Basel Tourismus bietet Privatpersonen, die ihre Wohnung via Airbnb an Touristen vermieten, ab 1. September einen Schlüsselservice an. Basel-Tourismus-Vizedirektor Frédéric Pothier erklärt: «Viele Airbnb-Anbieter haben das Problem, dass sie nicht zu Hause sein können, wenn ihre Gäste anreisen. Da können wir mit unserer täglich geöffneten Touristen-Information im Bahnhof Unterstützung bieten.» Basel Tourismus habe festgestellt, dass in Paris ein solcher Schlüsselservice für Airbnb-Betreiber angeboten werde und so sei die Idee entstanden, dies auch auszuprobieren.

SP-Grossrat René Brigger, der im vergangenen Jahr mit einem politischen Vorstoss zu professionellen Airbnb-Anbietern bei der Regierung vorstellig geworden ist, sieht das Unterstützungs-Angebot durch Basel Tourismus kritisch. «Der Druck auf den Immobilienmarkt wegen professioneller Airbnb-Anbieter nimmt weiter zu, was sehr bedrohlich ist», sagt er. «Ich sehe es deshalb nicht als Aufgabe eines vom Staat subventionierten Vereins wie Basel Tourismus, diese Form der Hotellerie mit Dienstleistungen wie einer Schlüsselübergabe zu unterstützten.»

LDP-Grossrat Stephan Schiesser, der ebenfalls vor rund einem Jahr einen kämpferischen Vorstoss zum Thema eingereicht hat, in dem er «negative Folgen für das Kongress- und Messewesen von Basel» durch Airbnb-Unterkünfte heraufbeschwor, gibt sich heute auf Anfrage weitaus gelassener. «Seit ich den Anzug eingereicht habe, hat sich vieles geändert. So bezahlen Airbnb-Vermieter beispielsweise neu Gasttaxen» (siehe Box).

Basel tickt hier anders

Selbst der Basler Hotelier-Verein hält sich vornehm zurück mit Kritik an Basel Tourismus. Präsident Felix Hauser sagt: «Wir haben seit Jahrzehnten eine tolle Zusammenarbeit mit Basel Tourismus. Das einzige Problem am Schlüsselservice für Airbnb-Anbieter könnte sein, dass es den Trend hin zur unpersönlichen Schlüssel-Übergabe weiter fördern könnte, was ich sehr bedauern würde.» Es sei für Hotel-Betreiber heute schon möglich, Schlüssel automatisch auszugeben oder den Gästen elektronisch zuzustellen. «Wir denken aber, dass der persönliche Kontakt wichtig bleibt», sagt Hauser.

Sicher ist: Basel steht mit seiner Airbnb-Förderung sowohl im Vergleich zu anderen Schweizer Städten und Tourismusgebieten als auch zu Grossstädten weltweit ziemlich quer in der Landschaft. So ist es beispielsweise in der Berner Altstadt neuerdings verboten, Zimmer auf professionellem Niveau auf Airbnb zu vermieten. Auch in Luzern läuft aktuell eine Diskussion darüber, ob Airbnb eingeschränkt werden soll.

Die spanische Touristen-Metropole Palma de Mallorca hat seit diesem Sommer ein vollständiges Airbnb-Verbot erlassen. Dies, nachdem tausende Menschen gegen die Auswüchse des Massentourismus sowie die ständig ansteigenden Mieten auf die Strasse gegangen sind. Schätzungen zufolge sind die Mieten in Palma in den vergangenen fünf Jahr um 40 Prozent gestiegen, ein Grund dafür soll die Vermietung via Airbnb sein.

SP-Grossrat Brigger glaubt, dass die Tatsache, dass Airbnb künftig automatisch Gasttaxen an den Kanton überweisen wird, noch einen wichtigen Nebeneffekt hat. «Ich erhoffe mir, dass die Behörden dadurch professionellen Airbnb-Anbietern leichter auf die Schliche kommen. Denn wenn offensichtlich wird, dass für einzelne Wohnungen jede Nacht Gasttaxen erhoben werden, dann kann gehandelt werden. Hotellerie in Wohngebieten ist zonenwidrig.»