Brexit
Alan Chalmers: «Auf Basel hat der Brexit grossen Einfluss»

In or out? Grossbritannien stimmt heute über den Verbleib in der EU ab. Alan Chalmers, ehemaliger Honorarkonsul, spricht über die Bedeutung für die Basler Wirtschaft.

Andreas Fahrländer
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«In» or «out»?

«In» or «out»?

Heute stimmen die Briten über die Frage ab «Soll das Vereinigte Königreich Mitglied der Europäischen Union bleiben oder die Europäische Union verlassen?» Nicht nur EU-Politiker sind nervös. Auch in Basel wird das Resultat mit Spannung erwartet.

Alan Chalmers war von 2000 bis 2013 Honorarkonsul für das Vereinigte Königreich Grossbritannien und Nordirland in Basel-Stadt und Basel-Landschaft. Er stammt aus dem schottischen Glasgow, dort ist er aufgewachsen und hat Pharmazie studiert.

Nach seinem Doktorat im englischen Manchester kam Chalmers 1978 zu Ciba-Geigy nach Basel. Im Jahr 2000 machte er sich selbstständig mit einer Beratungsfirma für Pharmaunternehmen. Er ist britisch-schweizerischer Doppelbürger und für seine Firma oft in London.

Tausende Briten leben in Basel

Laut der jüngsten Ausländerstatistik des Staatssekretariats für Migration vom April leben in der Schweiz gut 43 500 britische Staatsbürger. Im Kanton Basel-Stadt sind es zurzeit 2362, im Baselbiet 1840 Briten. Die Zahl dürfte dabei durch die Personenfreizügigkeit und wegen der vielen Pendler zwischen Basel und Grossbritannien noch wesentlich grösser sein, vermutet Chalmers. Im Interview haben wir gefragt, was ein Ja zum Brexit-Referendum für Basel bedeuten würde.

Herr Chalmers, Sie waren viele Jahre britischer Honorarkonsul in Basel und sind im Vorstand der «British Residents’ Association of Switzerland». Wie erleben Sie die Brexit-Diskussion?

Alan Chalmers: Die Briten in Basel sind natürlich sehr gespannt, was passiert. Viele wohnen schon länger hier und dürfen deshalb nicht abstimmen. Stimmberechtigt ist nur, wer das Vereinigte Königreich vor weniger als 15 Jahren verlassen hat und damals im Stimmregister registriert war. Aber das Interesse ist bei allen sehr gross, das Referendum wird mit reger Anteilnahme verfolgt. Es ist eine historische Entscheidung.

Was ist denn konkret zu befürchten für Basel? Ist die Basler Wirtschaft bedroht?

Jetzt muss man erst einmal warten, wie die Abstimmung ausgeht. Im Moment sieht es knapp nach einem «Remain», also einem Verbleib in der EU, aus. Man findet immer einen Weg. Auch bei der Euro-Frage war die Lage für den Standort Basel schwierig, aber man findet immer einen Weg. Roche und Novartis bauen weiter Türme und investieren so viel in Basel, das ist ein gutes Zeichen. Auf jeden Fall sind wir alle betroffen von der Abstimmung, in Grossbritannien und in der Schweiz. Ich hoffe, dass die Stimmbürger die richtige Entscheidung treffen.

Müssten sich die Regierungen beider Basel bei einem Brexit verstärkt um den Verbleib der Briten in Basel bemühen?

Im Falle eines Brexit wollen Bund und Kantone sofort handeln. In Basel gibt es sehr viele Briten, die in der Chemie und bei den Banken arbeiten, teilweise auch am Flughafen. Früher blieben die Leute jahrelang hier. Heute ist die Mobilität viel grösser – nicht zuletzt wegen der guten Flugverbindungen von Basel nach London. Viele wohnen in Südbaden und im Elsass – für sie würde die Situation ohne Personenfreizügigkeit besonders schwierig. Allein bei Roche profitiert mehr als die Hälfte der Angestellten von der Personenfreizügigkeit. Auf Basel hat das Resultat also einen besonders grossen Einfluss.

Sie sind gerade aus Grossbritannien zurückgekehrt. Was glauben Sie, wie die Abstimmung ausgeht?

Es ist das alles dominierende Gesprächsthema. Das Referendum ist ein Meilenstein. Jetzt hängt es davon ab, wie man die Leute noch motivieren kann. Die Abstimmung wird sehr knapp. Wir in der Schweiz sind an Urnengänge gewöhnt, in Grossbritannien ist das eher selten. Seit der EU-Abstimmung 1975 gab es höchstens eine Handvoll so grosser Abstimmungen.

Wie würden Sie stimmen, wenn Sie könnten?

Ich hoffe, Sie verstehen, dass ich mich in dieser Sache neutral verhalte. Ich bin als Konsul allen Bürgern zur Verfügung gestanden und muss eine gewisse Objektivität bewahren. Auch die «British Residents’ Association» verhält sich in der Frage neutral. Das Wichtigste ist, dass alle Stimmberechtigten teilnehmen. Die Entscheidung hängt vom heutigen Abstimmungstag ab. Jede Stimme zählt.

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