Basel Tourismus
Abtretender Tourismus-Direktor fordert längere Laden-Öffnungszeiten

Der abtretende Präsident von Basel Tourismus, Hanspeter Weisshaupt, analysiert im Interview die Stärken und Schwächen der Stadt. «Basel muss sich bei den Ladenöffnungszeiten bewegen», sagt der gebürtige Aargauer.

Hans-Martin Jermann
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Wünscht sich für Basel ein Touristen-Bähnli: Der abtretende Präsident Hanspeter Weisshaupt im Büro von Basel Tourismus in der Aeschenvorstadt.

Wünscht sich für Basel ein Touristen-Bähnli: Der abtretende Präsident Hanspeter Weisshaupt im Büro von Basel Tourismus in der Aeschenvorstadt.

Juri Junkov

Bei Basel Tourismus geht eine Ära zu Ende: Der ehemalige Spitzenbanker Hanspeter Weisshaupt tritt heute Abend an der GV nach acht Jahren als Präsident der Tourismusorganisation zurück. Insgesamt 16 Jahre engagierte er sich im Vorstand. Auf ihn folgt im Präsidium der ehemalige Basler CVP-Regierungsrat Carlo Conti. Weisshaupt hat Basel Tourismus gemeinsam mit Direktor Daniel Egloff stark geprägt. Im Interview zieht Weisshaupt Bilanz. Er analysiert den grossen Erfolg Basels als Touristendestination – er sagt aber auch, wo sich die Stadt noch verbessern kann.

Herr Weisshaupt, Sie werden heute Abend nicht mehr Präsident von Basel Tourismus sein. Welche Gefühle löst das aus?

Hanspeter Weisshaupt: Zwei Seelen schlagen, ach, in meiner Brust, hiess es in Goethes «Faust». Und so geht es mir derzeit: Ich habe mich stets sehr wohl gefühlt in meiner Aufgabe als Präsident von Basel Tourismus. Die Zusammenarbeit mit Direktion, Mitarbeitenden und Stakeholdern wie etwa der Regierung oder auch den Verbänden der Branche empfand ich immer als zielorientiert und angenehm. Wenn einem eine Aufgabe so gefällt, dann ist sicher verständlich, dass der Abschied etwas schmerzt. Ich bin aber überzeugt, dass der Zeitpunkt meines Rücktritts der absolut Richtige ist: Zum 125-Jahr-Jubiläum von Basel Tourismus und nach acht erfolgreichen Jahren als Präsident.

Allerdings schreiben die Statuten von Basel Tourismus den Rücktritt im 70. Altersjahr vor. Sie sind 70. Hand aufs Herz: Wären Sie nicht gerne noch ein bisschen Präsident gewesen?

Nein, ich wäre ohnehin zurückgetreten. Das Jubiläum ist als Zeitpunkt ideal. Ausserdem wollte ich keinesfalls, dass der Eindruck entsteht, ich lasse noch etwas ausklingen. Das ist nicht meine Art.

Blicken wir zurück: Wie hat sich Basel als Tourismusstadt in den insgesamt 16 Jahren entwickelt, in denen Sie im Vorstand aktiv waren?

Ein Aargauer in Basel

Der Anfang Jahr 70 gewordenen Hanspeter Weisshaupt ist gebürtiger Aargauer und lebt in Wohlen, er hat aber den Grossteil seiner Berufskarriere in Basel verbracht: Von 1998 bis 2007 führte er die UBS Nordschweiz, zuvor war er Regionaldirektor des Bankvereins. Der Doktor der Rechtswissenschaft ist in der Region vielen als Delegierter beider Basel für die Euro 08 in Erinnerung. Weisshaupt präsidierte über Jahre die Basler Bankiervereinigung, den Verwaltungsrat der FC Basel Marketing AG und er amtete als Vizepräsident der Stiftung des Kunstmuseums Basel. Noch immer ist er Verwaltungsratsvizepräsident der Allschwiler Jean Cron Holding. Im Militär bekleidete er die Funktion eines Obersts im Generalstab.

Welchen Anteil hat Basel Tourismus an diesem Erfolg?

Dass wir die Stadt mit dem Slogan «Culture Unlimited» positioniert haben, war ein hervorragender Schachzug, den man nicht ohne weiteres kopieren kann. Der Slogan ist aber auch nur überzeugend, weil das Angebot stimmt. Kunstmuseum, Fondation Beyeler, Tinguely-Museum, Antikenmuseum, Historisches Museum, Schaulager und so weiter qualifizieren sich in der höchsten Kunstliga mit ihren permanenten Beständen, aber auch mit den attraktiven Sonderausstellungen von Weltklasse-Format.

Was würde Basel fehlen, gäbe es keine Tourismusorganisation?

Die Koordination und das gegenseitige Verständnis unter den Stakeholders. Bei Basel Tourismus werden die verschiedenen Interessen gebündelt – jene der Hoteliers, des Flughafens, der Messe, des Handels und des Restaurations-Gewerbes. Sie sind alle im Vorstand von Basel Tourismus vertreten. Wir bearbeiten aufgrund der geäusserten Bedürfnisse – selbstverständlich im Rahmen unserer Möglichkeiten – gezielt die Märkte im Ausland.

Was war der grösste Erfolg von Basel Tourismus in den letzten acht Jahren?

Dass es uns gelungen ist, in der Stadt ein Bewusstsein für den Tourismus zu etablieren. Ich hatte früher fast den Eindruck, in Basel werden die Japaner, Chinesen oder Südamerikaner, die durch die Freie Strasse flanieren, als lästige Begleiterscheinung angesehen. Das ist zum Glück passé. Dass heute in der breiten Bevölkerung ein Bewusstsein für die Bedeutung des Tourismus existiert, ist nicht alleine das Verdienst von uns, sondern von allen, die täglich mit Touristen in Kontakt sind.

Nehmen wir die Entwicklung des Tourismus in Basel etwas genauer unter die Lupe. Wie beurteilen Sie die starke Zunahme von Hotels und Hotelbetten?

Das ist höchst erfreulich, auch deshalb, weil es hilft, zu Spitzenzeiten wie der Art oder der Baselworld die Nachfrage besser bei uns abzuschöpfen. Die Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft: Die bestehenden Hotels sind gezwungen, ihr Angebot stets zu optimieren. Wir verfügen heute über ein gutes Angebot in der 2, 3- und auch 4-Sterne-Kategorie. Eine Lücke besteht jedoch im obersten Segment. In Basel gibt es gegenwärtig nur ein wirkliches Fünfsternehotel – das Les Trois Rois – und dieses befindet sich quasi im 5-Sterne-Plus-Segment. Ein weiteres oder sogar zwei Fünfsternehotels würden helfen, der hohen Nachfrage in diesem Preissegment besser gerecht zu werden.

Können die zusätzlichen Betten auch abseits der Messen verkauft werden?

Bisher war es so, dass eine Zunahme des Angebots bei den einzelnen Hoteliers nicht zu einer schlechteren Auslastung geführt hat. Deshalb bin ich überzeugt, dass die Nachfrage weitere, neue Hotels in Basel zulässt und die Entwicklung der letzten Jahre noch nicht abgeschlossen ist.

Wie beurteilen Sie das Produkt Basel aus touristischer Sicht?

Grundsätzlich ist das Angebot sehr gut. Die Rahmenbedingungen stimmen. Aber es gibt schon noch Verbesserungspotenzial: Die Situation für die Gäste, die mit Bussen ankommen, ist leider nur suboptimal. Die Anmarschwege von den offiziellen Haltestellen der Busse hin zu den Museen und unsern Sehenswürdigkeiten ist zu lang und kompliziert. Zum Glück hat die Regierung den daraus resultierenden Handlungsbedarf erkannt.

Ein Grossteil der Reisenden betritt am Bahnhof SBB erstmals Basler Boden. Attraktivität und Erscheinungsbild des Bahnhofs sind sehr wichtig. Wie präsentiert sich hier die Situation?

Am Bahnhof sind grosse Fortschritte erzielt worden, etwa bei der Sauberkeit oder beim Angebot an Läden und Dienstleistungen. Die Schwachstelle ist aus meiner Sicht der Flughafenbus. Dieser fährt zu wenig häufig, die Kommunikation ist ungenügend. Der Bus wirkt noch immer fast wie ein Provisorium.

Der starke Franken hat sich zumindest bisher kaum auf die Gästezahlen ausgewirkt. Weshalb?

Die Schweizer Städte wie Basel sind besser aufgestellt als Ferienorte in den Bergen. Der starke Franken spielt im Städtetourismus eine geringere Rolle, weil die durchschnittliche Aufenthaltsdauer unserer Gäste kleiner ist. In Basel bleibt ein Gast durchschnittlich zwei Tage. Höhere Preise belasten das Portemonnaie daher weniger stark als bei einem Ferienaufenthalt von einer oder zwei Wochen in den Bergen.

Hat es auch damit zu tun, dass Basel aufgrund seines Angebots – etwa in der Kultur – weniger preissensitive Touristen anlockt?

Das ist denkbar. Es ist zweifellos auch von grosser Bedeutung, dass das Angebot in Basel nicht austauschbar ist. Die Gauguin-Ausstellung in der Fondation Beyeler können Sie nur hier besuchen. Bei den Skiferien sind attraktive Angebote auch anderswo – sei es in der Schweiz oder auch im benachbarten Ausland – zu finden.

In der Innenstadt mussten zuletzt mehrere Geschäfte schliessen. Wie sehr beschäftigt Sie das?

Zentral ist die Frage, ob und welche Geschäfte dort neu einziehen werden. Grundsätzlich ist ein attraktives Angebot an Läden in Innenstadt-Lagen für den Tourismus matchentscheidend. Ich bin dezidiert der Meinung, dass sich Basel bei den Ladenöffnungszeiten bewegen muss. Ich weiss, dieses Thema ist in der Stadt wiederholt und kontrovers diskutiert worden. Ich meine aber, dass sich die Situation verschärft hat: Wegen des starken Frankens und des zunehmenden Einkaufstourismus, aber auch wegen der zunehmenden Bedeutung des Einkaufens im Internet. Online können Sie – im Gegensatz zur Basler Innenstadt – rund um die Uhr einkaufen.

Formulieren Sie bitte zum Schluss einen verrückten Wunsch, den Sie für Basel haben?

Ich hätte gerne für Basel ein Touristen-Bähnli, das in der Hauptsaison zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt fährt, etwa zum Münsterplatz. Das soll kein Tram sein, sondern ein kleineres Gefährt, das unabhängig von Schienen durch die Gassen zirkulieren kann. Genf verfügt über ein solches Bähnli – meines Wissens ist es ein Erfolg. Ich glaube, dass damit gewisse Touristengruppen einfacher und noch nachhaltiger von den Qualitäten unserer Stadt überzeugt werden könnten.

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