Abschiedsfeier

Abschied von einem ganz Grossen: Helmut Hubacher in Basel gewürdigt

«Wertvoll für die Partei und das Land»: Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga erinnert sich an den langjährigen SP-Präsidenten.

«Wertvoll für die Partei und das Land»: Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga erinnert sich an den langjährigen SP-Präsidenten.

Die Schweizer Sozialdemokratie verabschiedet sich im Basler Volkshaus vom verstorbenen Helmut Hubacher.

Das Volkshaus als Ort einer egalitären Vorstellung von Gesellschaft, das ist längst passé. Gestern jedoch umwehte das Gebäude beim Claraplatz, in dem grad ein hippes Hotel eingebaut wird, der Geist der kämpferischen Sozialdemokratie des 20. Jahrhunderts. Die alten und jüngeren Kämpferinnen und Kämpfer kamen in Scharen, um Helmut Hubacher zu gedenken. Der Doyen der Schweizer SP war im August im Alter von 94 Jahren verstorben. Seine Witwe Gret, die einst das «Maxim» vis-à-vis des Volkshauses führte, nahm in der ersten Reihe neben den anderen Familienangehörigen Platz.

Ranghöchste Genossin war Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga. Sie erinnerte in ihrer Rede an die entscheidende Rolle Hubachers bei der Förderung der Gleichstellung von Mann und Frau in der Politik: Die Nichtwahl von Lilian Uchtenhagen in den Bundesrat 1983 war die wohl grösste politische Niederlage des Verstorbenen. Rückblickend aber war es ein Weckruf, der Anfang eines Protestschreis, der schliesslich dazu führte, dass auch Frauen in die Landesregierung gewählt wurden, Hubacher also indirekt auch zum Wegbereiter der Karriere der aktuellen Bundespräsidentin wurde. «Du gehörtest zu den wichtigsten Vorkämpfern für die politische Gleichstellung», sagte Sommaruga, zum überlebensgrossen Bild Hubachers zu ihrer Linken hingewandt.

Die berühmte Stürmung des Rednerpults

Die Basler Alt Ständerätin Anita Fetz wiederum konnte in ihren Erinnerungen aus dem Nähkästchen plaudern. Ihre erste richtige Begegnung mit Hubacher im Jahr 1980 bezeichnete Fetz, sehr zum Amusement des Publikums, als «etwas ruppig». Es gehört zum politischen Legendenrepertoire in der Basler Politik, dass Fetz an der damaligen 1. Mai-Feier als Mitglied der feministischen Ofra das Podium stürmte - und von Hubacher eins ausgewischt bekam. Hubacher und Fetz verband später eine Freundschaft. Er sei innerhalb der Partei zu ihrem wichtigsten Förderer geworden, sagte Fetz.

Ein Schuss in den Basler Nachthimmel

Der frühere SP-Parteipräsident Peter Bodenmann setzte Hubachers langes Leben in den grösseren historischen Kontext, er gab aber auch kleine, würzige Anekdoten zum Besten. So hätten Hubacher und der spätere baselstädtische Ständerat Carl Miville, er war gestern auch im Volkshaus anwesend, einst inkognito eine Versammlung der Partei der Arbeit besucht, seien erkannt und verfolgt worden. Miville habe das Problem einfach gelöst: Er habe eine Pistole gezogen und in den Basler Nachthimmel geschossen.

Bodenmann wies auf die besondere Charakterstärke von Helmut Hubacher in: Allen Anfeindungen im Kalten Krieg zum Trotz, sei er immer «verdammt gelassen» geblieben. Die Bürgerlichen hätten ihn zeitweilen als «Speichellecker der Kommunisten» verleumdet, obwohl Hubacher immer «nachweislich stramm antikommunistisch» gewesen sei.

Auch schwere Niederlagen wie jene im Basler Regierungswahlkampf von 1976 hätten ihn nicht von seinem Weg abbringen können. «Helmut Hubacher war ein Steh-Auf-Mann», sagte Bodenmann. Sein politisches Erbe: Er habe die Partei geöffnet für neue Themen und die Integration der 68er-Generation.

Autor

Patrick Marcolli

Patrick Marcolli

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