Basel
Abgesagte Fasnacht: «Die Solidarität ist riesig, jetzt halten alle zusammen»

Der Sonntag vor dem abgesagten Morgestraich. Anwar und Karim Frick sitzen im Innenhof ihres Restaurants Löwenzorn und atmen tief durch.

Rahel Koerfgen
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Seit vergangenem August wirten die Brüder im «Löwenzorn».

Seit vergangenem August wirten die Brüder im «Löwenzorn».

Kenneth Nars

Das erste Mal seit Freitag, seit die Fasnacht wegen des Corona-Virus abgesagt wurde. «Ich habe mich gefühlt wie in einem luftleeren Raum. Es hat sich total surreal angefühlt», sagt Anwar Frick. Sein Bruder Karim ergänzt: «Seit Freitag bin ich nur noch am Telefon, sitze permanent am Computer. Wenige Minuten nach der Mitteilung der Regierung ging es los mit den Absagen. Massenweise kamen sie rein.»

Seit vergangenem August wirten die Brüder im «Löwenzorn». Es wäre die erste Fasnacht am Gemsberg gewesen, zuvor haben sie in der Fischerstube gewirtet. Der Löwenzorn, er ist eine der wichtigsten Fasnachtsbeizen, wenn nicht die Basler Fasnachtbeiz. Das Restaurant mit seinen vielen Sälen, das von sämtlichen Schnitzelbängglern besucht wird, war für die Fasnacht restlos ausgebucht, mehrere hundert Reservationen von grösseren und kleineren Gruppen, von Aktiven und Passiven. Entsprechend haben die Brüder in Fasnachtsinventar investiert, elektrische Installationen, in rund 20 temporäre Mitarbeiter, die in den vergangenen Wochen eingearbeitet wurden. Alles in allem gegen die 50000 Franken, inklusive Lohnkosten. «Von den hunderten von Arbeitsstunden, die ich investiert habe, wollen wir jetzt gar nicht reden. Natürlich können wir das Material im kommenden Jahr brauchen, aber wir haben damit gerechnet, dass wir das an der Fasnacht reinholen können,» so Karim Frick. Die drey scheenschte Dääg, so schätzt er, hätten sicher zehn Prozent des Jahresumsatzes ausgemacht.

Die Investition wird nun ein grosses Loch in die Kasse der beiden erfahrenen Gastronomen reissen. Den meisten 20 temporären Mitarbeitern – sowohl in Küche als auch Service, und dem Putzpersonal, musste abgesagt werden. «Bei Härtefällen haben wir selbstverständlich eine Ausnahme gemacht», sagt Karim Frick.

Am Samstag kippte die Stimmung – ins Positive

Die Fricks können trotzdem ein bisschen aufatmen. Am Samstag nämlich ist die Stimmung gekippt – ins Positive, so Karim Frick: «Leute, die reserviert haben, riefen uns an und sagten, sie kommen trotzdem vorbei. Sogar neue Reservationen gehen jetzt ein. Von grossen Cliquen, aber auch vielen Privaten und Stammgästen.» Er sei jetzt am Jonglieren, damit alles aufgehe. Anwar Frick sagt dazu: «Die Solidarität ist riesig, das hat sich in einen grossen emotionalen Zusammenhalt umgekehrt. Das nimmt mir sehr viel Druck.» Auch unter den Beizern helfe man sich, so gut es ginge. Er erzählt, Pia Elia von der Spalenburg um die Ecke sitze auf einigen hundert Käse- und Zwiebelwähen im Tiefkühler. Er werde ihr nun gerne welche abnehmen. «Jetzt sind wir wegen der vielen Reservationen wieder am Essen bestellen, nachdem wir am Freitag storniert hatten. Verrückt, oder?»

Ermuntert von dieser Solidaritätswelle haben sich die Fricks dazu entschieden, ihre Beiz heute Morgen um 5 Uhr zu öffnen – laut Betriebsbewilligung dürfen sie das –, und laden zu einem gemütlichen Frühstück. Der «Löwenzorn» ist fast ausgebucht. Die Fricks zeigen sich deshalb verhalten optimistisch: «Die Absage der Fasnacht wird uns finanziell schon hart treffen. Aber wir werden es überleben.» Allerdings komme es drauf an, wie es weiter gehe. Wenn sich die Situation verschärfe und die Leute nicht mal mehr ins Restaurant gehen, «dann wirds ernst. Aber wir bleiben positiv», sagt Anwar Frick, und atmet tief durch.