Coronavirus

Abschiednehmen verschoben: Die Asche Basler Verstorbener wird in Beuteln gelagert

Rundgang auf dem Friedhof Hörnli mit der Freien Journalistin Nathalie Baumann und Frau Bandi, Leiterin Friedhöfe Basel-Stadt. Viele Fotos des Friedhofs für eine mögliche Doppelseite. Das Muslimische Grabfeld

Der Friedhof Hörnli empfiehlt momentan die Kremation der Verstorbenen.

Rundgang auf dem Friedhof Hörnli mit der Freien Journalistin Nathalie Baumann und Frau Bandi, Leiterin Friedhöfe Basel-Stadt. Viele Fotos des Friedhofs für eine mögliche Doppelseite. Das Muslimische Grabfeld

Auf dem Friedhof Hörnli wird die Asche der Kremierten neuerdings in Beuteln gelagert. Es soll einfacher, sauberer und günstiger sein – so lange es nicht zu feucht wird.

Die Coronakrise hat auch das Bestattungswesen erreicht. Abdankungen sind zwar weiterhin möglich, jedoch nur noch im engsten Familienkreis. Als Ausnahmeregelung zum Verbot von Menschenansammlungen von mehr als fünf Personen darf der enge Familienkreis zwar bis zu zwanzig Personen umfassen, hält die Verordnung des Bundesrates fest. Doch ein traditionelles Abschiednehmen, zu dem nicht zuletzt ein Leichenmahl gehört, liegt nicht drin.

Selbst das Aufbahren der Leiche ist nicht mehr möglich, zumindest nicht mehr beim Basler Friedhof Hörnli. Die räumlichen Gegebenheiten liessen dies nicht zu, sagt Betriebsleiter Dominik Heiber. Es fehle dazu nicht nur das Personal, das den Strom der Besucher überwachen müsst. Heiber sieht auch den Pietätsgedanken verletzt, wenn unterschiedliche Regeln gelten müssten, ob eine Person am Coronavirus oder aufgrund einer anderen Ursache verstorben sei.

Der Friedhof empfiehlt deshalb die Kremation der Verstorbenen. Denn eine Urnenbestattung könne auch später stattfinden. Das Krematorium Hörnli sei bereit, die Asche der Verstorbenen, die in Basel-Stadt wohnten, gratis aufzubewahren, und zwar ein halbes Jahr über die Aufhebung der behördlichen Massnahmen hinaus.

Im Zusammenhang mit der damit zu erwarteten Lagerung der Überreste der Verstorbenen hat das Krematorium einen Wechsel von Aschekapseln zu Aschebeuteln vollzogen, wie Heiber auf Anfrage bestätigt.

Einfacher, sauberer und günstiger

Gängige Praxis ist, dass die ein bis zwei Kilogramm Asche, die nach einer dreistündigen Kremation von einem Verstorbenen übrigbleiben, in eine sogenannte Aschekapsel gefüllt wird. Dazu kommt das Tonplättchen, das zu eindeutigen Identifikation zum Verstorbenen gelegt wurde. Schliesslich wird die Kapsel nach behördlicher Vorschrift plombiert. Für die Bestattung wird die normierte Kapsel in die eigentliche Urne gelegt.

Beim Hörnli sollen nun die Aschebeutel zum Einsatz kommen. Solche seien seit gut zwei Jahren schon in Deutschland eingeführt und hätten sich bewährt, sagt Heiber. Er zählt die Vorteile auf. Nicht nur die Lagerung sei einfacher, es lasse sich dadurch auch das mögliche späterere physische Umfüllen der Asche vermeiden. Dies sei sauber und auch kostengünstig.

Der deutsche Lieferant bewirbt seine Aschebeutel damit, dass er zu hundert Prozent biologisch abbaubar und schon auf dem Versandweg umweltfreundlich sei. Zudem passe der Aschebeutel in nahezu jede Urnenform «ganz egal ob die klassische Urne oder Sonderformen wie Herzen oder Häuser». Das Basler Krematorium hat mittlerweile sein Formular, mit dem eine Kremation angemeldet wird, um die Rubrik Aschebeutel ergänzt.

Heiber sagt, der Friedhof Hörnli richte sich darauf ein, in den Monaten nach der Aufhebung der behördlichen Massnahmen viele Abdankungen durchführen zu können.
Die Gefahr, dass an der Pandemie mehr Leute sterben werden, als das Krematorium zu bewältigen vermag, sieht Heiber nicht. Zum einen hat das Krematorium die Kapazität durch einen Schichtbetrieb erhöht, zum anderen seien die Kühlkapazitäten ausgebaut worden.

Autor

Christian Mensch

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