An der Euro 08 setzte sich Basel United noch durch. Die damalige Betreiberin des St. Jakob-Parks wehrte sich gegen eine Verordnung der Regierung, welche Mehrwegsysteme für die Basler Veranstaltungen der Fussball-Europameisterschaft vorschrieb.

Im Stadion bodigten die Uefa und Basel United die Vorschrift mit ihrem Widerstand. Doch der Mehrwegbecher liess der Politik keine Ruhe. Das Parlament überwies 2008 und 2010 einen Vorstoss des früheren SP-Grossrats und heutigen Sportamtschefs Peter Howald, der eine Mehrwegpflicht im Stadion verlangte.

Wegwerf-Becher sind passé

Nach vielen Berichten, Studien und Testverkäufen wird diese Forderung nun umgesetzt. Nicht nur im Stadion: Die Regierung will sämtliche öffentlichen Veranstaltungen in Basel-Stadt zur Anwendung von Mehrwegsystemen bei der Abgabe von Essen und Getränken verpflichten.

Ein erster Schritt ist getan: Die Regelung gilt bereits für Veranstaltungen, die vom Kanton einen Kosten- oder Gebührenerlass oder Swisslos-Gelder erhalten. Jetzt soll sie auf alle öffentlich zugänglichen Anlässe ausgedehnt werden. Betroffen wäre etwa auch das Tattoo.

Jürg Hofer, Leiter des Amts für Umwelt und Energie, bestätigt, dass sich ein Ratschlag in der verwaltungsinternen Vernehmlassung befinde. In den kommenden Wochen werde er dem Regierungsrat vorgelegt. In der Nordwestschweiz kennt Reinach bisher als einzige Gemeinde den Mehrwegzwang für öffentliche Veranstaltungen, in der Restschweiz sind es Bern, Thun und Freiburg sowie Weil im grenznahen Ausland.

Aus dem Becherstreit an der Euro 08 hat die Basler Regierung gelernt. In die Erarbeitung der Gesetzesvorlage bezog sie die Stadionbetreiberin ein. Neu liegt diese Aufgabe nicht mehr bei Basel United, sondern beim FC Basel. Gemäss Jonas Blechschmidt, früherer Basel-United-Marketingchef und heutiger Leiter Business Development beim FCB, hat sich das Verhältnis zu Regierung und Verwaltung entschärft: «Früher waren die Ansichten schon etwas verhärtet. Inzwischen haben wir uns einander angenähert.»

FC Basel will Geld

Freiwillig würde der FCB zwar derzeit kein Mehrwegsystem einführen. Die Einführung würde hohe Kosten mit sich bringen, sagt Blechschmidt. Er rechnet mit einmaligen Ausgaben von 150 000 Franken für Installationen im Stadion, etwa für die Logistik der Mehrwegbecherkisten oder Anpassungen an Cateringständen.

Sollte die neue Gesetzgebung in Kraft treten, werde der FC Basel mit den Behörden das Gespräch suchen für die Umsetzung, aber auch für die Finanzierung, sagt Blechschmidt. Hofer erteilte derartigen Begehrlichkeiten in der bz bereits 2012 eine Absage: «Wenn der Kanton etwas vorschreibt, trägt er eigentlich keine Kosten für nötige Anpassungen.»

Gutes Geschäft für Becherindustrie

In der Mehrwegbecherindustrie reibt man sich derweil die Hände. Bei den Testverkäufen kam im Stadion die St. Galler Firma Cup & More zum Zug. Sie hat gemäss eigenen Angaben in der Schweiz eine Million Becher im Umlauf, die sie in Gossau und Fribourg reinigt. Cup-&-More Geschäftsführer Ernst Brunner kann sich eine Expansion nach Basel vorstellen: «Wenn die neue Regelung kommt, hat Basel für uns das Potenzial für eine weitere Reinigungsanlage.»

Dabei hätten die Becher schon bei den Testverkäufen ohne lange Lastwagenfahrt gereinigt werden können. In Münchenstein managt die Schweizer Marktführerin Cup Systems AG ihre rund 4,5 Millionen Becher, die sie in der Schweiz in Umlauf gebracht hat. Geschäftsführer Lorenz Meier hat eine Vermutung, weshalb seine Firma beim FCB bisher nicht zum Zug kam: «Cup & More ist mit Feldschlösschen liiert.» Feldschlösschen wiederum ist Stadionpartner.

Der FCB erwägt allerdings, die Aufgabe gleich selber zu übernehmen. Blechschmidt: «Vielleicht müsste der FC Basel eine eigene Becherwaschanlage betreiben, aber für diesen Gedanken ist es jetzt noch etwas verfrüht.»