Der Transport lief nicht ganz so wie geplant: Als der 34-jährige Mann im März 2016 mit dem Reisebus aus Paris am morgen früh in Basel ankam, kontrollierte die Schweizer Grenzwache die Reisenden genau. Ein Drogenschnelltest an seinen Händen schlug an, eine Stunde später schafften weitere Untersuchungen im Unispital Klarheit: Der 34-Jährige hatte sich kurz vor der Grenze auf der Bustoilette insgesamt neun Fingerlinge mit Kokain rektal eingeführt.

Im Untersuchungsgefängnis Waaghof kam er in die videoüberwachte Zelle mit Spezialtoilette, musste aber zweimal wegen eines Verdachts auf einen geplatzten Fingerling notfallmässig wieder ins Spital. Zurück im Gefängnis deckte er spät in der Nacht mit seinem Hemd sowie mit Toilettenpapier die beiden Videokameras ab, ritzte die Matratze seitlich auf und versuchte, zwei ausgeschiedene Fingerlinge dort zu verstecken. Sie wurden am nächsten Morgen bei der Zellenkontrolle trotzdem entdeckt.

Insgesamt schmuggelte der Mann neun Fingerlinge in die Schweiz. Die Analyse ergab rund 84 Gramm Kokainverschnitt mit einem relativ hohen Reinheitsgrad zwischen 45 und 47 Prozent. Das ergibt juristisch bedeutsame 39 Gramm reinen Kokains, das Betäubungsmittelgesetz sieht ab 18 Gramm reinen Kokains eine Mindeststrafe von 12 Monaten im Sinne eines schweren Falles vor.

Sein Verteidiger verlangte eine bedingte Freiheitsstrafe von 13 Monaten, zumal der Mann bislang nicht vorbestraft war und mit seiner Frau und zwei Kindern seit sieben Jahren legal in Italien lebe. «Man muss aufpassen, dass man ihn mit dem Stichwort ‹Kriminaltourist› nicht noch stärker bestraft. Das Betäubungsmittelrecht unterscheidet nicht zwischen schweizerischen und ausländischen Tätern», monierte er.

Gewisse Reue erkennbar

Staatsanwältin Milena Jossen hingegen verlangte eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten: 12 Monate bedingt, weitere 12 unbedingt. Die Prognose des Mannes sei nicht derart günstig, dass man die Strafe noch bedingt aussprechen könne.

Das Dreiergericht sah es ähnlich: Es verurteilte den Mann zu 20 Monaten teilbedingt, davon je 10 Monate bedingt und unbedingt. Gerichtspräsident Roland Strauss betonte, der Wohnsitz des Mannes sei für das Strafmass völlig ohne Bedeutung. Er habe vor Gericht eine gewisse Reue gezeigt, gleichzeitig zeige der Vertuschungsversuch in der Zelle eine gewisse «Unverfrorenheit».

Auch habe er sich in Italien trotz einer schwierigen finanziellen Situation wohl mit legalen Mitteln über Wasser gehalten. «Aber eine bedingte Strafe wäre seinem Verschulden nicht angemessen», begründete Strauss die teilbedingte Strafe. Auch die Probezeit für den bedingten Teil verlängerte das Gericht leicht auf drei Jahre. Dazu kommen rund 10 000 Franken an Verfahrens- und Gerichtskosten.

Der Mann hatte betont, er habe in der Schweiz Autos und Pneus zum Export nach Nigeria ankaufen wollen. Den Drogentransport habe er wegen Geldproblemen gemacht, weil ihn ein Geschäftspartner betrogen habe. Das Urteil wird er wohl ans Appellationsgericht weiterziehen.