MCH Group

Abschied der Messe naht: Baselbieter Regierung kündigt VR-Rückzug und Verkauf der Aktien an

Tempi passati: Die Mustermesse (im Bild von 1954) gibts nicht mehr. Und auch die Beteiligung des Kantons Baselland ist wohl bald Geschichte.

Tempi passati: Die Mustermesse (im Bild von 1954) gibts nicht mehr. Und auch die Beteiligung des Kantons Baselland ist wohl bald Geschichte.

Vor ziemlich genau 101 Jahren beschloss die Baselbieter Regierung die Beteiligung des Landkantons an der Schweizer Mustermesse. Doch damit könnte nun bald Schluss sein.

Die Regierung plant, den Aktienanteil des Kantons Baselland an der Messebetreiberin MCH Group AG von 7,8 Prozent in absehbarer Zeit zu verkaufen. Dies geht aus der Stellungnahme zu einem Vorstoss von Grünen-Landrat Klaus Kirchmayr hervor. Das Aktienkapital steht im Vermögen des Kantons aktuell zum Nominalwert von 4,7 Millionen Franken in den Büchern.

Keine Kantonsaufgabe mehr

Das Motiv, weshalb sich der Landkanton ab 1918 an der Messe beteiligt hat, sei nicht mehr gegeben, begründet die Regierung. Vor dem Hintergrund der damaligen Wirtschaftskrise sollte die neue Messe eine zentrale Vermittlerfunktion zwischen den Gewerbetreibenden und dem Volk wahrnehmen. Der Kanton Baselland hatte damals ein vitales Interesse daran, diese Funktion der Messe zu unterstützen. Diese Aufgabe habe der Kanton nicht mehr. Dies gelte unabhängig von den aktuellen Diskussionen um die künftige Strategie und Organisation der MCH Group.

Formell kündigt die Regierung an, die kantonale Beteiligung an der Messe vom Verwaltungs- ins Finanzvermögen zu transferieren. Im Verwaltungsvermögen befinden sich jene Vermögenswerte des Kantons, die zur Erbringung öffentlicher Aufgaben notwendig sind – wie etwa Schulgebäude. Mit der Umwidmung wird der Regierung ermöglicht, die Aktien per eigenem Entscheid zu verkaufen und sich aus dem Verwaltungsrat der MCH Group zurückzuziehen. Baselland war bisher mit Volkswirtschaftsdirektor Thomas Weber vertreten.

Risikoreiche Darlehen

Baselland hat in den vergangenen zehn Jahren drei Darlehen über insgesamt 85 Millionen Franken an die MCH Group gesprochen. Die Rückzahlung ist mit Risiken behaftet. Das bedeutendste Darlehen über 35 Millionen Franken wird laut Vertrag im März 2021 zurückbezahlt. Ein zweites über 30 Millionen ist bereits im Juni 2020 fällig und soll von der MCH Group in zehn Tranchen à 3 Millionen abgestottert werden.

Allerdings wurde die Rückzahlung an eine Eigenkapitalquote von 30 Prozent gebunden. Davon ist die MCH Group mit 11,4 Prozent (Stand Ende 2018) meilenweit entfernt. Mit dieser Rückzahlung darf der Kanton aktuell nicht rechnen, wie die Regierung einräumt. Ein drittes Darlehen über 20 Millionen wurde schliesslich à fonds perdu gewährt.

Die Kantone Zürich und Basel-Stadt sind anders vorgegangen und haben sich die Darlehen vorzeitig zurückzahlen lassen – damit aber auf Zinseinnahmen verzichtet. «Ich hätte es lieber gesehen, Baselland hätte die Darlehen früher zurückgefordert», sagt Kirchmayr. Angesichts der derzeitigen Finanzlage der MCH Group sei die Regierung offenbar zum Schluss gekommen, dass dieses Risiko tragbar sei.

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