Coronavirus

60-jähriger Koch wird mitten in der Krise entlassen – nun kämpft er um sein Geld

Detlef Voigt gibt sich noch nicht geschlagen.

Detlef Voigt gibt sich noch nicht geschlagen.

Der 60-jährige Koch Detlef Voigt aus Kleinhüningen wurde mitten in der Coronakrise entlassen. Eine Lohnfortzahlung für den April, die ihm eigentlich zusteht, bekam er bisher nicht. Jetzt erhält der Koch Unterstützung von der Basler Initiative Solifon.

«Es ist belastend. Man ist einfach zu Hause.» Detlef Voigt sitzt auf einer Bank in der Dreirosenanlage und verschränkt die Arme, während er erzählt, was er in der Coronazeit erlebt hat. Was für viele ein Albtraum ist, wurde für den 60-jährigen Koch Wirklichkeit: Er wurde während des Lockdowns entlassen.

Mitte März musste das Restaurant des Klosterhotels Kreuz in Mariastein schliessen – wie alle anderen Schweizer Gastronomiebetriebe auch. Das Restaurant, das seit Anfang 2018 von der Gastronomie-Firma Thommen AG gepachtet ist, beantragte Kurzarbeit für seine Mitarbeitenden. «Ich habe Ende März ein Formular für Kurzarbeit bekommen, das ich unterzeichnen sollte.» Detlef Voigt unterschreibt das Formular, erhält jedoch wenige Tage später die Kündigung.

An Kündigungsfristen und -schutz hat sich in der Coronazeit nichts geändert. Ein Unternehmen ist auch während einer Kurzarbeitsphase befugt, seine Mitarbeitenden zu entlassen, muss ihnen aber in diesem Fall bis zum Ende der Kündigungsfrist den vollen Lohn auszahlen. Voigt besass bloss einen Stundenvertrag, konnte jedoch meistens genügend Stunden arbeiten, um seine Lebenshaltungskosten mit dem Gehalt zu decken. Für März hat er daher den Kurzarbeitsbetrag seines durchschnittlichen Einkommens erhalten – im April hat der Koch hingegen noch überhaupt kein Geld gesehen.

Voigt war bereits vor der Übernahme durch die Thommen AG im Restaurant des Klosterhotels als gelernter Koch angestellt. «Ich habe eigentlich gerne dort gearbeitet, das Klima unter den Mitarbeitenden war gut.» Mittlerweile ist er beim RAV angemeldet. Ältere Menschen haben es bekanntlich schwer auf dem Arbeitsmarkt. «Um mit 60 nochmals einen neuen Job zu finden, noch dazu in dieser wirtschaftlichen Lage – da muss man schon verdammt viel Glück haben», sagt er.

«Ich dachte, ich kann ja mal hingehen»

Detlef Voigt will sich gegen das Vorgehen seiner ehemaligen Arbeitgeber wehren. «Ich will zumindest das, was mir zusteht, also eine Lohnfortzahlung für April.» Unterstützung erhält der Koch von Personen aus der Gruppe «Kleinbasel Solidarisch» und der Interprofessionellen Gewerkschaft der ArbeiterInnen (IGA), die gemeinsam die Initiative Solifon lanciert haben.

Die Solifon-Flyer hängen seit Beginn des Lockdowns in verschiedenen Basler Quartieren und wenden sich an Personen, die in der Coronazeit von Lohnausfall, Kündigungen und missbräuchlichen Arbeitsbedingungen betroffen sind. Die Verfasser werben mit rechtlicher Beratung in verschiedenen Sprachen. Auch am Haus von Detlef Voigt in Kleinhüningen hing ein solcher Flyer. «Ich dachte, ich kann ja mal hingehen, da ich nichts mehr zu verlieren habe.» Mit Hilfe der Solifon-Mitarbeiter hat Voigt bereits zwei Briefe an seinen ehemaligen Arbeitgeber geschickt, bisher aber keine Antwort erhalten.

Laut den Verantwortlichen des Solifons ist sein Fall nur einer von vielen. Personen, die im Stundenlohn angestellt seien, befänden sich oft bereits in prekären Verhältnissen und würden in Krisenzeiten als erste entlassen. Der ehemalige Arbeitgeber Beat Thommen, Inhaber der Thommen AG, dagegen ist überzeugt, korrekt gehandelt zu haben. Zu den Vorwürfen sagt er: «Ich konnte nicht alle Mitarbeitenden behalten.» Dass Detlef Voigt für April kein Geld ausbezahlt wurde, bestätigt der Firmenchef. Zur schwierigen Situation des Kochs, in die er auf Grund der Kündigung geraten ist, sagt Thommen: «Es ist für alle eine schwierige Zeit.»

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