Hier ein beleuchtetes Tännli auf dem Gegenausleger, da ein leuchtender Stern – in der Vorweihnachtszeit leben Kranführer ihre kreative Ader aus und rücken ihre tonnenschweren Stahlkolosse liebevoll ins beste Licht.

Weitaus eindrücklicher als die amateurhaft angebrachten Lichterketten erscheint die zweifarbige Weihnachts-Dekoration auf der Baustelle des Baloise Park am Bahnhof SBB. Steckt da ein besonders kreativer Kranführer dahinter? Einer, der seine Berufskollegen womöglich übertrumpfen und mit seiner Lichtinstallation die etwas träge gewordene Kran-Verzierungs-Szene aufrütteln will?

Nein. Denn die Kerze im Mast ist das Markenzeichen der Firma Estermann aus dem luzernischen Geuensee. Bauführer Erwin Sager sagt: «Die Idee ist vor einigen Jahren entstanden, als wir einen Kran am Sempachersee stehen hatten, der weit sichtbar war. Einer unserer Bauführer hat dort eine Kerze eingebaut, und das hat wahnsinnig gut Anklang gefunden.» Seither habe man die 12-Meter-Kerze stetig weiterentwickelt, und mittlerweile sei sie an rund 25 Standorten im Einsatz. «Als wir wussten, dass wir in Basel an bester Lage zur Adventszeit bauen, war sofort klar, dass wir dort eine Kerze brauchen – natürlich in Absprache mit der Bauherrschaft.»

Die Rückmeldungen auf die hell leuchtende Kerze seien durchaus positiv. Gerade vergangene Woche habe sich eine Frau bei ihnen per E-Mail bedankt. In ihrem Quartier habe lange eine Tanne gestanden, die immer zur Weihnachtszeit beleuchtet war, jedoch in diesem Jahr gefällt worden sei. Dank des Krans mit seiner Beleuchtung sei sie «fast wieder zurück».

Noch nicht Corporate Identity

Estermann betritt mit ihrem firmenweiten Einheisdesign Neuland. Bei anderen Firmen wie Implenia wird die jeweilige Kran-Dekoration den Verantwortlichen auf Projektebene oder auf der Baustelle überlassen, sagt Sprecher Reto Aregger auf Anfrage. «Bei grösseren Baustellen wird die Installation einer Weihnachtsbeleuchtung normalerweise auch mit der Bauherrschaft abgesprochen.» Die Tradition der geschmückten Kräne sei eine Art Überbleibsel und bei Implenia nicht durch eine übergreifende Corporate Identity geregelt.

Dass Weihnachtsbeleuchtungen an Kränen Unikate aus Handarbeit sind, bestätigt Adrian Stalder, Technischer Leiter beim Kran-Händler Stirnimann.

«Wir bieten in unseren Kränen keine fix installierten Weihnachtsdekorationen an, allerdings gibt es in der Führerkabine eine Steckdose, in die beispielsweise Lichterketten eingesteckt werden können.» Er beobachte grundsätzlich, dass Firmen ihre Kräne in der Stadt aufwendiger schmücken als auf dem Land, vermutlich wegen des grösseren Publikums. Am Firmensitz des Kranhändlers selbst werde der eigene Kran jedes Jahr mit einem beleuchteten Weihnachtsbäumchen geschmückt. «Das ist Tradition bei uns und gehört einfach zur Adventszeit», sagt Stalder.