Grossratswahlen Basel-Stadt

«Acht Sitze? Acht Sitze!! Acht Sitze!»: Die Grünliberalen sind nun eine arrivierte Partei

Siegerpose kurz nach 16 Uhr im altehrwürdigen Fussballstadion: Die GLP bejubelt acht Sitze im Grossen Rat.

Siegerpose kurz nach 16 Uhr im altehrwürdigen Fussballstadion: Die GLP bejubelt acht Sitze im Grossen Rat.

Wie die Basler Grünliberalen am Sonntag um 16.04 Uhr ihr Dasein als etwas bemitleidenswerte Kleinpartei abstreiften.

In Momenten des unerwarteten Erfolgs kann man die ungeschminktesten Reaktionen beobachten. Aber leider sind es nicht immer die Klügsten. Was für frisch gekürte Olympiasieger gilt, lässt sich auch auf Regionalpolitikerinnen und -politiker ummünzen. Als um 16.04 Uhr die Resultate der Grossratswahlen über den Landhof hallten, wurde die GLP-Grossrätin Sandra Bothe recht einsilbig. «Acht Sitze?? Acht Sitze!! Acht Sitze!»– murmelte sie, fragte sie, schrie sie über den Rasen des altehrwürdigen Stadions. Ja, acht Sitze. Fünf mehr als heute.

Es ist ein lange erdauerter Erfolg. Vor dreizehn Jahren wurde die Partei in Basel-Stadt gegründet. Bei den ersten Wahlen erreichte sie gleich Fraktionsstärke, verabschiedete sich aber bald daraufhin in die Nische, fristete ein Aussenseiterdasein. Und dieses Bild vermittelte die Partei gestern auch, als es um die Mittagszeit zur Zusammenkunft lud.

Jeder verfolgte die Verkündung für sich mit

Drei Journalisten standen rund einem knappen Dutzend GLP-lern gegenüber, die noch damit beschäftigt waren, Plakate zu montieren. Auf dem Beamer sollten die Zwischenresultate der Regierungswahlen übertragen werden. «Aber da sieht man ja gar nichts», meinte jemand. Und da einigte man sich darauf, dass halt jeder für sich die Verkündung auf dem Handy mitverfolgt, welches Resultat Esther Keller bei den Regierungswahlen gemacht hat.

Man feierte noch Achtungserfolge – die GLP war ja eine Nischenpartei. «Ich find’s ein gutes Resultat», meinte GLP-Vorstandsmitglied Christian Thurneysen. «Sie lässt die aktuelle Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann hinter sich. Wer hätte das gedacht?»

GLP-ler sponsert 36 Flaschen Sekt und Wein

Da war’s noch eine Kleinpartei: Die GLP bei der Vorbereitung aufs Fest im Landhof.

Da war’s noch eine Kleinpartei: Die GLP bei der Vorbereitung aufs Fest im Landhof.

Zum Zmittag geht’s für das gute Dutzend Grünliberale in den währschaften Rheinfelderhof – weil GLP-Urgestein Karl Linder da mit WIR zahlen kann. Angestossen wird aber noch nicht. Man will erst warten, wie Esther Keller so drauf ist. Gut, wie sich herausstellt: Sie spricht von einem «crazy» Resultat, als sie reinplatzt.

Dass sie bei den Regierungswahlen ein besseres Resultat rausholt als die Amtierende, sei angesichts der fehlenden Unterstützung von links und rechts doch überraschend. «Die anderen Parteien haben ja explizit gesagt, man solle mich nicht wählen. Da ist ein solches Ergebnis schon über den Erwartungen», meint sie. Auf die Frage einer Journalistin, ob sie mit vor die Tür zum Rauchen käme, entgegnet sie: «Eigentlich rauche ich nur am Wochenende – wobei, jetzt ist ja Wochenende!» Keller sagt, sie sei etwas durch den Wind, die Kraft reiche aber locker für den zweiten Wahlgang: «Jetzt bin ich im Flow. Die vergangenen Wochen waren einfacher als der Sommer, als alles aufgegleist werden musste.»

Am Nebentisch wird über den Zustand der Partei diskutiert. Zwei Grossratskandidatinnen loben die Bemühungen, Frauen zu integrieren. Aber sie meinen auch, man sei eben noch eine Kleinpartei, die sich in vielem finden müsse. Wofür steht die GLP in der Bildungspolitik, wofür in der Kulturpolitik? «Klar, das hängt jetzt stark von einzelnen Exponenten ab», meint eine. Das berge Konfliktpotenzial – die klare Linie fehle.

«Wir haben mehr Sitze als die CVP oder die FDP – jetzt sind wir selbst eine arrivierte Partei»

Solche Sorgen sind um 16.04 Uhr verflogen. Schlagartig ist aus der Nischenpartei eine selbstbewusste Kraft im Basler Parlament geworden. «Wir haben mehr Sitze als die CVP oder die FDP – jetzt sind wir selbst eine arrivierte Partei», meinte GLP-Gründungsmitglied Dominik Bothe nach Bekanntgabe der Resultate, derweil seine Ehefrau noch nach den richtigen Worten suchte.

Die abendliche Sause auf dem Landhof endet weit nach Redaktionsschluss. Und ob die– von einem Parteimitglied gesponserten – 36 Flaschen Wein und Sekt reichen, ist angesichts der GLP-Euphorie ungewiss.

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