Bauarbeiten

Abgehängt: Wessels ist sauer, weil Züge nach Luzern ausfallen

Hans-Peter Wessels, Baudirektor BS: «Erst vor zehn Tagen wurden wir über die Pläne der SBB informiert.»

Hans-Peter Wessels, Baudirektor BS: «Erst vor zehn Tagen wurden wir über die Pläne der SBB informiert.»

Es geht um die Intercity-Direktverbindungen, die wegen Bauarbeiten während der sechs Sommerferienwochen gestrichen werden.

Kaum ein Gefühl eint die Basler Linke und Rechte so stark wie dasjenige, von der Restschweiz nicht beachtet zu werden. Und noch stärker wird das Wir-Gefühl, wenn sie das Gefühl haben, die Zürcher würden bevorzugt. Das geht letztlich so weit, dass die SVP im Grossen Rat eine Resolution der Grünen unterstützt, in dem mit Polemik kaum zurückgehalten wird.

Es geht um die Intercity-Direktverbindungen, die wegen Bauarbeiten während der sechs Sommerferienwochen gestrichen werden. Täglich kommt es zu acht IC-Ausfällen für alle, die ins Tessin reisen. In der Resolution war von «Kahlschlag» die Rede, nicht nur für die Tessinreisenden.

Gestrichen würden die guten Anschlüsse an den Stundentakt ab Luzern per Dampfschiff auf dem Vierwaldstättersee, hiess es. Und davon war die Rede, dass die SBB diese Streichungen ohne Vorankündigung durchgeführt habe und ohne Medienarbeit, was die Bundesbahnen wiederum zur Richtigstellung veranlasste, auf der Webseite werde seit Anfang Juni informiert und die Anwohner der Region hätten das schon erfahren.

Trotzdem zeigte sich auch der Basler Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP) befremdet über das Vorgehen der SBB. Erst vor zehn Tagen sei er über die Pläne informiert worden, sagte er – doch auch das sahen die SBB anders. «Unsere erste Information an die politischen Stakeholder erfolgte Anfang Juni», sagte Mediensprecher Raffael Hirt. «Vor zehn Tagen erfolgte eine weitere Information, auf die sich Regierungsrat Wessels wohl bezieht.»

Wessels selbst sagte, er werde mit den SBB das Gespräch suchen – unabhängig davon, ob die Resolution durchkommt. Diese beinhaltete, die geplanten Zugausfälle rückgängig zu machen und die IC-Schnellverbindungen in den Sommerferien beizubehalten. Und falls dies nicht möglich sei, den IC zumindest an den sieben Wochenenden fahren zu lassen – also wenn am meisten Touristen unterwegs sind. In «dritter Priorität» forderte die Resolution «zumindest die Verbindungen zu den höchstfrequentierten Dampfschiffkursen zu garantieren» und in «vierter Priorität» die IC-/IR-Verbindungen nach Locarno und Lugano/Chiasso direkt via Lenzburg/Arth-Goldau zu führen.

SBB sind verhandlungsbereit

Die Mitte rieb sich über das Bündnis zwischen Links und Rechts die Augen. LDP-Sprecher Michael Koechlin fand, es handle sich um ein «aufgeblasenes Pseudoproblem». «Wer aufs Dampfschiff nach Luzern will, der schafft das auch.» SVPler Pascal Messerli hielt dagegen, dass vom Abbau gerade im Sommer viele betroffen seien. Und der Grüne Raphael Furer fürchtete, dass ein öV-Abbau zur Folge habe, dass die Menschen wieder aufs Auto umsteigen würden. «Wenn der öV im Sommer nur halb zu gebrauchen ist, dann braucht man kein GA», meinte er. Von linker Seite fiel auch die Kritik, wonach nun alle Verbindungen über Zürich liefen.

Die Resolution wurde mit 59:26 Stimmen überwiesen. Wessels sagte, er rechne nicht damit, dass alle Forderungen umgesetzt würden – am ehesten noch, dass die Verbindungen zu den Dampfschiffkursen beibehalten werden. Hirt von den SBB signalisierte immerhin Verhandlungsbereitschaft. Man prüfe, welche Anpassungen noch möglich seien.

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