Brisant
96 Prozent der illegal Einreisenden kommen per Zug nach Basel

Grenzwache und Zoll berichten über ein ausserordentlich turbulentes Jahr 2015. In der Region Basel wurden zehn Mal mehr Asylgesuche eingereicht als im Vorjahr. Die Zahl der illegal Einreisenden ist um 317 Prozent gestiegen.

Stefan Schuppli
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Der Badische Bahnhof in Basel. Hier finden die meisten illegalen Grenzübertritte statt.

Der Badische Bahnhof in Basel. Hier finden die meisten illegalen Grenzübertritte statt.

Martin Töngi

Die von der Zollverwaltung präsentierten Zahlen sind auf den ersten Blick nüchtern. Doch dahinter verstecken sich Geschichten, sicherlich traurige, zum Teil auch unglaubliche und merkwürdige.

Nüchtern hiess es an der Medienkonferenz am Dienstag im Badischen Bahnhof, dass seit Spätherbst 2015 die Zahl der «rechtswidrigen Aufenthalter» sprunghaft zugenommen habe, im November waren es 420 in einer Woche. In den Folgewochen schwankte die Zahl zwischen 150 bis 300 Personen pro Woche. Im ganzen Jahr 2015 waren es 3462 Menschen, die von Deutschland oder Frankreich ohne in der Schweiz gültige Papiere einreisten. Das waren 317 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Asylsuchenden stieg von 247 auf 2530, was einer Verzehnfachung entspricht.

96 Prozent aller erfassten «rechtswidrigen Aufenthalter», wie der behördliche Sammelbegriff lautet, reisten mit der Bahn an, der grösste Teil am Badischen Bahnhof – also aus Deutschland. Rechtswidrige Einreisen von der Schengen-Aussengrenze auf dem Euro-Airport gab es nur 77 (Vorjahr: 69)

Auch Schlepper vermutet

Hintergrund ist die Verlagerung der Flüchtlingsströme auf die «Balkanroute». Die Menschen stammen aus Afghanistan, Syrien, Irak, Kosovo, Eritrea, Albanien und Marokko, sagte Robert Zaugg, Kommandant der Grenzwachtregion I, Basel, vor den Medien.

Der Verdacht auf Schleppertätigkeit verdoppelte sich in etwa auf 66 Fälle. Die mutmasslichen Schlepper stammen aus dem Kosovo, Irak, Syrien, Marokko und der Schweiz. Welche Schicksale hier dahinterstecken, kann man sich nur ansatzweise vorstellen.

Besonders dicke Hunde

Auch andere Zahlen, allerdings viel profanere, sprengen das Vorstellungsvermögen. So hat es eine Firma doch tatsächlich geschafft, Waren im Wert von 1,3 Milliarden Franken falsch zu deklarieren. Diese Firma – der Name bleibt Amtsgeheimnis – muss die Kleinigkeit von 100 Millionen Franken nachbezahlen. Das ist selbst für einen Grosskonzern nicht einfach aus der Portokasse zu berappen.

Auch beim Import von Kunstobjekten geht es in die Zigmillionen. So gab es in Basel mehrere Nicht- oder Falschanmeldungen. Dabei wurde die Mehrwertsteuer hinterzogen. 15 Kunstwerke wurden ohne Zollanmeldung eingeführt, es wurden Wertdifferenzen von 43 Millionen festgestellt. Die Strafverfahren sind zum Teil noch hängig. Daneben muten die weiteren von der Zollverwaltung genannten Fälle von Falschverzollung und Urkundenfälschung von 1,5 Millionen Franken und 4,5 Millionen Euro fast schon bescheiden an.

Vergebliche Schmugglermüh

Immer wieder gab es Fischzüge in der Schmuggelszene. Ein in der Türkei immatrikulierter Sattelzug transportierte 300 Kilo nicht deklarierten Wasserpfeifentabak. Die Tarnung mit Steinbrunnen flog allerdings auf – dank des neuen Ganz-Lw-Scanners am Zoll. Empfänger war der Besitzer einer Shisha-Bar, der den ganzen Schmuggel organisiert und finanziert hatte.

Der seit 2013 anhaltende Aufwärtstrend beim Schmuggel hat sich 2015 insgesamt fortgesetzt. So erreichte die Zahl der Strafverfahren einen Höchststand von 6968 (+ 19 Prozent). Dabei standen geschmuggelte Lebensmittel im Vordergrund. Es handelte sich vor allem um Fleisch- und Wurstwaren. Auffallend dabei ist die markante Zunahme um 49,8 Prozent bei den Fällen von Mengen über 10 Kilo.

Bei der Personenfahndung stieg die Zahl der Fahndungserfolge um 12 Prozent auf 5193. In 319 Fällen wurde mutmassliches Diebesgut aufgegriffen (+ 17 Prozent). Hingegen wurden weniger Schusswaffen entdeckt.

Andere Regionen unterstützten

Aufgrund des zeitlichen Zusammentreffens der Anschläge in Frankreich und der steigenden Migration in den Monaten November und Dezember wurde die Grenzwachregion I Basel zur Bewältigung der Aufgaben erstmalig durch Mitarbeitende aus anderen Regionen der Schweiz punktuell und befristet unterstützt.

Euro-Airport: Fälschung Am Euro-Airport verhinderten im Passagierbereich Schweizer Zöllnerinnen und Zöllner in über 3000 Fällen (2014: über 1300) die Einfuhr von verbotenen Lebensmitteln wie Fleisch, Würste und Käse aus Drittländern. Dabei wurde eine Rekordmenge von über 8,5 Tonnen sichergestellt. Bei gefälschten Markenartikeln mussten die Zöllner in über 850 Fällen intervenieren.

Euro-Airport: Fälschung Am Euro-Airport verhinderten im Passagierbereich Schweizer Zöllnerinnen und Zöllner in über 3000 Fällen (2014: über 1300) die Einfuhr von verbotenen Lebensmitteln wie Fleisch, Würste und Käse aus Drittländern. Dabei wurde eine Rekordmenge von über 8,5 Tonnen sichergestellt. Bei gefälschten Markenartikeln mussten die Zöllner in über 850 Fällen intervenieren.

KEYSTONE
Tramlinie 8: Schmuggel Das Achter-Trämmli ist nicht nur ein Einkaufs-, sondern offenbar auch ein Schmugglertram, bestätigt Roger Zaugg, Kommandant der Grenzwachregion 1. Man würde dem mit Kontrollen in Zivil oder Uniform begegnen. «Erstaunlich, was so ein einzelner Mensch alles transportieren kann», sagte Zaugg mit einem Anflug von Sarkasmus. Trefferquote der Fahndungen gab er nicht bekannt.

Tramlinie 8: Schmuggel Das Achter-Trämmli ist nicht nur ein Einkaufs-, sondern offenbar auch ein Schmugglertram, bestätigt Roger Zaugg, Kommandant der Grenzwachregion 1. Man würde dem mit Kontrollen in Zivil oder Uniform begegnen. «Erstaunlich, was so ein einzelner Mensch alles transportieren kann», sagte Zaugg mit einem Anflug von Sarkasmus. Trefferquote der Fahndungen gab er nicht bekannt.

Kenneth Nars
Zoll Rheinfelden: Stau Die Staus am Zoll Rheinfelden waren ebenfalls ein Thema der Medienkonferenz in Basel. Die Kapazität werde nicht ausgebaut, sagte der Basler Zollkreisdirektor Heinz Engi. «Es wurde das gebaut, was uns die Politik zugestanden hat.» Zum Teil sei der Stau vor der Grenzanlage auch auf Chauffeure zurückzuführen, die nach vorne drängelten und die Überholspur blockierten.

Zoll Rheinfelden: Stau Die Staus am Zoll Rheinfelden waren ebenfalls ein Thema der Medienkonferenz in Basel. Die Kapazität werde nicht ausgebaut, sagte der Basler Zollkreisdirektor Heinz Engi. «Es wurde das gebaut, was uns die Politik zugestanden hat.» Zum Teil sei der Stau vor der Grenzanlage auch auf Chauffeure zurückzuführen, die nach vorne drängelten und die Überholspur blockierten.

zvg Grenzwache

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