Wenn es nur das Material wäre! Auch die Farbe ist anders. Blau statt grün. «Grün gibt es nicht bei der Firma, bei der wir die Kleidung beziehen», sagt Barbara Ligresti (29), Hygienepflegefachfrau im Operationsbereich des Universitätsspitals Basel. Ihre Funktion lässt es bereits erahnen: Diese Frau versteht was von Hygiene. Und weiss daher, weshalb Baumwolle schlecht ist und «Papier» besser – zumindest im Operationssaal. Und hier sind wir, wenn wir über «Papierkleider» reden und die Gefahren, die lauern.

Als Barbara Ligresti ihre Stelle vor sieben Jahren antrat, tat sie dies in Baumwollkleidung. Auch die Tücher, mit denen sie die Patienten abdeckte, waren aus diesem Material gefertigt. Der Haken: Baumwolle fusselt. Und als Hygienebeauftragte weiss Ligresti: «Fusseln sind die idealen Transportmittel für Keime.» Zwar gäbe es keine Studien, die aufzeigten, zu wie vielen Infektionen es nur deswegen kam. Hygienische Bedenken aber seien berechtigt.

Inzwischen wurde reine Baumwollkleidung aus dem OP verbannt, im Unispital genauso wie anderswo. Was nachrückte, war Mischgewebe. Lange das Mass aller Dinge, scheinen die Tage der gemischten Textilien inzwischen aber auch gezählt: Kommendes Jahr startet ein Versuch mit Mikrofaserkleidung. Chirurgen und Pfleger in den OPs des Universitätsspitals tragen dann Mikrofaser – oder aber blaues «Papier».

Ökologische Bedenken im Raum

«Einwegbekleidung» heisst der Trend korrekt – es ist nicht ganz falsch, wenn von «Papierkleidern» geredet wird: Die Hemden und Hosen aus Vlies lassen sich mit wenig Kraft zerreissen, nicht so einfach wie echtes Papier, aber leichter als Stoff. Solange es bei der Arbeit reissfest ist, ist Vlies aber das neue Hygiene-Wundermittel. Bereits fast die Hälfte des OP-Personals entsorgt die Kleidung, die es trägt, nach Gebrauch – freiwillig. Denn das Personal hat weiterhin die Wahl zwischen Stoff und Vlies.

Einweg-Fan Ligresti hat sich nicht nur aus hygienischen Überlegungen entschieden: Sie als zierliche Frau könne endlich in Kleidern arbeiten, die perfekt sässen. Es gibt aber auch kritische Stimmen. So heisst es beim Personal etwa, das Material sei unangenehm und jucke, der Schnitt sei unbequem – und die Sache ökologisch bedenklich.

Jeder zehnte Arbeitsplatz ist weg

Die Verantwortlichen im Universitätsspital auf die Öko-Bedenken angesprochen, heisst es, die Reinigung von Mehrwegwäsche gehe mit einem «hohen Energie- und Chemikalienverbrauch» einher. «Gemäss unseren Informationen hält sich die Umweltbilanz zwischen Ein- und Mehrwegbekleidung in etwa die Waage», sagt Mediensprecher Martin Jordan. Tatsächlich lässt sich keiner Studie ein abschliessendes Urteil entnehmen, was jetzt besser ist: Mehr- oder Einwegkleidung. Und selbst wenn sich herausstellen sollte, dass Papier gar besser für die Umwelt ist als Stoff – Leidtragende gibt es trotzdem.

Es sind dies Firmen, die sich der sterilen Reinigung von Operations-Kleidung verschrieben haben. In der Region ist das mit der Bardusch AG die ehemalige Zentralwäscherei beim Flughafen: Seit vergangenen Sommer hat die Firma die Dienstleistung eingestellt, Abdecktücher für Operationen zu waschen und zu sterilisieren. Denn anders als bei den Kleidern wird bei den OP-Tüchern praktisch nur noch Einwegmaterial verwendet. Auch der Markt mit der OP-Mehrweg-Bekleidung sei abnehmend, sagt Andreas Holzer von der Firma. So seien früher 20 bis 30 Arbeitsplätze in Basel und Rheinfelden eigens für die Aufbereitung wiederverwertbarer OP-Textilien bereitgestanden. «Die gibt es heute alle nicht mehr», sagt Holzer. Kündigungen hätten deswegen keine ausgesprochen werden müssen, da man das Personal bisher anderweitig einsetzen konnte.

Derweil entscheiden sich im Unispital immer mehr Angestellte für «Papierkleidung». Das Spital spart einen Viertel der Kosten – inklusive Entsorgung. Freiwillig soll es dennoch bleiben. Wegen der «verschiedenen Individuen».