Bildung

Ab 2020 wird in Basler Schulen wieder Politik gebüffelt

Basler Schüler dürfen sich in Zukunft wieder per Lehrplan mit Politik auseinandersetzen.

Basler Schüler dürfen sich in Zukunft wieder per Lehrplan mit Politik auseinandersetzen.

Die Jungfreisinnigen forderten per Initiative ein Schulfach Politik. Nach einem Kompromiss mit der Regierung ziehen sie diese nun zurück, der Unterricht beginnt 2020.

In der Stundentafel der Basler Schulen hat politische Bildung ab nächstem Schuljahr ihren festen Platz. Erfüllt wird damit eine Forderung der Jungfreisinnigen des Stadtkantons, die ihre Initiative «JA zu einem Fach Politik» deshalb zurückgezogen haben.

Umgesetzt wird somit der Gegenvorschlag des Grossen Rates, wobei sich die Jungpartei und die Regierung bereits auf die Umsetzung geeinigt haben: «Politische Bildung» wird neu analog zu «Medien und Informatik» in die Stundentafel aufgenommen, teilten das Erziehungsdepartement Basel-Stadt (ED) und die Jungfreisinnigen (JFBS) am Freitag in einem gemeinsamen Communiqué mit. Der Unterricht beginnt ab 2020. Titus Hell, Präsident der Jungfreisinnigen Basel-Stadt freut sich darüber: «Unser politisches System wird langfristig davon profitieren. Leute können sich erst dann einbringen, wenn sie auch verstehen, wie Politik funktioniert.

Verbindliche Lektionenzahl

Inhaltlich waren sich zwar alle Beteiligten von Anfang an einig, wie Erziehungsdirektor Conradin Cramer an der gemeinsamen Pressekonferenz mitteilt. «Uneinig waren wir uns bei der Methode.» Der Erziehungsrat und die Exekutive wollten Flexibilität ermöglichen. Für Erziehungsrätin Susanne Signer (SP) ist politische Bildung nämlich nicht etwas, das erst in den letzten beiden Schuljahren in allwöchentlichen Theoriestunden beigebracht werden kann: «Politische Bildung ist ein Prozess über mehrere Jahre, der auf allen Klassenstufen und fächerübergreifend stattfinden muss.»

Diese Haltung vertrat auch die Regierung, weshalb sie sich im April 2018 gegen die Idee der Jungfreisinnigen aussprach. Diese hatten die Initiative «JA zu einem Fach Politik» im Juni 2017 mit 3120 Unterschriften eingereicht. Sie argumentierten, dass im Lehrplan 21 die Chance für ein Fach Politik verpasst worden sei. Mit einem solchen Fach sollte ein gewisses politisches Basiswissen sichergestellt werden.

Regierung war dagegen, Cramer reagierte

Die Regierung meinte, dass die Initiative im Widerspruch stehe zum interkantonalen Anliegen, gesellschaftlich relevante Themen nicht in einzelne, sondern in möglichst viele Fächer und Fachbereiche einzubinden. Der Grosse Rat empfahl jedoch im vergangenen März die Initiative zur Annahme und hiess auch einen Gegenvorschlag der Bildungs- und Kulturkommission gut. Bei der Stichfrage obsiegte die Initiative.

Trotzdem zeigten sich die Jungfreisinnigen bereit, weiterhin mit der Regierung zu arbeiten, was Conradin Cramer begrüsst: «Das zeugt von politischer Reife.» Er hält schmunzelnd fest, dass die Jungfreisinnigen damit beweisen würden, dass es um die politische Bildung in Basel nicht so schlecht stehe. Der ausgearbeitete Kompromiss kreiert kein Fach «politische Bildung», sondern garantiert eine verbindliche Lektionenzahl: Politik wird im 10. und 11. Schuljahr je eine halbe Lektion pro Woche unterrichtet - integriert in das Fach Deutsch und in den Fachbereich Räume, Zeiten, Gesellschaften.

Nachdem am Montag auch der Erziehungsrat seine Zustimmung erteilt hatte, zogen die Jungfreisinnigen ihr Volksbegehren zurück. Weil nun der Gegenvorschlag in Kraft tritt, wird auch die darin enthaltene Bestimmung umgesetzt, wonach der Lehrplan um den Bereich «Gesellschaft und Politik» ergänzt wird.

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