Von keiner anderen Basis starten so viele Rettungsflüge wie von «Rega 2», dem Stützpunkt der Schweizerischen Rettungsflugwacht auf dem Euro-Airport. Rund 1100 Einsätze pro Jahr unternimmt die Rega von ihrer Basler Basis aus, rund zwei Drittel der Flüge führen in den süddeutschen Raum. Doch die Tage des Rega-Stützpunktes auf dem trinationalen Flughafen könnten gezählt sein. Wie die bz aus verschiedenen Quellen erfahren hat, laufen derzeit Abklärungen nach einem Ersatzstandort. Im Fokus des Interesses steht das private Flugfeld Fricktal-Schupfart, das auf einer Anhöhe zwischen den beiden Fricktaler Dörfern Schupfart und Wegenstetten liegt und derzeit im Wesentlichen dem Flugsport und der Flugausbildung dient.

Einer der Hauptgründe für die Suche der Rega nach einem Ersatzstandort: Die 2002 im Nordteil des Euro-Airports eröffnete Basis steht auf französischem Hoheitsgebiet. Den Boden für den damals neu erstellten Hangar gab Frankreich den Schweizer Rettungsfliegern aber nur im Baurecht ab. Angesichts des Tauziehens um die Besteuerung von Schweizer Betrieben auf dem Euro-Airport und der zeitlichen Begrenzung des Baurechtsvertrags würde eine Basis auf Schweizer Boden eine erhöhte, langfristige Planungssicherheit bieten. Zudem liegt Schupfart einige Flugminuten näher am Einsatzgebiet im Mittelland, ohne dass die Flugrouten in den süddeutschen Raum wesentlich ungünstiger wären. Was der Rega zum Vorteil gereicht, weckt indes die Ängste der Fricktaler Sportpiloten.

Nachteil für lokale Flugvereine

Noch lässt sich die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega nicht allzu tief in die Karten blicken, wenn es um ihre Umzugspläne vom Basler Euro-Airport auf das Flugfeld Fricktal-Schupfart geht. «Wir können derzeit nicht abschätzen, ob daraus ein konkretes Projekt resultieren wird», sagt Rega-Sprecher Philipp Keller. Gleichzeitig bestätigt er, dass «bezüglich Fricktal-Schupfart erste Kontakte mit dem Flugplatz und der Gemeinde stattgefunden haben». Die Rega habe Interesse daran, «die Gespräche zu vertiefen und weitere Abklärungen zu treffen», da sie ständig nach Möglichkeiten suche, «ihr Basendispositiv für die Zukunft zu sichern».

An der Generalversammlung des Aero-Clubs Fricktal (AeC) von übermorgen Donnerstag sollen die Mitglieder erstmals über die Absichten der Rega informiert werden. Das ungewöhnliche Traktandum hat sich aber längst unter den Sportpiloten und Hobbyfliegern der Region herumgesprochen – und sorgt für entsprechende Ängste. Noch ist es kein halbes Jahr her, dass der AeC nach mehreren vergeblichen Anläufen den umstrittenen Flughafen-Pachtvertrag mit der Gemeinde um 25 Jahre verlängern konnte. Dabei musste er aber auf die gewünschte Ausweitung der Flugzeiten ebenso verzichten, wie er die Fluglärm-sensible Bevölkerung mit einem Spezialfonds für lärmmindernde Massnahmen besänftigte. Kommen nun auf dem eigenen Flugplatz jährlich über 1000 Rettungsflüge mit dem lauten Rega-Helikopter hinzu, so lauten die Befürchtungen, könnten die lokalen Flugvereine bei künftigen Lärmdebatten eher zu Abstrichen gezwungen werden als die politisch einflussreiche Rega.

Für Helikopter geeignet

Der Schupfarter Gemeindeammann Bernhard Horlacher möchte die Absichten der Rega noch nicht kommentieren, ehe er den genauen Inhalt der Pläne kennt. «Der Gemeinderat wurde erst Ende März im Rahmen einer Sitzung der Flughafenkommission darüber informiert, dass Schupfart ein Ersatzstandort für den Rega-Stützpunkt Basel werden könnte», erklärt Horlacher. Inwiefern es nach der AeC-GV zu weiterführenden Gesprächen zwischen der Gemeinde und der Rega kommen wird, kann der Gemeindeammann darum noch nicht sagen.

Ebenso offen bleibt zum jetzigen frühen Zeitpunkt, ob die Sorgen der Sportpiloten berechtigt sind, dass sie den Zuzug der Rega mit einer Einschränkung der eigenen Flugmöglichkeiten büssen müssten. Wie eine allfällige Aufteilung der bewilligten Flugbewegungen zwischen Rega und Privatfliegern künftig aussehen könnte, mag das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) nicht vorhersagen.