Kultur Investitionen
570 Millionen Franken sollen in den kommenden Jahren in die Kultur fliessen

Basel-Stadt muss für Kulturbauten in den nächsten Jahren insgesamt über 570 Millionen Franken aufwerfen. Regierungsrat Guy Morin spricht von einem Generationenprojekt.

Christian Mensch
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Das Theater Basel mit der geschwungenen Decke wurde 1975 eröffnet und hat ein kritisches Alter erreicht.

Das Theater Basel mit der geschwungenen Decke wurde 1975 eröffnet und hat ein kritisches Alter erreicht.

Nicole Nars-Zimmer

Am Montag schliesst das Theater Basel seine Türen. Die spielfreie Sommerzeit beginnt. In zwei Jahren wird sie zwei bis vier Wochen länger dauern – dann wird saniert.

Die Basler Regierung hat die Ausgabe vergangene Woche bewilligt: Für über sechzig Millionen Franken wird das Theater Basel rundum erneuert. Es war zu erwarten und kommt zum jetzigen Zeitpunkt doch überraschend.

Nach vierzig Jahren Spielbetrieb plant die Regierung, so viel Geld in die Erneuerung zu investieren, wie der 1975 feierlich eröffnete Bau einst gekostet hat. Bereits im kommenden Sommer startet die erste Bauetappe. Ein Grossteil der Sanierung ist während der Theaterpause im Sommer 2015 vorgesehen. Eine Schliessung wie beim Kunstmuseum werde es jedoch nicht geben, sagt Regierungspräsident Guy Morin.

In der Kultur-Pipeline

Theater Basel
Sanierung 62 Mio.
Stadtcasino
Beitrag Erweiterung 38 Mio.
Kunstmuseum
Burghof Neubau 50 Mio.
Sanierung Altbau 100 Mio.
Naturhistorisches Museum
Neubau 124 Mio.
Antikenmuseum
Sanierung Augustinergasse 77 Mio.
Staatsarchiv
Neubau, Altbausanierung 70 Mio.
Historisches Museum
Kirschgarten 20 Mio.
Kaserne
Hauptgebäude 30 Mio.

Total 571 Mio.

Die Theaterinvestition hatte Morin kürzlich gegenüber der «Basler Zeitung» angekündigt. Bereits in den vergangenen Jahren wurden zudem Millionen investiert, um etwa die Bühne zu erneuern und andere dringliche Massnahmen zu treffen.

100 Millionen für Kunstmuseum

Doch nun ballt sich im Kulturbereich der Investitions- und Erneuerungsbedarf: Rund 100 Millionen Franken sind in den nächsten Jahren für das Kunstmuseum fällig – zusätzlich zu den fünfzig Millionen Franken netto, die für die Museumserweiterung Burghof benötigt werden. Diese Woche hat die Regierung ihre Bereitschaft erklärt, für eine Erweiterung- und Sanierung des Stadtcasinos 38 Millionen Franken aufzuwenden.

In der Kaserne sollen alleine in den Hauptbau 30 Millionen Franken gesteckt werden, dazu einige Millionen in die Nebenbauten. In der Pipeline steckt schliesslich eine Sanierung des Kirschgarten-Museums. Dieser Teil des Historischen Museums ist ebenfalls sanierungsfällig und dürfte an die 20 Millionen Franken verschlingen.

124 Millionen für Naturhistorisches Museum

Eine erste Gelegenheit, über die Gesamtsumme zu debattieren, hat der Grosse Rat bereits am kommenden Mittwoch. Dann stehen zwei Projekte auf der Traktandenliste, die an sich unbestritten sind: Der Neubau für das überquellende Staatsarchiv für 66 Millionen Franken reine Baukosten sowie im gleichen Baukörper im St. Johann ein Neubau für das Naturhistorische Museum für 124 Millionen Franken.

Damit jedoch nicht genug: Der Ratschlag der Regierung macht die Folgekosten transparent, die mit dem Auszug des Naturhistorischen Museums in sieben bis acht Jahren verbunden sind. Dann muss das bisherige Domizil, der Berri-Bau auf dem Münsterhügel, für 70 bis 80 Millionen Franken grundüberholt werden, um als künftige Museumshülle für das Antikenmuseum und für die Skulpturenhallen zu taugen.

Alles in allem, so rechnet Morin vor, werde das Parlament einen Grundsatzentscheid über 300 Millionen Franken fällen. Ohne Neubauten würde man jedoch nur 30 Millionen sparen.

Die Regierung setzt für ihre Investitionsrechnung auf eine rollende 10-Jahres-Planung. Als internes Instrument ist diese vertraulich. Deklariert ist in der Jahresrechnung lediglich eine Investitionsübersicht bereits beschlossener Ausgaben und ihre Etappierung über die nächsten paar Jahre.

105 Millionen für St. Jakobshalle

Da gleichzeitig mehrere hundert Millionen Franken in Schulhäusern und 105 Millionen Franken in der St. Jakobshalle verbaut werden sowie mit der S-Bahn ein Milliardenprojekt im Tiefbau ansteht, stellt sich die Frage der Finanzierbarkeit.

Doch Morin ist der Meinung, es bestehe genügend Luft, die Investitionen zu stemmen. Schliesslich gebe es auch Flexibilität, wann die Investitionen im Kulturbereich anfallen. So könnte etwa die Sanierung des Kunstmuseums auf eine längere Zeitspanne erstreckt werden. Noch länger warten muss eventuell auch das Historische Museum, das schon jetzt frühestens 2018 mit einer Erneuerung des Kirschgarten-Museums rechnen darf.

Morin lässt jedoch keinen Zweifel daran, dass er die Finanzierung sicherstellen will. Es handle sich hier schliesslich um ein «Generationenwerk»: Nach dem Museum der Kulturen würden nun mit dem Kunstmuseum, dem Naturhistorischen, dem Historischen und dem Antikenmuseum vier grosse Institutionen neu und für Jahrzehnte frisch positioniert. Darauf, so Morin, sei er stolz.

Wenn es ihm noch gelingt, das Theater Basel und das Stadtcasino baulich in Schuss zu bringen, so dürfte ihm ein Platz zumindest in der Kulturgeschichte der Stadt sicher sein. Obwohl, so sagt Morin, allein sein Verdienst sei dies natürlich nicht.

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