Basel
Affenanlage gefällt – im Gegensatz zum Seelöwenbecken

Lob und Kritik Im Zoobericht 2013 des schweizerischen Tierschutzes wird auch der Basler Zolli erwähnt. Nicht alle Tiergehege genügen den Ansprüchen des Tierschutzes. Lob gibt es für die Affenanlage, Kritik dagegen fürs Seelöwenbecken.

Jasmin Grasser
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Der Tierschutz hält das Gehege der Seelöwen im Zolli für zu klein.
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Lob für die Affenanlage, Kritik am Seelöwenbecken des Basler Zolli
Panorama der neuen Aussenanlage.
Der Zolli bewirbt die neue Anlage mit einer Plakatkampagne.
Vor einer Woche durften die Schimpansen als Erste ihr neues Zuhause inspizieren.
Plan der erweiterten Affenanlage aus: Der Wohnbereich wird um zwei bis sieben Meter nach aussen verschoben.

Der Tierschutz hält das Gehege der Seelöwen im Zolli für zu klein.

zvg/Zoo Basel

Grössere Innengehege und eine Aussenanlage, die den Tieren viel Freiraum bietet: Der Schweizer Tierschutz (STS) erwähnt die Affenanlage des Zolli, die vor einem Jahr neu eröffnet wurde, lobend in seinem Zoobericht 2013. «In den inneren Räumen hat es seit dem Umbau viel interessantere Strukturen», sagt Sara Wehrli, Zoologin beim STS.

Affen verhalten sich anders

Sie ist erfreut über die verschiedenen Plateaus, Seile und Baumstämme, die es den Affen erlauben zu klettern, zu spielen und sich zurückzuziehen – drinnen wie draussen. «Die neue Freiluftanlage bietet den Tieren neue Sinneseindrücke, und sie können sich naturnah verhalten.» Wehrli gefällt besonders, dass sich die Tiere im Aussengehege mit dem Wetter auseinandersetzten müssen und Platz haben, ihre sozialen Kontakte zu pflegen. «Die Anlage ist eine massive Bereicherung für die Affen», ist sich Wehrli sicher.

Dass sie seit dem Umbau viele Besucher anzieht, findet die Zoologin nicht schlimm. «Dank der Vegetation werden die Tiere nicht zu sehr ausgestellt.» Zudem hätten sich die Tiere an menschliche Beobachter gewöhnt.

«Man bemerkt sicher eine Verhaltensänderung bei den Tieren, sie spielen mehr», betont Adrian Baumeyer, Kurator der Affenanlage. Manche Tiere, wie zum Beispiel das Schimpansen-Männchen Eros, hätten länger gebraucht, um sich mit der neuen Anlage anzufreunden. «Es gibt jetzt mehr zu tun für die Tiere, da sie einen grösseren Erlebnis- und Entscheidungsraum haben.»

Seelöwenbecken ist ungenügend

Der Zolli wird vom STS allerdings nicht nur gelobt: Negativ aufgefallen ist das Gehege der Seelöwen. «Wir sind grundlegend skeptisch, ob es in einem Binnenland sinnvoll und möglich ist, Seelöwen zu halten», sagt Wehrli. Die Tiere seien sehr aktiv, daher brauche es grössere Becken. «In Basel bleibt ihnen nichts anderes übrig, als im Kreis zu schwimmen.» Wehrli kritisiert auch die Grösse der Felsenlandschaft. Seelöwen legen sich gerne im Rudel gemeinsam in die Sonne. Diese Möglichkeit fehle in Basel. «Das Gehege ist zu sehr auf die Öffentlichkeit ausgerichtet, die Tiere werden deswegen zu sehr exponiert.» Auch das Gehege der Wölfe sei zu klein. Der Zoo Basel wollte sich gestern dazu nicht äussern.

Im Zoobericht wird auch auf den Umgang mit Jungtieren aufmerksam gemacht. «Wir begrüssen die Erhaltungszucht von gefährdeten Tierarten natürlich», sagt Wehrli. Allerdings seien in Tierparks immer wieder Tiere trächtig, die nicht vom Aussterben bedroht sind. Es komme praktisch in allen Zoos vor, dass man Jungtiere töten oder abschieben müsse, weil es nicht genug Platz gibt. Der STS hat grosse Vorbehalte gegenüber dem Einschläfern von Tieren.

Dagegen sei eine interne Verwendung, zum Beispiel zur Fütterung der Raubtiere nachvollziehbar. «Der STS wünscht sich, dass über das Vorgehen bei Jungtieren informiert wird – und dass die Kleinen am besten schon vor der Geburt einen sicheren Platz haben», folgert Wehrli.