Littering

Abfallberg am Rheinbord: Hauskehricht-Grüsel machen das Elend noch schlimmer

Die Sauerei am Rheinbord und in den Parks hält an. Was jetzt noch dazu kommt: Die Hauskehricht-Grüsel sind wieder aktiv. Einige öffentliche Container sind halbvoll mit dem, was in Bebbi-Säcke gehört.

Der Müllberg rund um die öffentlichen Container ist gewaltig. Immerhin: Am frühen Samstagmorgen sowie am Sonntagabend lag ansonsten wenig Abfall verstreut in der Gegend rund ums Rheinbord auf der Kleinbasler Seite, dort, wo es sich am vergangenen, herrlich heissen Wochenende Hundertschaften gemütlich gemacht hatten.

Doch das Littering-Problem in der gerne «mediterranisiert» genannten Stadt Basel hat sich damit nicht gelöst. Die Müllmengen sind nach wie vor gross. Ob die aktuelle Kampagne des Tiefbauamts bereits erste Wirkung gezeigt hat, will dessen Sprecher André Frauchiger so nicht bestätigen.

Schon jetzt sehr viele Container im Einsatz

«Es ist letztlich eine Kampagne», sagt Frauchiger: «Da wäre es schon sehr keck zu behaupten, dass sie gleich so bemerkbar angezogen hat.» Der Kanton beobachte die Abfallentwicklung und betreibe ein Monitoring: «Es kann auch an schönen Wochenenden zu Schwankungen kommen.»

Selbst angesichts der Berge rund um die Container sieht der Kanton derzeit davon ab, noch mehr Container aufzustellen. Zum einen bewege sich Basel im Schweizer Vergleich bereits im oberen Bereich, was die Zahl zur Verfügung gestellter Container angehe. Und zum andern ist da das Hauskehricht-Problem.

Teure Hauskehricht-Grüsel

Das nimmt wesentliche Dimensionen an. Laut Frauchiger ergaben Prüfungen der Stadtreinigung, dass teils bis zu 50 Prozent des Container-Inhalts Hauskehricht sei. Hauskehricht, den Private statt im Bebbi-Sack halbwegs gut getarnt in den weissen Raschelsäcken der Grossverteiler oder, wie es zunehmend auch praktiziert wird, in Robidog-Säcken zusammengepackt in die Container werfen. Damit geraten nicht nur Hundehalter in Verruf, vielmehr wird das Entsorgungssystem der Stadt unterwandert, das pro 35-Liter-Abfallsack eine Gebühr von 2.30 Franken verlangt.

Nicht nur wird damit das Gesetz umgangen, es kommt gleichzeitig zu einem teuren Kostenkreislauf, denn nicht nur die Entsorgung der Ware, auch das Leeren der Container kostet und geht letztlich auf Kosten der Steuerzahler. Wenn also ein öffentlicher Abfallcontainer schon halbvoll mit Hauskehricht ist, hat eben nicht mehr so viel von dem Platz, wofür er bestimmt ist: Die Hinterlassenschaften gemütlicher Grilladen, schneller Imbisse oder wilder Feiern an den Ufern des Rheins.

Buvetten und öffentliche Grills

Basel gehört als Schweizer Stadt zur Spitze der von Littering betroffenen Orte. Je mehr Menschen ihre Freizeitgestaltung im öffentlichen Raum abhalten, vor allem konsumierend, desto mehr Abfall. Die «Mediterranisierung» Basels, also vor allem die Aufwertung des Rheinbords und die Ausgestaltung der Pärke, gab schon mehrfach Anlass zu Vorstössen.

So verlangte SP-Grossrätin Salome Hofer vergangenes Jahr von der Regierung zu prüfen, ob kantonale öffentliche Grillstationen wie die bei der Oetlinger-Buvette vor der Dreirosenbrücke errichtet werden könnten. Dies, um den Gebrauch von Einweggrills einzuschränken. Der Vorstoss befindet sich allerdings nach wie vor in Bearbeitung.

Ein Mittel zur Einschränkung des Müllbergs ist das Einrichten bewirteter Betriebe. Doch auch das geht nie widerspruchslos über die Bühne. So sind bereits die geplanten Buvetten am St. Alban-Rheinweg und am Schaffhauserrheinweg unter Beschuss. Die Bevölkerung des Rheins ist aber nicht zu stoppen. Schon Ende Juli soll am Schaffhauserrheinweg mit der Aufschüttung des Rheinufers begonnen werden, damit der Badestrand grösser wird. Das bedeutet mehr Volk und das wiederum heisst immer auch: Mehr Hinterlassenschaften, die weggeräumt gehören.

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