Ihre Quelle hat der kleinen elsässischen Gemeinde Neuwiller kein Glück gebracht. Das Wasser, 37 Grad warm und reich an Mineralien, wurde 1969 gefunden. Seit 1974 wurde die Therme als Provisorium genutzt. 60 Prozent der jährlich 33 000 Besucher kamen aus der Schweiz.

Der richtige Ärger begann mit der Eröffnung eines modernen, 1000 Quadratmeter grossen Thermalbads, das 1997 eingeweiht wurde. 3,5 Millionen Franken hat die Anlage gekostet. Fast die Hälfte davon wurde im Rahmen eines Interreg-Programms von der EU bezahlt. Oberwil beteiligte sich mit 175'000 Franken. Der grosszügige Zustupf der Schweizer Nachbargemeinde war die Voraussetzung dafür, überhaupt an die EU-Gelder zu kommen.

Wenig Glück und viele Schulden

Neuwiller aber haben die Thermen vor allem Schulden gebracht und die Schweizer Nachbarn standen meistens vor geschlossenen Türen. Einmal waren Mikroben im Wasser, dann war das Bohrloch durch Schlamm verschmutzt oder die Pumpe fiel aus. Mehrmals war die Therme jahrelang geschlossen. Drei Betreibergesellschaften haben Konkurs gemacht, die letzte im April 2007. Eingenommen hat die Gemeinde nichts durch ihre Therme. Stattdessen musste sie sich mit Rechtsstreitigkeiten herumärgern.

Nun aber hat der 500-Einwohner-Ort einen Schlussstrich gezogen und die Träume, mit dem Thermalwasser Geld zu verdienen, aufgegeben. Die Therme wird seit Oktober 2017 umgebaut. Neu werden hier die Mairie, die Primarschule und ein Hort für die ausserschulische Betreuung einziehen. In die Schule und in den Kindergarten gehen in Neuwiller um die 40 Kinder. Die Arbeiten werden laut der Internetseite der Gemeinde 14 Monate dauern, sollten also Anfang 2019 abgeschlossen sein.

Definitiv geschlossen

Ganz umsonst ist auch der Umbau nicht zu haben. Knapp 1,8 Millionen Euro werden dafür veranschlagt. Allerdings erwartet Neuwiller zirka 650'000 Euro an Subventionen, die von Gebietskörperschaften wie dem Departement Haut-Rhin, der Region Grand Est oder dem französischen Staat fliessen sollen. Maire Alain Escalin wollte der bz keine Auskunft zur Umnutzung geben und begründete dies damit, dass die Arbeiten noch nicht abgeschlossen seien.

In den letzten beiden Gemeindeblättern und auf der Internetseite sieht man auf Fotos, wie die Thermalwasserbecken geschlossen wurden. An den Arbeiten sind 13 Betriebe beteiligt. Die Baugenehmigung erteilte Neuwiller, das auch als Bauherr auftritt, im März 2017. Dafür war eine Änderung des Flächennutzungsplans notwendig, die 2016 erfolgte. Das Gelände samt der ehemaligen Therme ist um die 9000 Quadratmeter gross. Erste Ideen zur Umnutzung stammen schon von 2010. Eines ist klar: Probleme wie mit der Therme muss Neuwiller in Zukunft nicht mehr fürchten.