Strafgericht
9,5 Jahre Gefängnis für Todesprügler vom Rhein – Gericht verzichtet auf Zusatzgutachten

Der Todesprügler vom Rhein muss für 9,5 Jahre hinter Gitter. Er hatte im Juli 2018 am Basler Rheinbord einen anderen Mann förmlich zu Tode geprügelt, weil er dachte, dieser habe ihm sein Mobiltelefon gestohlen.

Patrick Rudin
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Ein Mann ist bei einer Prügelei am Rheinufer in Basel ums Leben gekommen. (Themenbild)

Ein Mann ist bei einer Prügelei am Rheinufer in Basel ums Leben gekommen. (Themenbild)

KEYSTONE/GAETAN BALLY

Noch letzten Monat entschieden die fünf Richter, dass für den 29-jährigen Haupttäter ein Gutachten eingeholt werden muss: Es sollte klären, ob die Hormonbehandlung des Täters zusammen mit dem Kokainkonsum zu einer verminderten Schuldfähigkeit und damit auch zu einem verminderten Strafmass führen könnte. Er hatte im Juli 2018 am Basler Rheinbord einen anderen Mann förmlich zu Tode geprügelt, weil er dachte, dieser habe ihm sein Mobiltelefon gestohlen.

Das 41-Jährige Opfer starb noch in derselben Nacht im Spital an einem Schädel-Hirn-Trauma. Das Gericht hatte bereits an der Hauptverhandlung im April die Tat als vorsätzliche Tötung eingestuft.

Normalerweise dauert das Erstellen solcher Gutachten je nach Verfügbarkeit der Experten mehrere Monate, daher war die Überraschung gross, als das Strafgericht bereits diese Woche zur Urteilseröffnung lud. Am Mittwoch dann der Entscheid: Das Gericht möchte doch kein Gutachten einholen. Das Gericht revidierte seinen Entscheid, als es darum ging, die konkreten Fragen an den Gutachter zu formulieren.

Wie Gerichtspräsident Lucius Hagemann am Mittwoch gegenüber den Medien betonte, habe der Mann erst zwei Monate nach der Tat ermittelt werden können, daher verspreche man sich wenig davon, aufgrund der Haarproben beispielsweise den Drogenkonsum auf den Tatabend zurückzurechnen und daraus dann Schlussfolgerungen zur Schuldfähigkeit zu ziehen.

Massive Probleme

Immerhin: Staatsanwältin Simone Lustenberger hatte eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren beantragt, die fünf Richter beliessen es am Mittwoch bei 9,5 Jahren. Man gehe davon aus, dass der Täter massive psychische und physische Probleme gehabt habe. In dieser Gesamtfreiheitsstrafe ist bereits der nachträgliche Vollzug einer bedingten Vorstrafe von acht Monaten eingerechnet. Der Mann war bereits im November 2015 wegen einer Drohung und diversen Verkehrsdelikten verurteilt worden, indes war dies nicht seine erste Vorstrafe.

Der 29-Jährige mit slowenischem Pass ist in Basel aufgewachsen, dennoch entschied sich das Gericht für einen Landesverweis: Nach Vollzug der Freiheitsstrafe wird er für zwölf Jahre des Landes verwiesen. Das liegt hauptsächlich daran, dass das Gericht bei der Tat am Rhein ein schweres Verschulden sah.

Dem Bruder des Getöteten muss er eine Genugtuung von 10’000 Franken bezahlen, dazu kommen weitere Schadenersatzforderungen und Gerichtskosten von insgesamt über 60’000 Franken. Das Urteil kann er noch an das Appellationsgericht weiterziehen. Der 29-Jährige ist aus seinem Bekanntenkreis verpfiffen worden, nach einer anfänglich erfolglosen Fahndung setzte die Staatsanwaltschaft eine Belohnung von 10'000 Franken aus. An wen das Geld ging wurde nicht verraten.

Beim 19-jährigen Mittäter, der ebenfalls geprügelt hatte, konnte das Gericht im April keinen Tötungsvorsatz nachweisen und fällte deshalb ein Urteil wegen schwerer Körperverletzung. Das Strafmass betrug dort 3,5 Jahre, allerdings muss der Mann in eine stationäre Massnahme für junge Erwachsene. Danach wird auch er für acht Jahre des Landes verwiesen. Auch dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig.