Strafgericht
74-jähriger Casanova muss wegen Heiratsschwindel ins Gefängnis

Ein 74-jähriger italienischer Gigolo betrog eine betagte Baslerin. Der Casanova hatte sein Opfer via Kontaktanzeige kennengelernt und ihr mit fedenscheinigen Geschichten das Geld aus der Tasche gezogen. Er muss für acht Monate ins Gefängnis.

Patrick Rudin
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Der 74-jährige Gigolo muss wegen Heiratsschwindel für acht Monate in Haft. (Symbolbild)

Der 74-jährige Gigolo muss wegen Heiratsschwindel für acht Monate in Haft. (Symbolbild)

Keystone

«Auch das hohe Alter schützt nicht vor Dummheit und vor Straftaten», resümierte Gerichtspräsidentin Kathrin Giovannone gestern: Sie schickte einen 74-jährigen Heiratsschwindler für acht Monate ins Gefängnis. Das harte Urteil ist vor allem Folge der einschlägigen Vorstrafen des Mannes, auch wenn diese teilweise bereits 15 Jahre zurückliegen.

«Das ist seine Betrugsmasche»

Die Masche ist immer dieselbe: Per Kontaktanzeigen lernt er betagte Frauen kennen, lässt sich bei ihnen zu Hause bekochen und fragt schliesslich nach einem Darlehen. Das Geld benötige er, um sein «Castello» in Italien umzubauen. «Das ist seine Betrugsmasche, um zu Geld zu kommen», sagte Giovannone. Fotos von dem Schlösschen existieren, doch ein Schlossherr ist der 74-Jährige keinesfalls: Der Mann ist mittellos, und seine Verteidigerin wird aus der Gerichtskasse bezahlt.

Konkret soll der Mann im Jahr 2002 eine Frau aus Basel ausgenommen haben, als «Umbaukredit» gab sie ihm über Monate hinweg insgesamt rund 32'000 Franken – das meiste davon allerdings ohne Quittung. Laut der Frau plante man eine gemeinsame Ehe, er bestritt dies allerdings gestern vor Gericht. Das Verfahren dauerte so lange, weil er über Jahre hinweg untergetaucht war. Zur Deliktzeit verfügte er in den letzten fünf Jahren über sechs einschlägige Vorstrafen, vor allem in Deutschland und Italien. Nach einer Strafanzeige der betrogenen Frau bedrohte und beschimpfte er sie per Telefon massiv, diese Delikte waren allerdings bereits verjährt.

Schnell mal einen Teppich geklaut

Einzelrichterin Kathrin Giovannone verurteilte ihn gestern hingegen wegen gewerbsmässigen Betrugs zu acht Monaten unbedingt. Dazu kam noch ein Diebstahl: Bei einem Besuch in Basel nahm er kurzerhand einen teuren Wandteppich der Frau mit. Heute wohnt der Italiener offenbar in einem Vorort von Venedig, wobei er seine Anschrift nur nach mehrmaligem Nachfragen herausrückte und die Postleitzahl seines Wohnorts angeblich nicht wusste. Auf seinen zahlreichen Arztzeugnissen war er hingegen als in der Schweiz wohnhaft vermerkt, was seine Glaubwürdigkeit vor Gericht nicht sonderlich förderte.

Beziehungen bis vor zwei Jahren

«Niemand kann ein Interesse daran haben, einen 74-jährigen Mann, der gesundheitlich angeschlagen ist und sich seit zehn Jahren an die Regeln hält, ins Gefängnis zu schicken», argumentierte dessen Verteidigerin.

Kathrin Giovannone sah das anders: Zumindest bis zum Jahr 2011 sei er noch immer regelmässig Beziehungen mit fremden Frauen eingegangen, und es stelle sich die Frage, ob er dort auch Vermögensdelikte begangen habe. «Er hätte sich bewähren können. Aber er ist der Typ, der sich verschlauft, wie wir auch heute gesehen haben», sagte Giovannone. Damit spielte sie auf die Urteilseröffnung am späten Nachmittag an: Der Mann erschien nicht mehr, seine Verteidigerin richtete aus, er habe einen Schwächeanfall erlitten. Das Gericht verurteilte ihn ebenfalls dazu, den Teppich wieder zurückzugeben. Das Urteil kann er noch weiterziehen.