Unterschätzt

69 Velounfälle im Jahr 2012 in Basel - hohe Dunkelziffer verschweigt Wahrheit

Wie so viele ohne Helm unterwegs: Ein Velofahrer überholt das 2er-Tram kurz vor dem Wettsteinplatz.

Wie so viele ohne Helm unterwegs: Ein Velofahrer überholt das 2er-Tram kurz vor dem Wettsteinplatz.

Die Helmtragequote in der Schweiz ist rückläufig, da die Gefahren beim Velofahren unterschätzt werden. 69 Velounfälle wurden letztes Jahr in Basel gezählt – laut einer Studie müssten es viel mehr sein. Über die genaue Zahl kann nur spekuliert werden.

Passiert ist es schnell. Es braucht bloss einen nassen Dolendeckel, ein Tramgleis oder einen kurzen Moment der Unachtsamkeit, damit es kracht. Velo fahren birgt verschiedenste Tücken, gerade wenn man in einer Stadt unterwegs ist.

Die Versicherung Allianz hat diese Woche Thema eine ganze Studie zum Thema veröffentlicht. Denn: «Die Gefahren beim Velofahren werden unterschätzt», sagt Sprecher Hans-Peter Nehmer. «Ein Hinweis dafür ist, dass die Helmtragequote in der Schweiz abnehmend ist.» Das sei besorgniserregend.

Hohe Unfall-Dunkelziffer

Auf den ersten Blick muss sich in Basel nicht betroffen fühlen. In der von der Basler Polizei zusammengetragenen kantonalen Verkehrsunfallstatistik gab es 2012 einen markanten Rückgang von 31 Prozent bei Fahrradunfällen gegenüber dem Vorjahr.

Die Allianz-Studie schreibt allerdings von einer hohen Unfalldunkelziffer. Tatsächlich: In der Statistik der Polizei wurden letztes Jahr gerade mal 69 Velounfälle registriert, gegenüber 100 im Vorjahr. Die wirkliche Zahl dürfte um ein Vielfaches höher liegen.

In der Studie heisst es dazu: «Über die Zahl der Verletzten kann nur spekuliert werden». Gerade Alleinstürze würden in keiner Statistik auftauchen. «Die Polizei kommt natürlich nicht mit allen Velounfällen in Kontakt», sagt Mediensprecher Andreas Knuchel. In vielen Fällen würden die Betroffenen direkt in den Notfall gehen und die Polizei gar nicht erst informieren.

Beim Thema Unfall-Dunkelziffer kann aber auch das Basler Unispital nicht weiterhelfen. «Wir führen Statistik über die Art der Verletzungen, aber nicht, wie die zustande gekommen sind», sagt Sprecher Martin Jordan. «Wenn die Zahl der Kopfverletzungen steigt, können wir nicht automatisch sagen, dass weniger Helme getragen werden.»

Basel auf gutem Weg

Gesichtert ist: In der Schweiz wurden 2011 39 Fahrradtote gezählt. Das sind 12,2 Prozent aller Verkehrstoten. Im europäischen Vergleich weisen nur die Fahrradnationen Holland und Dänemark höhere Werte auf. Ungarn (12,4 Prozent) und Slowenien (12,3 Prozent) liegen praktisch gleich auf mit der Schweiz.

SP-Grossrat und Veloladenbesitzer Jörg Vitelli warnt davor, sich von solchen Zahlen einschüchtern zu lassen. «Diese Studie setzt ein falsches Signal. Je mehr Velofahrer auf den Strassen unterwegs sind, desto sicher ist es für sie.» Noch immer seien die Autofahrer die grösste Gefahr für die Velofahrer. «Selbstunfälle werden hochgespielt», ist er überzeugt.

«Velo fahren ist grundsätzlich eine sichere Sache», sagt auch David Wüest-Rudin, Präsident von Pro Velo beider Basel. Er warnt davor, wegen der Studie falsche Schlüsse zu ziehen. «Man darf jetzt nicht übervorsichtig werden, sonst kommt man in Teufels Küche.» Wichtig sei aber, dass in die Infrastruktur investiert werde: In Sichtbarkeit und Velowege.

In dieser Hinsicht sei Basel auf einem guten Weg, glaubt sowohl Rudin wie auch Vitelli. Ein weiterer grosser Schritt wurde von der Politik auch schon beschlossen: In ein paar Jahren soll in Basel flächendeckend Tempo 30 eingeführt werden.

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