1387 komplette Wohnungen oder Einfamilienhäuser können Touristen in Basel via Vermittlungsplattform Airbnb mieten. Das zeigen Zahlen des Watchblogs «Inside Airbnb», welche die bz am Dienstag publik machte. Wie viele dieser Wohnungen einzig dem Zweck der Kurzzeit-Vermietung dienen und damit dem regulären Wohnungsmarkt entzogen worden sind, bleibt ein Firmengeheimnis des US-Konzerns mit Sitz in San Francisco.

Es kann allerdings davon ausgegangen werden, dass dies zumindest bei einem Teil der 598 Wohnungen der Fall ist, die von Personen oder Firmen angeboten werden, die mit mehreren Wohnungen auf der Plattform präsent sind. Dazu gibt es Wohnungen, die teilweise über 300 Mal bewertet wurden – ebenfalls ein Indiz dafür, dass darin niemand fix wohnt. Mit jeder Wohnung, die dem Markt dadurch entzogen wird, wird der in Basel jetzt schon knappe Wohnraum knapper und teurer. Dennoch erhebt der Kanton aktuell keinerlei Zahlen zur sogenannten Para-Hotellerie.

Türklingel eines Basler Airbnb-Hauses: Namen sucht man hier vergebens.

Türklingel eines Basler Airbnb-Hauses: Namen sucht man hier vergebens. 

Drakonische Strafen in Berlin

In anderen Städten ist das Phänomen exakter untersucht: So geht die holländische Grossbank ING in einer Studie davon aus, dass Käufer für eine Wohnung im Amsterdamer Zentrum bis zu 100 000 Euro mehr bezahlen, weil sie sie an 60 Tagen auf Airbnb vermieten können (was in den Niederlanden das gesetzliche Maximum ist). In Berlin ist das gewerbliche Vermieten ganzer Wohnungen an Touristen seit Mai 2016 sogar komplett verboten – mit Bussen von bis zu 100 000 Euro. Nach Inkrafttreten des Gesetzes hat Airbnb tausenden vermutlich professionellen Gastgebern gekündigt.

In Basel geht die Regierung gemäss einer Interpellationsantwort vom letzten Jahr zwar davon aus, dass die Anzahl Airbnb-Wohnungen den Wohnungsmarkt beeinflusst. «Allerdings dürfte der Einfluss bei 108 000 Wohnungen auf Kantonsgebiet relativ beschränkt sein», wird argumentiert. Die Regierung bezog sich bei ihrer Einschätzung jedoch auf eine Studie aus dem Jahr 2015, die von lediglich 1144 Airbnb-Angeboten in Basel ausging. Die Auswertung der bz zeigt hingegen, dass sich diese Zahl seither mehr als verdreifacht hat.

Dass Airbnb bereits jetzt auf dem Basler Wohnungsmarkt preistreibend wirkt, davon ist Beat Leuthardt vom Basler Mieterverband überzeugt. «Die Regierung überlässt den Wohnungsmarkt renditegetriebenen Akteuren, obwohl Wohnen ein Menschenrecht ist.» Der Mieterverband sehe es mit wachsendem Unbehagen, dass sich Airbnb derart stark auf dem Basler Wohnungsmarkt ausbreite. Eine Untersuchung der Auswirkungen auf die Mietpreise sei jedoch bisher noch nicht erstellt worden. «Wir hatten es aber schon mit Fällen zu tun, als sich angebliche Mieter unsere kostenlose Rechtsberatung erschleichen wollten und sich im Gespräch herausstellte, dass ihr Anliegen ein Problem beim Untervermieten der Wohnung über Airbnb betraf», sagt Leuthardt.

Kommentar unter: bzbasel.ch/basel/airbnb-131731805