Jubiläum
750 Jahre Bürgerspital: Anna Rossinelli und Blutzucker-Messungen

Das Basler Bürgerspital feierte am Samstag sein 750-jähriges Bestehen. Bei der Barfüsserkirche, dem ursprünglichen Standort des damaligen «hospitalum novum», konnte man alte medizinische Geräte anschauen und zeitgenössische kostenlos ausprobieren.

David Egger
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Jubiläums-Fest 750 Jahre Bürgerspital Basel
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Anna Rossinelli, gelernte Fachfrau Betreuung, begeisterte am Samstagabend.
Laut, zu neunt und voll im Takt: Die Trommler der Basler Gruppe Stickstoff.
Ein Spass für die ganze Familie: Verzerrungsspiegel im Bürgerspital-Festzelt.

Jubiläums-Fest 750 Jahre Bürgerspital Basel

Kenneth Nars

Er muss ein bekennender Fan von Anna Rossinelli sein: der Mann, der schon nach ihrem ersten Song lauthals eine Zugabe forderte. Der Einzige, der von der Basler Sängerin begeistert war, war er freilich nicht. Ihr Konzert krönte am Samstag die 750-Jahr-Feier des Basler Bürgerspitals bei der Barfüsserkirche. Dort also, wo das Bürgerspital stand, als es im Jahr 1265 erstmals als «hospitalum novum» erwähnt wurde.

Anna Rossinelli mit ihrer kräftigen Stimme, die virtuos zwischen Höhen und Tiefen wechselt, während sie mit kleinsten Schritten auf der Bühne umhertapst, um im nächsten Moment kräftig zu hüpfen und die Kinder vor der Bühne es ihr gleichtun, diese Anna Rossinelli war nicht die einzige Attraktion, mit der das Bürgerspital die Basler zu ihrem Festzelt lockte.

Popcorn en masse

So konnte man sich zum Beispiel an einem Stand den Blutzucker messen lassen. Wer sich einen ganz besonderen Messwert erhoffte, naschte gleich zuvor einen der bunten Zuckerstängel, die an den verschiedenen Ständen auflagen. Auch Popcorn wurde an der Feier en masse konsumiert. Der Clou: Beim Eintritt ins Festzelt erhielt man einen speziellen Plastikbecher. An den Ständen musste man sich dann die nötige Portion Maiskörner und Salz verdienen und sie im Becher aufbewahren, um dann am Schluss an der Popcornmaschine belohnt zu werden.

Weniger appetitlich, zumindest aufgrund der damit verbundenen Assoziationen, waren dafür manche ausgestellte Gegenstände, die Einblick in frühere Medizin und Betreuung boten – man denke da zum Beispiel an die zwei Porzellan-Bettpfannen oder an die Urinflasche aus Glas, die dem aufgestellten Spitalbett aus dem 19. Jahrhundert die nötige Authentizität verliehen – genauso wie die ausgestellten Ohrenspülspritzen, Schröpfgläser oder das riesige Blutdruckmessgerät aus alten Zeiten. Eine modernere Version davon war im Festzelt ebenfalls aufzufinden, gleich gegenüber vom Blutzuckermessstand. Vornehmlich die älteren Semester nutzten die Gelegenheit für eine kleine Gratis-Untersuchung.

Mit dem gepiksten Finger oder dem Wissen um einen zu hohen Blutdruck konnte man dann einen Schuss mit der Armbrust wagen oder Büchsen werfen. Gerade das Büchsenwerfen war besonders beliebt, auch dank des «Age Simulator»-Anzugs. Dazu gehörte eine Brille, die das Sehvermögen stark einschränkt, sowie Handschuhe, Schuhe und ein Brustpanzer, die jede Bewegung viel aufwendiger und schwerfälliger machten. Mit diesen zum Glück nur kurzfristigen Einschränkungen gestaltete sich das Büchsenwerfen denn auch sehr schwierig. Schwer zu bewerkstelligen waren auch die Verrenkungen, die die Akrobatinnen des Jugend-Circus Basilisk aufführten. In Anbetracht ihrer Beweglichkeit fühlte sich jeder im Publikum gleich ziemlich alt.

Auch das Wetter spielte mit: «Man hätte gar kein Zelt aufstellen müssen», sagte darum Anna Rossinelli. Just danach kam ein kräftiger Wind auf, und es begann zu regnen, was noch den einen oder anderen mehr an die Feier im trockenen Festzelt lockte. Um erst wieder zu gehen, als Anna Rossinelli ihre Zugabe gesungen hatte.