Während weisse Weihnachten ein eher seltenes Phänomen ist, kommt das sogenannte Adventswasser beständiger. Davon profitiert die Schifffahrt. Denn die Regenfälle kurz vor und in diesem Jahr auch während der besinnlichen Zeit haben den Pegel des Rheins soweit erhöht, dass die Schiffe wieder mehr laden können. Entsprechend mehr Güter kommen über den Wasserweg in die Schweiz.

André Auderset, Geschäftsführer der Schweizerischen Vereinigung für Schifffahrt und Hafenwirtschaft, sagt: «Es sieht besser aus als auch schon, zurzeit fährt man mit rund 70 Prozent der optimal möglichen Ladung.»

Preisturz bei Frachtkosten

Nach Monaten mit niedrigem Wasserstand hat sich die Situation etwas entspannt. Am Montag überschritt der Pegel in Basel für kurze Zeit gar den Normalwasserstand – das erste Mal seit Ende Juni. Dieser Umstand ist in den Frachtkosten für Öl ersichtlich. In den vergangenen Monaten stieg dieser ständig an. Seit 15. November bis Anfang Dezember hielt sich der Preis auf dem Höchststand von 209 Franken pro Tonne Benzin, die auf dem Wasserweg in die Schweiz gelang. Im Januar dieses Jahres lag der Preis bei unter 20 Franken. Seit 4. Dezember ist es zu einem Preissturz gekommen: Gestern lag der Preis noch bei etwas über 40 Franken.

Dies, weil die Schiffe wieder mehr laden können und somit mehr Benzin in die Schweiz gelangt. Für den Benzinpreis an der Zapfsäule heisst das, dass er in der nächsten Zeit etwas sinken dürfte. Doch eine vollständige Normalisierung sei noch nicht erreicht, schrieb die Schweizerische Erdöl-Vereinigung vergangene Woche in einer Mitteilung.

Lieber Regen als Schnee

Bis sich die Situation am Rhein ganz normalisiert, braucht es aber weiterhin Niederschläge. Und vor allem: «Schlecht wäre ein längerer Kälteeinbruch, weil dann die Niederschläge als Schnee kommen, der liegen bleibt», sagt André Auderset. Was den Pegel wieder senken würde mit entsprechenden Auswirkungen auf die Schifffahrt.

Die Logistikfirma Rhenus gibt ebenfalls noch keine Entwarnung. Eine Sprecherin sagt auf Anfrage: «Anfangs dieser Woche konnten dort auch ein paar Import-Mengen mit dem Rheinschiff in Basel angeliefert werden.» Doch Rhenus könne noch nicht aufatmen. «Ohne weitere Niederschläge in den nächsten zwei Wochen werden wir wieder extrem tiefe Pegelstände sehen», sagt sie weiter. Bei der Rhenus-Tochter Contargo wird darum weiterhin auf Kurzarbeit gesetzt, ebenso bei der Rhenus Port Logistics AG.

Deshalb kann auch das Bundesamt für Landesversorgung noch nicht entwarnen. Die Pflichtlager, um Engpässe bei Benzin, Diesel und Düngemittel auszugleichen, blieben offen, sagt ein Sprecher auf Anfrage. Ende Januar werde die Situation noch einmal überprüft. Bei einem Kälteeinbruch mit der Konsequenz, dass die Pflichtlager weiter offengehalten werden müssten. Bis jetzt wurden jedoch nur rund zehn Prozent der Benzin- und Diesellager angezapft. Die gesamten Vorräte sollten in diesem Bereich für viereinhalb Monate reichen. Beim Dünger sind die Vorratskammern erst seit Montag offen.