Es waren wüste Szenen, die sich im April 2011 vor der Disco Nordstern an der Voltastrasse abspielten: Rund 20 Männer gingen auf die Türsteher los, schlugen diese mit den Fäusten, Baseballschlägern und Eisenstangen. Ein Teil der Täter soll mit sogenannten Schlagkraft verstärkenden Handschuhen, diese sind mit Sand gefüllt, ausgestattet gewesen sein. Einer der Türsteher zog sich Verletzungen an Schulter und Kiefer zu, der andere Prellungen am Schädel, Oberarm und der Hand. Einer der Täter rannte bei seiner Flucht direkt vor ein Auto, die restlichen Schläger verstreuten sich rasch in alle Himmelsrichtungen.

Gestern sass ein 36-jähriger Mann vor dem Basler Strafgericht, weil er kurz nach der Schlägerei von der Polizei in einem Fluchtwagen erwischt wurde – der BMW mit Innerschweizer Kontrollschildern wurde von mehreren Zeugen gesehen.

Verurteilter leugnet Tat

Von einer Schlägerei wollte er allerdings nichts wissen: Er sei mit einem Kumpel unterwegs gewesen, und plötzlich sei man in der Nähe des Voltaplatzes von der Polizei gestoppt worden. Einzelrichter Dominik Kiener fragte nach Einzelheiten des Abends, doch der Mann verlor sich in widersprüchlichen Zeit- und Ortsangaben. Auch der Fahrer des Wagens hatte in einer früheren Verhandlung keine überzeugende Geschichte bringen können.

Der 36-Jährige erhielt folglich eine bedingte Geldstrafe von 150 Franken zu 80 Tagessätzen wegen des Angriffs. Eine konkrete Körperverletzung konnte man ihm allerdings nicht nachweisen. Er kann den Schuldspruch noch weiterziehen. Bereits vor vier Wochen wurden sechs weitere Täter jener Nacht verurteilt. Die meisten der Männer haben die türkische Staatsbürgerschaft.

Ironischerweise half ein Zufall bei der Identifizierung der Täter: Eines der Opfer erinnerte sich, einen der Schläger schon einmal in seinem Fitnesscenter gesehen zu haben. Die Staatsanwaltschaft durchstöberte daraufhin die Kundenkartei und wurde fündig. Ein weiterer Schläger flog vor allem deshalb auf, weil er bereits an einer früheren Keilerei beim Nordstern dabei war.

Auslöser des Streits im April 2011 war offenbar die Tatsache, dass die Disco nach vier Uhr morgens bereits geschlossen hatte und die Türsteher niemanden mehr reinliessen. Dies wurde als «Beleidigung» aufgefasst, per Handy trommelten die Abgewiesenen einen Schlägertrupp zusammen.

Von den insgesamt 20 prügelnden Männern sind damit nun acht in erster Instanz wegen Angriffs oder Körperverletzung verurteilt worden. Die restlichen Täter hatten Glück: Bislang konnte man sie nicht identifizieren.