Lehrerkonferenz

Änderungen sollen «zackig» umgesetzt werden: Basler Erziehungsdirektor kommt den Lehrern entgegen

In der Höhle des Löwen: Der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer bei den Lehrern

In der Höhle des Löwen: Der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer bei den Lehrern

Drei wesentliche Änderungen kündigte Conradin Cramer an der heutige Gesamtkonferenz der Kantonalen Schulkonferenz Basel-Stadt an: Kürzere Lernberichte, weniger Leistungschecks, mehr Personal in der 1. Klasse.

Applaus ist ja nichts Alltägliches für einen Politiker. Gerade die kantonalen Bildungsdirektoren sind sich einiges gewohnt von den Lehrern. Die heutige Gesamtkonferenz der Kantonalen Schulkonferenz Basel-Stadt stand hingegen im Zeichen der Annäherung. Bei seinem zweiten Auftritt vor versammelter Lehrerschaft kündigte Erziehungsdirektor Conradin Cramer (LDP) in der voll besetzten St. Jakobshalle mehrere Massnahmen an, die zur Entlastung der Lehrer beitragen sollen. Beifall war ihm gewiss, wenn auch in unterschiedlicher Intensität.

Halb so lange Lernberichte

Drei wesentliche Änderungen kündigte Cramer an, wovon eine gar «zackig» umgesetzt werden soll. Ab nächsten Sommer sollen die Lernberichte, die den Volksschullehrern als Grundlage für Elterngespräche dienen, kürzer werden. Um die Bürokratie zu veranschaulichen, mit der die Lehrer sich herumschlagen, hatte Cramer den Lernbericht eines vierjährigen Kindergärtlers mitgebracht. «Das Dokument ist sieben Seiten lang», sagte der Erziehungsdirektor. «Mir ist völlig bewusst, dass es hier im Saal viele Leute gibt, die am Projekt Lernberichte gearbeitet haben. Ich anerkenne diese Arbeit und bin der Meinung, dass sie die richtigen Ansätze verfolgt hat. Aber sieben Seiten. Das finde ich zu lang.» Ab nächstes Jahr werden die Lernberichte für den ersten Zyklus daher «weniger als halb so lang sein» wie jetzt. Das sei nur der Anfang. Mit gleich kritischem Auge werde er dann die Lernberichte und Zeugnisse im zweiten und dritten Zyklus anschauen. Tosender Applaus. 

Nur einen Leistungscheck abgeschafft

Auch bei den umstrittenen Leistungschecks kündigte Cramer an, den Lehrern entgegenkommen zu wollen. Allerdings nur einen Schritt. Die Lehrerinnen und Lehrer hatten in einer Resolution die Abschaffung sämtlicher «unnötiger und teurer» Checks gefordert. Cramer geht das zu weit. Er wird zukünftig lediglich auf den Leistungscheck S 3 verzichten wollen. Weiterhin durchgeführt sollen die Tests in den Primarschulen. «Ich habe bei meinem Entscheid versucht, die unterschiedlichsten Interessen zu berücksichtigen», sagte der Regierungsrat fast entschuldigend. Nun habe er sich zu einem Kompromiss durchgerungen, der alle ein bisschen unzufrieden mache. «Damit kann und muss ich leben», sagte er. Vereinzelter Applaus.

Zurückhaltung abgestreift

Bei der dritten Massnahme ging Cramer auf die Forderung vieler Lehrer ein, die Einführungsklassen wieder einzuführen. Diese Klassen dienten früher dazu, die nicht schulreifen Kinder an die erste reguläre 1. Klasse heranzuführen. Der Erziehungsdirektor erteilte am Mittwoch schon mal eine Absage. «Ich möchte das nicht», sagte er knapp, ohne auf die Gründe einzugehen. Stattdessen präsentierte er eine Alternative. Eine Massnahme, die nicht einfach ein paar wenigen Schülerinnen und Schülern zugute komme, sondern allen. So versprach er, sich nicht nur für mehr Ressourcen bei den Logopäden einzusetzen, sondern das Personal in allen ersten Klassen der Primarschule aufzustocken. «Das Ziel ist, dass überall 90 Prozent Doppelbesetzungen möglich sind», sagte der Liberale. «So kommen, und das ist mir wichtig, alle Primarschülerinnen und Primarschüler in den Genuss von mehr Aufmerksamkeit.» Und nicht einfach ein paar wenige, wie dies mit den Einführungsklassen der Fall gewesen wäre. Verhaltener, aber flächendeckender Applaus.

Ein gereifter Regierungsrat

Vor einem Jahr noch hatte Cramer kurz nach seiner Wahl noch eingeräumt, er habe «keine Ahnung» vom Schulalltag, da er vor zwanzig Jahren eine Schule zum letzten Mal von innen gesehen hatte. Am Mittwoch trat ein selbstbewussterer Regierungsrat ans Mikrofon. «Gefühlte zehn Jahre klüger» sei er im vergangenen Jahr geworden. So weit würden die Lehrer vielleicht nicht gehen – sie hätten noch mutigere Entscheide erhofft. Doch seine anfängliche Zögerlichkeit, das mussten am Mittwoch selbst die grössten Cramer-Kritiker eingestehen, hat der junge Regierungsrat definitiv abgestreift.

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