Slow-up
62 Kilometer freie Fahrt für alle ohne Motor

Velofahrer, Inliner und Fussgänger nutzten am Slow-up Basel-Dreiland die autofreien Strassen und trotzten dem Herbsteinbruch.

Daniela Gschweng
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Das Wetter trübt die Laune nicht: Zwei der insgesamt 20000 Teilnehmer am diesjährigen Jubiläums-Slow-up. Juri Junkov

Das Wetter trübt die Laune nicht: Zwei der insgesamt 20000 Teilnehmer am diesjährigen Jubiläums-Slow-up. Juri Junkov

Juri Junkov

Ob es darum ging, dem trüben Wetter zu trotzen, sich mal wieder zu bewegen oder darum, die Kinder zu lüften: 20 000 Teilnehmer trauten sich gestern trotz schlechtem Wetter zum zehnten Slow-up Basel-Dreiland.

Bunte Gruppen im Dreiland

Vor allem Velofahrer jeden Alters hatten sich schon mittags dies- und jenseits der Grenzen aufgemacht. Dass sich der Herbsteinbruch ausgerechnet den gestrigen Tag ausgesucht hatte, schreckte die Teilnehmer nur bedingt ab. Mit bunten Regencapes, Helmüberzügen und Überschuhen radelten die bunten Gruppen von Frankreich in die Schweiz oder nach Deutschland und wieder zurück. Fein raus war der Nachwuchs, der trocken im abgedeckten Veloanhänger sass. Platz gab es genügend. Die längste Tour des Slow-up umfasste 62 Kilometer autofreie Strecke in drei Ländern und führte von Huningue bis nach Rheinfelden, die längste autofreie Strecke der Schweiz inbegriffen.

Etliche Autofahrer, die ihre Fahrzeuge trotz rechtzeitiger Vorwarnung nicht umgeparkt hatten, hatten dafür Pech. Sie fanden diese entweder gar nicht oder mit rotem Absperrband umwickelt wieder. «Die Sicherheit der nicht motorisierten Teilnehmer geht vor», gaben die freiwilligen Helferinnen der Verkehrskadetten Schaffhausen, die beim St. Johnanns-Park den Verkehr regelten, zu verstehen. Von 10 bis 17 Uhr hatten Velofahrer und Jogger Vorfahrt. 60 000 Teilnehmer wie in sonnigeren Jahren erwarte man zum Jubiläum nicht, gab Manuel Friesecke, Präsident des Slow-up Basel-Dreiland, auf einem Apéro-Empfang gestern Mittag zu. Passenderweise fand die Veranstaltung in der von der internationalen Bauausstellung IBA belegten Voltahalle statt, die Projekte der trinationalen Region zeigt. In mehreren Visualisierungen konnte man zum Beispiel sehen, wie das Dreiland voraussichtlich im Jahr 2035 aussehen wird.

Einmal mehr zeigte sich, dass Basel anders tickt. Während anderswo über die Verstärkung der Grenzen diskutiert wird, bekräftigten die Vertreter der teilnehmenden Städte Basel, Huningue und Rheinfelden (D) ihre Gemeinsamkeiten. Das Hauptthema auf der sonst erfrischend unpolitischen Veranstaltung war das Wetter.

«Gehörige Portion Tapferkeit»

«Heute braucht es eine gehörige Portion Tapferkeit», verkündete Hans-Peter Wessels im roten Anorak. Ohne Velo wäre der SP-Regierungsrat nur gekommen, wenn «es wirklich in Strömen geregnet hätte», liess er auf Nachfrage wissen. Man habe in den zehn Jahren so gut wie jedes Wetter gehabt ausser Schnee, bemerkte Klaus Eberhart, Oberbürgermeister von Badisch- Rheinfelden trocken. Im Baselbiet regne es auch, kommentierte Isaac Reber, Regierungsrat im Baselland.

Erfrischend kurz waren die Reden der Vertreter der anderen Städte. Offene, durchlässige Grenzen, so Reber, seien heute eine Selbstverständlichkeit. Man wisse eigentlich, dass sie nicht selbstverständlich seien. Über Grenzen zu gehen, bedeute ganz wörtlich, dass man im «même perimètre de vie», im gleichen Lebensraum, unterwegs sei, so Martin Welté, Bürgermeister von Huningue, der als einziger Redner auch sprachliche Grenzen überschritt – und seine Rede in zwei Sprachen hielt.