Kinder- und Jugendpsychiatrie

Ärzte und Politiker kämpfen mit Initiative gegen UPK-Neubau

Schon wieder Makulatur: das Siegerprojekt der Zürcher Architekten Birchmeier Uhlmann.

Schon wieder Makulatur: das Siegerprojekt der Zürcher Architekten Birchmeier Uhlmann.

Der Kampf um den neuen Standort für die Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel wird erbittert geführt. Ärzte und Politiker wollen das Grossprojekt verhindern.

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel ist heute auf sieben Standorte in der Stadt verteilt und soll in einem Neubau auf dem UPK-Gelände an der Wilhelm-Klein-Strasse am Stadtrand zentralisiert werden.

Doch der Widerstand gegen den geplanten Neubau wird immer heftiger. Gemäss Informationen der «Schweiz am Sonntag» haben Ärzte und Politiker eine Volksinitiative für eine «Klinik im Zentrum von Basel» ausgearbeitet. In der Verfassung soll festgeschrieben werden, dass der Kanton die Kinder- und Jugendpsychiatrie organisatorisch unabhängig von der Erwachsenenpsychiatrie und räumlich in der Nähe des Universitätskinderspitals führt. Im Initiativkomitee sind auch die Grossräte Stephan Luethi und Salome Hofer (beide SP), der Arzt und frühere FDP-Grossrat Christoph Holenstein sowie der Anwalt und frühere LDP-Grossrat Martin Hug.

«Unser Interesse ist das Wohl des Kindes», sagt Christoph Strebel, Arzt und Präsident des «Vereins Kinder- und Jugendpsychiatrie im Herzen der Stadt». Es sei falsch, Kinder- und Erwachsenenpsychiatrie gleichzusetzen. «Es sind zwei verschiedene Fachgebiete.»

Der Standort an der Peripherie sei zudem «denkbar ungeeignet», sagt Strebel. Er sei viel zu weit weg vom Stadtzentrum und für Familienangehörige und Freunde nicht gut erreichbar. «Die Kinder- und Jugendpsychiatrie muss eigenständig geführt werden und gehört in die Nähe des Kinderspitals.»

Es ist nicht der erste Versuch, den Neubau auf dem UPK-Gelände zu verhindern. Fachleute hatten sich bereits mit einer Petition dagegen gewehrt. Im September 2012 wurde diese mit über 1200 Unterschriften bei der Staatskanzlei eingereicht. FDP-Politiker Holenstein doppelte mit einem Vorstoss im Grossen Rat nach, in dem er kritische Fragen zur Standortwahl stellte.

Die Volksinitiative dürfte jedoch zu spät kommen. Die UPK hat auf den Widerstand reagiert und im April 2013 einen «guten Kompromissvorschlag» (Mitteilung UPK) vorgelegt. Der Neubau soll zwar immer noch auf dem UPK-Gelände entstehen. Neu soll er aber südlich des Haupteingangs der UPK, in der Nähe zum Wohngebiet, realisiert werden.

Strebel widerspricht der Ansicht, dass die Initiative zu spät erfolge. «Es liegt nach unserem Wissen noch kein abgeschlossenes Projekt vor», sagt er. Der neue Vorschlag habe an der Situation nichts geändert. Es handle sich um einen untauglichen Kompromiss. «Es ist nicht einzusehen, weshalb die Kinder- in die Erwachsenenpsychiatrie integriert werden muss.»

Mit der Initiative wollen die Gegner Druck aufsetzen. «Wir hoffen, dass vom Verwaltungsrat jetzt neue Ideen kommen, um über den Standort zu diskutieren», sagt Strebel. Als Alternativstandorte kann er sich etwa das Areal des Tropeninstituts an der Socinstrasse oder jenes der Augenklinik an der Mittleren Strasse vorstellen. «Wenn der politische Wille vorhanden ist, gibt es sicher geeignetere Möglichkeiten.»

Andreas Windel, stellvertretender CEO der UPK, sagte im September 2012, dass die UPK sieben Standorte geprüft habe. Die Alternativen hätten sich jedoch allesamt zerschlagen. Ähnlich argumentierte Gesundheitsdirektor Carlo Conti (CVP) im Juni 2013 bei der Beantwortung von Christoph Holensteins Vorstoss im Grossen Rat.

Trotz des Kompromissvorschlags ist immer noch offen, wie es mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie weitergeht. «Ein definitiver Entscheid ist noch nicht gefallen», bestätigt Windel. Derzeit werde ein Varianzverfahren durchgeführt. «Wir schauen, ob das ursprüngliche Projekt den neuen Gegebenheiten angepasst werden kann.» Gemäss Windel soll der Prozess bis im Januar abgeschlossen sein. Im ersten Quartal 2014 soll der Verwaltungsrat darüber entscheiden. Wegen des Widerstands hat das vom ehemaligen Kinderspital-Direktor Konrad Widmer angeführte Gremium den Beschluss mehrmals vertagt.

Das Siegerprojekt eines Architekturwettbewerbs wurde bereits vor eineinhalb Jahren, im Juli 2012, gekürt. Das Rennen machte «Where the wild things are» der Zürcher Architekten Birchmeier Uhlmann. Mit der Volksinitiative, die nächste Woche offiziell lanciert werden soll, wird das Projekt nun noch weitere Verzögerungen erfahren.

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