Christine Baumann ist 25 Jahre alt. Sie hat gerade ihren Bachelor in Industriedesign an der Hochschule für Gestaltung und Kunst abgeschlossen — mit einer zukunftsweisenden Arbeit: einen flaschenartigen Mehrweg-Becher aus biologisch abbaubarem Kunststoff, der sogar zum Lichtkörper umfunktioniert werden kann — und mittels Umhängebändel überallhin mitgenommen werden kann. Der Clou: Dem Kunststoff sind Fruchtschalen beigemischt, die neben der speziellen Ästhetik auch einen Geschmackszusatz ans Hahnenwasser darstellen. Wer in dieser Flasche Wasser transportiert, kann sich über die Geschmacksrichtung Orange, Limette oder Ingwer freuen.

Gerne würde sie ihren Prototypen in Serie herstellen, doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Bis die Materialeigenschaften so optimiert sind, dass ein Produkt in Serie gehen kann, braucht es Geduld — und Geld. Baumann möchte lieber zunächst ein Praktikum absolvieren, in Holland, wo die Design-Szene offen und frisch sei, sagt sie. Doch für all jene Absolventen, die ihr Produkt selbst auf den Markt bringen wollen, hat die Fachhochschule Nordwestschweiz eine neue Starthilfe ins Leben gerufen: den Swiss Cultural Challenge.

Hinein ins reale Leben

Hier sollen die jungen Absolventen mit Fachpersonen aus der Wirtschaft zusammengeführt werden, die ihnen eine Brücke aus dem geschützten Bereich der Hochschule hinein ins reale Berufsleben bauen. Unter den Bewerbungen werden zwölf Einzelpersonen oder Teams ausgewählt, deren Ideen eine besonders hohe gesellschaftliche Relevanz aufweisen. In verschiedenen Workshops werden die Produkte weiterentwickelt und im März drei Sieger gekürt. Je 10 000 Franken Preisgeld stiftet die Christoph Merian Stiftung.

Dieser Preis ist nur ein Teil der vier Grundpfeiler der Arbeit der Fachhochschule. Sie will ihre Studierenden animieren, Design und Kunst nicht als Parallelwelt zu begreifen, sondern fördert gezielt die gesellschaftliche Relevanz der Themen. Die älter werdende Gesellschaft ist etwa ein Themenschwerpunkt, die Energiewende ein anderer.

Doch die Themen sind weit gesteckt. Die Ausstellung «Next Generation» auf dem Dreispitzareal offenbart eine ungemeine Vielfalt an Ideen. Mirko Merki (29) zeigt eine mobile Outdoor-Küche, damit die Menschen wieder zusammenkommen und gemeinsam kochen können. Francesca Petrarca (28) hat ihre mit «gratis» angeschriebenen Strassenfunde in einem hochwertigen Kunstkatalog archiviert — und die Fundstücke in Überraschungsboxen umgefüllt, damit die Ausstellungsbesucher sie wieder mitnehmen können. Und Daniel Nikles (29) zeigt seinen Roboter, der unentwegt Selfies von sich selbst aufnimmt und auf Instagram postet. Der Metallarm des Roboters ist scharf, die Menschen im Hintergrund, die Ausstellungsbesucher, unscharf. Auch so kann man die moderne Lebenswelt zur Diskussion zu stellen.