Rheingasse-Boulevard

Die Stadt sei seit der Einführung des neuen Verkehrskonzeptes tot, hiess es. Im unteren Kleinbasel soll dem nun Abhilfe geschaffen werden. Aus dem jüngsten veröffentlichten Kantonsblatt ist zu entnehmen, das die IG Rheingasse (IGR) ihre Pläne in die Tat umsetzt: Insgesamt zehn Betriebe auf einer Gehdistanz von 300 Metern haben ein Gesuch für eine Boulevard-Bewilligung eingereicht. Vom «Acero» bis zur «Linde» sollen also auf den leer geräumten Parkfeldern Tische und Stühle stehen. Dies auf einer Fläche von insgesamt 142 Quadratmetern, wie einer gestrigen Mitteilung des Bau- und Verkehrsdepartements zu entnehmen ist. Auch das Café des Artistes an der Riehentorstrasse will vom neuen Platz und der autofreien Innenstadt profitieren, allerdings mit verkürzten Öffnungszeiten.

«Ausser dem Hotel Merian, dem Hotel Hecht und der Fischerstube haben alle der IG Rheingasse angeschlossenen Gastrobetriebe eine entsprechende Eingabe beim Kanton gemacht», sagt Christian Fink von der IGR. Die Öffnungszeiten sind bei diesen überall gleich: Wochentags sollen Gäste bis 22 Uhr draussen sitzen dürfen, an Wochenenden bis um 23 Uhr. Das ist jeweils eine Stunde weniger, als die Wirte ursprünglich gefordert hatten. Dies entspricht den jetzigen Vorgaben der Zone, in welcher sich die Rheingasse befindet. Auf der Rheinseite sind die Regeln noch strenger, aufgrund von Sekundärlärm müssen deshalb auch die Beizen der Rheingasse früher dichtmachen. Allerdings gelten für die dem Bach zugewandten Restaurants Sonderbewilligungen, welche den Wirtschaften einen längeren Betrieb ermöglichen. «Das ist absurd», sagt Kulturveranstalter und Mitglied der IGR Tino Krattiger. Längere Öffnungszeiten seien wie bei den Buvetten auch aufgrund der besseren sozialen Kontrolle und damit verbundenen Sicherheit im Sinne der Anwohner, welche ebenfalls Teil der IGR sind. Eine Motion von Grossrätin Kerstin Wenk (SP) zur «Vereinheitlichung und Verlängerung der Boulevard-Öffnungszeiten in der Rheingasse» ist aber derzeit bei der Regierung hängig.

«In einem ersten Schritt haben wir deshalb verkürzte Öffnungszeiten eingegeben, um eine kategorische Absage zu verhindern», sagt Krattiger. Aufgrund der Einbindung von Anrainern ist es ihm zufolge auch unwahrscheinlich, dass Einsprachen einem baldigen Rheingasse-Boulevard den Weg verbauen, weshalb er sich gestern auch «sehr zufrieden» über die bisherige Entwicklung im unteren Kleinbasel zeigte. Auch dass kein Plastik-Inventar auf die Strasse gestellt werden darf, findet er gut.

Aussenfläche für Fischerstube?

Keine Stühle vor die Türe stellen darf hingegen bislang die Fischerstube – an dieser Ecke ist die Strasse für eine Nutzung zu eng. Doch auch für die Traditionsbeiz ist eine Lösung denkbar, ein entsprechendes Projekt befindet sich in der Planung, «bis jetzt ist aber aufgrund eines komplizierteren Verfahrens noch nichts spruchreif», so Krattiger.