Nachruf

Aadie «Beery», scheen ischs gsi – mer truure! Zum Tod von Bernhard Batschelet, Fasnachts-Pionier

Fasnachts-Pionier und Flötist Bernhard «Beery» Batschelet.

Fasnachts-Pionier und Flötist Bernhard «Beery» Batschelet.

Es gibt an der Basler Fasnacht diese kurzen Momente, die sich einprägen. Als Mitglied einer Trommlerformation ist mir ein solcher in Erinnerung geblieben – und das dank zweier Pfeifer: Unter anderem mit einer «Pfeifer-Retraite» marschierten wir an einem frühen Montagabend die Freie Strasse hinunter. Und wir Trommler, die wir zuweilen etwas mitleidig auf die Pfeifer hinunterblicken, liessen uns von den virtuos gespielten und mit tänzerisch improvisierten Einschüben verzierten Piccoloklängen mitreissen.

Eine klassische Ansage von Beery Batschelet am von ihm gegründeten «Ufftaggt» zur Basler Fasnacht. Das dargebotene Stück zeige eine seiner kapriziösen Kompositionen.

Einer der Pfeifer war Bernhard Batschelet. Vergangene Woche ist «Beery», wie er von seinen Bekannten und Freunden genannt wurde, in seiner Wohnung im Kleinbasel unerwartet gestorben. Er soll im März aus seiner Zweitheimat auf Bali nach Basel geflogen sein – zur Fasnacht, die dann nicht stattfand. Wegen der Grenzschliessungen in Folge der Coronapandemie sei er hier hängengeblieben, erzählen gute Bekannte.

In Erinnerung bleibt «Beery» vor allem durch seine Musik und durch seine Auftritte an der Fasnacht und an der Vorfasnacht – und auch als politisch engagierter Mensch (er sass für die linksprogressive POB Anfang der 1990er-Jahre kurze Zeit im Grossen Rat). Batschelet war professioneller Flötist; entsprechend perfekt beherrschte er sein Instrument. Er war aber weit mehr als das: Als Musiker und Komponist stand er der zeitgenössischen Musik nahe, und er hatte sich zur Aufgabe gemacht, die Basler Fasnachtsmusik aus dem Korsett der traditionellen Zweivierteltakt-Folklore zu befreien und in eine facettenreichere «Volkskunst», wie er es nannte, zu überführen.

Zu den bekannten Fasnachtsmärschen von «Beery», der seine Fasnachtslaufbahn übrigens als Trommler begonnen hatte, gehören die erfrischende Melodien-Collage «Dr Lumpesammler» oder das «Sodeli», das er zu Ehren seiner ehemaligen Kuttlebutzer-Pfeiferkollegin Erika «Bötschli» Gyger komponiert hatte. Mit seinen anspruchsvollen Kompositionen überschritt er die Grenzen der traditionellen Fasnachtsmusik. Als Experimentierfeld hatten ihm seine legendären und hochstehenden Vorfasnachtsveranstaltungen «Museumskonzärtli» oder «Ufftaggt» gedient.

Nun wird «Beery» nicht mehr mit dem Piccolo die Freie Strasse hinuntertänzeln, nicht mehr als Performer mit indonesischen Künstlern auftreten. Er sei auf dem Weg in den Fasnachtshimmel, ist auf www.fasnacht.ch zu lesen. Klingt vielleicht etwas kitschig, im übertragenen Sinne ist es aber durchaus stimmig.

Der Marsch «Sodeli» von Beery Batschelet anlässlich der Uraufführung am Drummeli 2015.

Meistgesehen

Artboard 1