Lustige Ausrede

9000 Franken Sachschaden: Einbrecher verwechselt Basler Münster mit einer Villa

Bei Diebstählen aus dem Opferstock hätte das kaiserliche Stifterpaar (Heinrich II. und seine Kunigunde) wohl keinen Spass verstanden.

Zwei Männer brachen im Oktober 2016 ins Basler Münster ein und verursachten dabei grossen Sachschaden. Einen 26-jährigen Mann hat man hinterher erwischt, er erhielt am Mittwoch eine unbedingte Freiheitsstrafe von zehn Monaten.

Es war gegen halb elf Uhr abends, als die beiden Männer im Oktober 2016 die Baustellenverschalung beim Basler Münster aufbrachen und über das Baugerüst zur Galerie gelangten. Dort beschädigten sie die Bleiverglasung eines Fensters, gelangten ins Erdgeschoss, brachen dort eine weitere Türe auf und plünderten die Kioskkasse sowie den Opferstock: Sie erbeuteten Bargeld von rund 1100 Franken, verursachen dabei aber Sachschäden von rund 9000 Franken. Der Ausstellungsbereich war allerdings gesichert, nachdem der Alarm losgegangen war konnten die beiden Männer flüchten.

Einer der Täter blieb bis heute unbekannt, der andere hingegen konnte festgenommen werden, als er im Januar 2018 im Kleinbasel eine Apple TV-Box im Wert von 169 Franken stehlen wollte. Die Polizei konnte ihm den Einbruch im Münster aufgrund der Fingerabdrücke und DNA zuordnen.

«Ich hatte getrunken und mir war nicht bewusst, dass ich in eine Kirche eingedrungen bin. Ich habe geweint, als ich das erfahren habe. Das würde ich doch nie tun», betonte er am Mittwoch im Gerichtssaal.

«Sie sind in die grösste Kirche von Basel eingebrochen. Was sollte es denn sonst sein?», entgegnete Gerichtspräsident Dominik Kiener, und fragte nach dem Mittäter. «Ich dachte, es ist eine grosse Villa. Diese andere Person hat mir nicht gesagt, dass es eine Kirche ist. Es war ja eine Baustelle.» Dass er Geld genommen hat, gab er dann allerdings zu. Auch den Sachschaden wolle er übernehmen, wenn er denn eine Arbeit finde.
Mehrere einschlägige Vorstrafen.

Der Mann stammt aus der nordöstlichsten Ecke Rumäniens. Bereits als Minderjähriger sass er dort über zwei Jahre im Gefängnis, offenbar weil er zusammen mit anderen Leuten Diebstähle begangen hat. «Ich war ein Kind, ich bin in die falsche Gesellschaft geraten», sagte der Mann dazu vor Gericht.

Seine Frau wohnt mit drei Kindern in Paris und lebe von Sozialhilfe. Er selber sei in die Schweiz gereist, um Arbeit auf dem Bau zu finden. Er hat eine abgeschlossene Ausbildung als Maurer und spricht französisch wie auch italienisch. Weitere Vorstrafen wiesen allerdings auf andere Reisegründe hin: 2011 erhielt er in Frankreich eine Bewährungsstrafe wegen Diebstahls, 2015 ist eine weitere Verurteilung in Italien verzeichnet. «Ich habe damals Geld gebraucht», meinte er.

Verteidiger Stefan Kunz betonte, sein Mandant sei als Roma immer wieder Diskriminierungen ausgesetzt gewesen und werde wohl von Leuten seiner eigenen Volksgruppe auch unter Druck gesetzt, Diebstähle zu begehen. Eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten genüge, zumal er geständig sei und die Sache bereue.

Einzelrichter Kiener stufte den Mann allerdings als unbelehrbaren Kriminaltouristen ein und setzte das Strafmass vor allem wegen der Vorstrafen des Mannes auf 10 Monate unbedingt fest. Das Gericht verhängte zusätzlich einen Landesverweis von sieben Jahren. Das Urteil kann er noch weiterziehen.

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