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Aernschd Born – Protokoll eines vollen Liederlebens

Aernsch Born in seinem Tonstudio. Das neue Buch wird am 28. Mai in Riehen vorgestellt.

Aernsch Born in seinem Tonstudio. Das neue Buch wird am 28. Mai in Riehen vorgestellt.

Seit 50 Jahren schreibt Aernschd Born vor allem politische Lieder – im neuen Buch finden sich 230 Texte.

Es war nicht immer einfach. «Ich habe mich auch eingeengt gefühlt», erzählt der Basler Liedermacher und Kulturschaffende Aernschd Born (67). Noch heute sehen ihn viele Leute nur im Zusammenhang mit Kaiseraugst und der Besetzung des AKW-Bauplatzes. «Von 1975 bis 1977 war ich der musikalische Begleiter von Kaiseraugst. Das war sehr öffentlichkeitswirksam», erinnert sich Born. «Ich wurde aber auch in eine Ecke gestellt.»

Jetzt legt er in Zusammenarbeit mit seinem Vater Ernst im Verlag Ambripress «eine Art Chronik in Liedform der letzten 50 Jahre» vor, wie er das nennt. Auf über 500 Seiten finden sich 230 Lieder. Es sind die «nackten Texte» ohne Noten oder Gitarrengriffe. Das Buch zeigt, dass Born beileibe nicht nur Texte zur AKW-Bewegung geschrieben hat. 80 Prozent der Lieder sind auf Baseldeutsch verfasst und eben so viele bezeichnet er als «gesellschaftsrelevant», wie er für sich politisch definiert.

Begonnen hat er 1967 im Alter von 17 Jahren mit drei Liedern zu Glaubensfragen. «Ich hatte eine Glaubenskrise und habe die Lieder geschrieben, weil ich keine Antworten gefunden habe. Meine Mutter war sehr religiös.» Auch hat er sich existenzielle Fragen gestellt, woher der Hunger und das Elend in der Welt kommen. Aus der Kirche ist er heute ausgetreten.

Politisiert durch die Gassenarbeit

Nach einer vierjährigen Lehre als Reproduktionsfotograf, ein inzwischen ausgestorbener Beruf, geht Born ins Ausland. Zurück in der Schweiz engagiert er sich ab 1972 in der der Gassenarbeit mit Drogenabhängigen. Seine Politisierung sieht er in diesem Zusammenhang. Dann kommt schon bald Kaiseraugst.

Die Idee zu dem Buch ist spontan im Zusammenhang mit dem Auszug aus dem Kulturpavillon an der Grenze Otterbach entstanden, den Born mit seiner Frau Barbara Preusler letztes Jahr verlassen musste, weil ihnen gekündigt worden war. Dass er seit fünf Jahrzehnten Lieder schreibe, sei eine «Steilvorlage» für das Buch gewesen.

Die Texte sind nicht in chronologischer sondern in alphabetischer Folge geordnet. «Das ist abwechslungsreich und bringt Lieder zusammen, die ursprünglich nichts miteinander zu tun haben», erklärt Born. Allerdings steht hinter jedem Lied, wann es entstand und manchmal auch in welchem Kontext. Am Ende des Buches findet sich neben einem kurzen baseldeutschen Wörterbuch eine Art Chronologie in elf Strophen. «So können die Texte mit ihren Jahreszahlen in meine Lebenszusammenhänge eingebettet werden», schreibt Born.

Nur vorgetragene Texte im Buch

Im Buch finden sich nur Texte, die auch öffentlich vorgetragen werden oder wurden. Die letzten beiden stammen von 2017. Ein «Gedankenliedchen» aus sechs Zeilen wird Born anlässlich der Buchvernissage am 28. Mai um 17 Uhr im Kellertheater Riehen singen. Ein weiteres wird anlässlich der Einweihung des neuen Begegnungszentrums in Reinach uraufgeführt.

Entstanden ist es auf Anfrage der Gemeinde, in die Born und seine Frau nach der Kündigung des Kulturpavillons, wo sie auch wohnten, im Oktober gezogen sind. Die Dokumentationsstelle der Anti-Atomkraftbewegung «Atomfreie Schweiz», die sie dort ebenfalls betrieben, ist in die Kleinhüningerstrasse 147 gezügelt.

Das Vorwort schrieb der Rapper Greis. Darin heisst es: «Die Dichte und Präzision, mit welcher Born seine Geschichten erzählt, nimmt viele Muster vom heutigen Rap vorweg, die ureigene Art, mit welcher er seine Botschaften emotional auflädt, ist für mich jedoch auch heute noch absolut einzigartig.»

Auch zu Borns wichtiger Rolle bei Kaiseraugst äussert sich Greis. Born hat seinen Frieden mit dem «Etikett» Kaiseraugst gemacht. Er sieht die intensive Zeit damals heute auch als Leistung, auf die er «stolz» sein könne.

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