Riehen

Abtretender Gemeindeverwalter: «Mehr Mut für frische Ideen»

© Nicole Nars-Zimmer niz

Andreas Schuppli geht nach 16 Jahren als Gemeindeverwalter in Pension

Andreas Schuppli, was überwiegt wenige Tage vor Ihrer Pensionierung: Vorfreude oder Wehmut?

Andreas Schuppli : Es ist beides. Ich freue mich auf eine Zeit, in der ich den Grossteil meines Tages selber planen kann. Auch ist es entlastend, nach 30 Jahren Arbeit im Öffentlichen Dienst die damit verbundene Verantwortung weitergeben zu können. Anderseits habe ich die Arbeit als Gemeindeverwalter in Riehen sehr gerne gemacht. Die Vielseitigkeit der Aufgaben, die Begegnungen mit den verschiedensten Menschen, die Zusammenarbeit mit topmotivierten Mitarbeitenden und das alles in einer Gemeinde mit hoher Lebensqualität – das war schon ein Traumberuf.

Sie waren das Gesicht und der Kopf der Verwaltung. Dazu waren Sie eng in die Arbeit des Gemeinderats eingebunden. Wie verstanden Sie selber Ihre Arbeit?

Neben den inhaltlichen Aspekten der Arbeit, der Führung der Verwaltung und der Beratung des Gemeinderats war mir auch wichtig, für gegenseitiges Verständnis zwischen Politik und Verwaltung zu sorgen. Gleichsam als Scharnierfunktion.

Inwiefern war dies nötig?

Politik und Verwaltung arbeiten sehr verschieden. In der Verwaltung geht es um Qualität, fachliche Korrektheit, Vernunft und Effizienz bei der Erarbeitung von Entscheidungsgrundlagen und bei der Umsetzung der aufgetragenen Aufgaben. Politik hingegen tickt anders; sie darf auch mal unvernünftig sein. Wer in der Verwaltung arbeitet, muss für diese unterschiedlichen Arbeitsweisen Verständnis aufbringen.

In den Diskussionen um das Budget und die Jahresrechnung stand die Verwaltung im Einwohnerrat regelmässig in der Kritik. Sie sei aufgebläht, wachse zu stark und sei deshalb auch zu teuer. Wie gingen Sie mit dieser Kritik um?

Gewisse Behauptungen machten mir schon Mühe. Vor allem dann, wenn die Kritik fachlich unbegründet war, und Einwohnerräte klare Fakten ausser Acht liessen. Auch hätte ich mir gewünscht, die wirklichen Beweggründe der Kritik zu erfahren.

Warum ist denn die Verwaltung in den vergangenen Jahren stetig gewachsen, wie gerade FDP und SVP mehrfach kritisierten?

Weil das Aufgabengebiet und die Anforderungen laufend grösser wurden. Als 2009 im Rahmen der Verhandlungen über die Verteilung der Aufgaben und Lasten zwischen dem Kanton Basel-Stadt und den Gemeinden Riehen und Bettingen den Betrieb der Primarschulen übernahmen, hat sich die Mitarbeiterzahl der Gemeindeverwaltung mehr als verdoppelt. Es waren aber nicht nur die Angestellten in den Schulen selber. Es brauchte zum Beispiel auch Mittagstische und weitere ausserschulische Angebote. Logischerweise erforderte die Bewältigung dieser neuen Aufgaben auch mehr Ressourcen bei den internen Diensten wie zum Beispiel beim Fachbereich Personal, beim Rechnungswesen oder im Rechtsdienst. Das sind Fakten, von denen der Einwohnerrat detaillierte Kenntnis hat.

Sie sind hier geboren und haben auch als Angestellter der Gemeinde eine sehr enge Beziehung zu Riehen. Was ist es, das Riehen so besonders macht?

Riehen hat ganz besondere Qualitäten. Riehen ist eine «Gartenstadt» in der Europa-Region Basel, die sich ihren dörflichen Charakter bewahrt hat und auch Wert darauf legt. Das Kulturangebot ist ausgesprochen reichhaltig. Zur hohen Lebensqualität tragen die Nähe zu den umliegenden Zentren und im Speziellen auch die natürliche Umgebung bei. Durch den Landschaftspark Wiese führte mein täglicher Arbeitsweg mit dem Velo, und ich verbrachte dort bisweilen meine Mittagspause. Diese prächtige Natur so nahe am belebten Dorfkern: Das ist alles andere als selbstverständlich.

Riehen muss aber aufpassen, dass es in der Entwicklung nicht stehen bleibt.

Das sehe ich auch so. Riehen muss eine gute Balance zwischen Bewahren und Entwickeln finden. So freute ich mich sehr über den kostspieligen Beschluss zur Grünhaltung des Moostals in einer Volksabstimmung. Ich kann aber im Gegenzug nicht nachvollziehen, weshalb man das Stettenfeld, das sich für innovative Wohnprojekte hervorragend eignen würde, so langsam und wenig entwickelt. Auch die gut gelungene Neugestaltung des Dorfzentrums hätte viel früher realisiert werden können. Ich wünschte mir, Riehen hätte mehr Mut für frische Ideen. Wir älteren Menschen müssen vermehrt auch an die nachkommenden Generationen denken.

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