Unterflurcontainer

Abfallkonzept: Halb Basel reisst die Klappe auf

Je nach Wohnquartier gehören sie bald zum Alltag der Baslerinnen und Basler: Bebbisagg-Unterflurcontainer.

Je nach Wohnquartier gehören sie bald zum Alltag der Baslerinnen und Basler: Bebbisagg-Unterflurcontainer.

Der Systemwechsel bei der Kehrichtentsorgung in Basel wird gestaffelt: Der Grosse Rat hat den Kredit für die Einführung von Unterflurcontainern statt der Abfuhr vor der Haustüre auf 13,3 Mio. Franken halbiert.

Knapp fünf Stunden. So lange brauchte der Grosse Rat insgesamt, um das Abfallkonzept zu besprechen und zu beschliessen. Inklusive einer viertelstündigen Unterbrechung, in der sich Ratspräsident Christian Egeler (FDP) mit den Fraktionschefs über das Abstimmungsprozedere einigen musste.

Die Zahl der Änderungsanträge, Eventualanträge und Gegenvorschläge war so gross, sie hätte problemlos einen 35-Liter-Bebbisagg gefüllt. Regierungsrat Hans-Peter Wessels (SP), der die letzte Sitzung krankheitshalber verpasst hatte, meinte dazu süffisant, er danke für die intensive Debatte, «die so lange dauerte, dass ich nun auch in den Genuss komme, zu diesem Thema zu sprechen».

Am Ende stand, wie die bz bereits am Mittwoch angekündigt hatte, ein Kompromiss. Basel erhält kein flächendeckendes Netz aus Unterflurcontainern, in die man jederzeit seinen Bebbisagg werfen kann. Sondern es wird nur quartierweise eingeführt, mit der Hälfte der 26,5 Millionen Franken, die die Regierung wollte.

Schon zum dritten Mal diskutiert

Die Argumente waren auch bei der dritten Auflage der Debatte die selben: Die Bürgerlichen finden die Unterflurcontainer eine Zumutung für Alte und Behinderte, der Staat solle gefälligst den Abfall vor der Haustüre abholen. Die Ratslinke sieht eine Erleichterung für alle, wenn man den Abfall dann wegbringen kann, wenn der Sack voll ist und nicht nur zweimal die Woche.

Da die bürgerlichen Ratsmitglieder das Konzept nicht ganz bodigen konnten, wollten sie die Mittel zur Umsetzung auf ein Drittel kürzen, doch am Ende einigte man sich auf die Hälfte dieser Kosten. Und schuf damit das, was die Regierung vermeiden wollte, nämlich eine Parallellösung. Wie Anita Lachenmeier (Grüne) festhielt: «Es ist sicher die teuerste Lösung, die wir nun wählen.»

Keine Chance hatte die Forderung von SVP, LDP und FDP, auf die Einführung des Zwangs zu Mehrweggeschirr bei Grossveranstaltungen zu verzichten. Die Gegner malten Schreckensszenarien an die Wand, es gäbe dann bei grossen Festen in ganz Basel keine Zweifränkler mehr, weil das Pfand zurückbezahlt werden müsse. Die Herbstmesse werde leiden, ganz zu Schweigen von «Em Bebbi sy Jazz». «Sie bestrafen hier nicht nur die Litterer, sondern auch die Veranstalter und alle anständigen Kunden», meinte Joël Thüring (SVP). Regierungsrat Christoph Brutschin (SP) setzte sich aber durch mit seinem Argument, was andernorts gut funktioniere, werde sich auch in Basel einspielen.

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