon Thiriet sagt: «Es gibt Standorte, die sich auf dieses Angebot von Anfang an gestürzt haben, und andere, die da zögerlich sind. Es liegt am Schluss in der Schulautonomie, wann und wie das Angebot genutzt wird.»

Das ED biete zusammen mit dem Pädagogischen Zentrum konsequent Support und Weiterbildungen an, wenn dies gewünscht werde. «Wir führen ganz bewusst nicht Buch darüber, wo die  ‹Ozobots› schon überall eingesetzt wurden.» Das Thema solle auf freiwilliger Basis den Weg in die Klassenzimmer finden.

Zudem seien es auch finanzielle Überlegungen, die das ED von einer «Ozobot-Offensive» abhielten. «Weil jeder Standort nur ein Set besitzt, wäre es knapp bemessen, wenn alle Lehrpersonen die Roboter benutzen möchten.» Der Roboterkauf habe auch mit den Lehrzielen im Lehrplan 21 zu tun, weil darin die Themen Robotik und Programmierung stark gewichtet würden.

Nächste Bestellung eingetroffen

Noch ist unklar, wie viele der 500 «Ozobots» überhaupt eingesetzt werden, und schon überrollen die nächsten smarten Helferlein die Basler Schulstuben. «Die Blue-Bots sind da», wirbt die Informatikabteilung auf ihrer Website. Gedacht sind diese etwas grösseren Modelle für die noch kleineren Kinder – nämlich bereits ab Kindergartenalter.

Doch anders als bei den «Ozobots» hat das ED diesmal auf eine flächendeckende Beschaffung verzichtet. Thiriet sagt: «Da wir über 100 Kindergartenstandorte in Basel haben, wäre dies viel zu teuer gewesen.» Deshalb können die Roboter-Sets, deren Anschaffung rund 7000 Franken gekostet hat, derzeit bei Bedarf ausgeliehen werden.

Künftige Lehrer lernen «Coden»

Gute Nachrichten für all jene Roboter, die aktuell noch im Kopierräumli auf ihren ersten Einsatz warten, kommen von der pädagogischen Hochschule an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Sprecher Christian Irgl sagt: «Seit Herbst 2017 werden bei uns alle angehenden Primarlehrpersonen für den Fachbereich Informatik ausgebildet. Inzwischen verfügen über tausend angehende Lehrpersonen über die nötigen Grundlagen für den Unterricht.»

Diese würden bereits jetzt, im Rahmen des Programms «Adopt a Teacher», in bestehende Klassen ausschwärmen und ältere, erfahrene Lehrer ohne Programmierkenntnisse unterstützen.

Wobei Irgl betont, dass Roboter nur ein Teil der Ausbildung seien. Sie seien hilfreich bei der Veranschaulichung und würden im Sinne von «Programmieren greifbar und begreifbar machen» motivierend unterstützen. Eine konkrete Anschaffungsempfehlung für Roboter würde nicht abgegeben.