Stadtreinigung

8 Millionen für Hightech-Abfalleimer – Basel setzt auf solarbetriebene Müllpressen

Basel-Stadt ersetzt alle 1100 öffentlichen Abfalleimer mit Hightech-Geräten. Für die innovativen Müllschlucker will er acht Millionen Franken investieren. Derzeit steht ein Prototyp auf dem Barfüsserplatz.

Es ist dies das aktuelle Vorzeigeprojekt der Stadtreiniger und Stadtmöblierer: die solarbetriebene Müllpresse. Vor dem Überquellen setzt sich eine Presse in Betrieb, die den Müll verdichtet. Bis zur zehnfachen Menge, so die eher vollmundigen Angaben der Hersteller, fänden im gleichen Volumen Platz. Seltener und gezielter lassen sich damit die Kübel leeren, die ihren Füllzustand der Zentrale melden.

Auch Basel-Stadt pröbelte in den vergangenen Jahren mit entsprechenden Hightech-Geräten. Zunächst mit überschaubarem Erfolg. Die «Tageswoche» berichtete noch im Frühjahr 2018 von kollabierenden Turbokübeln, die an den Pizzaschachteln scheiterten, die man ihnen in den Schlund gestopft hatte. Doch Dominik Egli, Leiter der Basler Stadtreinigung, sieht die Lernphase beendet und den Moment für eine Grossanschaffung gekommen. Seit einigen Monaten funktioniere der Prototyp eines solarbetriebenen Müllschluckers in der Innenstadt tadellos. Die grundsätzliche Funktionstüchtigkeit sei erwiesen, jetzt winkt den Herstellern ein Grossauftrag, wie aus einer Ausschreibung hervorgeht: Alle 1100 öffentlich-städtischen Kübel werden auf einen Streich ersetzt.

Die Stadtreinigung hofft auf Einsparungen und Mengenrabatt

Egli verfolgt mit der Grossbestellung eine doppelte Strategie: Einerseits hofft er bei der Bestellmenge auf einen tiefen Stückpreis. Andererseits sieht er das grösste Sparpotenzial, wenn seine Arbeiter nur noch mit einem einzigen Entleer-System konfrontiert sind. Statt Säcke aus den Kästen zu schälen, werde künftig rückenschonend und kostensparend überall der Kehrrichtwagen zur Entsorgung vorfahren.

Egli rechnet vor. Die Anschaffung werde wohl um die acht Millionen Franken betragen, die Ersparnis betrage jährlich zwischen einer und 1,5 Million Franken. Nach rund sechs Jahren hat sich die Investition demnach gelohnt. Mit einem Stückpreis von gut 7000 Franken geht Egli mit einem erheblichen Mengenrabatt aus. Denn bei Pilotversuchen in Deutschland war jeweils die Rede von 8000 Euro, was für Empörung sorgte. Seine deutschen Kollegen rechnen dennoch mit einer schnelleren Refinanzierung, da sie von einer stärkeren Presswirkung ausgehen. Basel-Stadt, so geht aus der aktuellen Ausschreibung hervor, kalkuliert damit, dass die Presse minimal eine vierfache, maximal eine achtfache Verdichtung erreicht. Die Pressautomatik wird durch eine Batterie angetrieben, die wiederum durch ein eingebautes Solarpanel gespeist wird. Ein Riegelmechanismus soll sicherstellen, dass bei der Pressung ausschliesslich der Müll verdichtet wird und nicht versehentlich noch ein Finger gequetscht.

Die besten Anbieter werden zu einem zweimonatigen Testbetrieb eingeladen. Diese Resultate werden bei der Gesamtbeurteilung mit 45 Prozent gewichtet. Kontrolliert werden Nutzerkriterien wie Geruchsemissionen oder Behindertenfreundlichkeit. Aber auch Anwenderkriterien wie Bedienungskomfort oder Pressleistung.

Mit einer flächendeckenden Solarmüllpressung hätte die Basler Stadtreinigung im internationalen Städtewettbewerb wieder etwas vorzuzeigen.

Autor

Christian Mensch

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