Das ersehnte Communiqué kommt kurz vor Mittag. Mit Hoffen und Bangen erwartet von der grossen FCB-Gemeinde. Der Meister teilt mit, was die Röntgenuntersuchung und die Magnetresonanztomographie bei Marco Strellers Knie ergeben haben. Der Basler Stürmer hatte sich am Vortag beim 2:1-Sieg im Super-League-Spiel in Lausanne eine vorerst nicht diagnostizierbare Verletzung zugezogen.

Ein Ausfall in der wichtigen Phase

Das medizinische Ergebnis vom Montag - eine starke Zerrung des vorderen Kreuzbandes und eine Knochenprellung - sorgt dann für gemischte Gefühle. Einerseits für eine gewisse Erleichterung, weil sich die Befürchtung, es handle sich um eine ganz schlimme Verletzung vom Kaliber eines Kreuzbandrisses, nicht bestätigt hat. Andererseits sind die Bedenken, der mehrwöchige Ausfall des Super-League-Topskorers (11 Saisontore) könnte die Chancen des FCB in der Europa League, im Meisterrennen und im Schweizer Cup kompromittieren berechtigt. In den kommenden Tagen und Wochen stehen gleich mehrere wichtige Spiele an: am Donnerstag das Rückspiel in Dnjepropetrowsk, am Sonntag das Spitzenspiel gegen die Grasshoppers und am 27. Februar der Cup-Achtelfinal in Thun. Und Streller wird dabei nicht der einzige prominente Abwesende sein. Auch der im Winter verpflichtete Raúl Bobadilla steht bis Anfang April nicht zur Verfügung.

«Ich bin froh, dass es keine schlimmere Diagnose gibt und ich der Mannschaft im Titelkampf bald wieder helfen kann», liess sich Streller in der Medienmeldung zitieren: «Wann das genau ist, können wir noch nicht sagen, sicher sind nur zwei Dinge: Ich möchte so rasch wie möglich wieder mittun und gleichzeitig so lange wie nötig pausieren, um keine zusätzlichen Risiken einzugehen.»

Schlägt die Stunde für Alex Frei?

Möglich, dass nun für Strellers Freund Alex Frei die Stunde schlägt. Im gestrigen Morgentraining, das im Leichtathletikstadion St. Jakob jene Spieler bestritten haben, die tags zuvor in Lausanne nicht gespielt oder nur einen kürzeren Teileinsatz gehabt haben, hinterliess Frei einen vorzüglichen Eindruck. Vorab in den Schussübungen kam kein anderer an seine Präzision heran.

Er habe die Szene, als sich Marco praktisch ohne Einwirkung eines Lausanners verletzte, am Fernsehen gesehen und ihm danach eine aufmunternde SMS geschickt, sagte Frei. «Ich weiss seit meiner Knieverletzung bei der EM 2008 aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, wenn man sich sicher ist, soeben eine schwere Blessur erlitten zu haben; noch bevor überhaupt eine ärztliche Diagnose vorliegt. Ich habe damals gleich gewusst: Das Knie ist kaputt!»

Der Ausfall von Streller sei natürlich ein herber Schlag, sagte Frei. «Man hat ja nicht nur in dieser Saison gesehen, wie unglaublich wichtig er als Torschütze und Captain für die Mannschaft ist.» In seiner langen Laufbahn hat Frei die Erfahrung gemacht, dass es in jeder Saison in allen Mannschaften mindestens einen Spieler erwische, der mit einer Verletzung langfristig ausfalle.

Nach der Grippe wieder im Training

Noch kennt Frei die Gedanken von Trainer Murat Yakin nicht, wie dieser auf Strellers Absenzen reagieren wird. Ob Jacques Zoua, Mohamed Salah oder gar David Degen in der Spitze zum Zug kommen. Oder sich eben die naheliegende Lösung mit dem Schweizer Rekordtorschützen Alex Frei ergibt.

Seit einer Woche ist der 33-Jährige wieder im Training, nachdem ihn eine Grippe flachgelegt hatte. «Ich bin wieder gesund und bereit für das Spiel gegen Dnjepr - falls ich gebraucht werde», sagte Frei. «Ich hab immer gesagt, dass ich in den vier letzten Monaten meiner Karriere alles gebe, was ich draufhabe.» Dies wäre auch übermorgen in der Ukraine nicht anders, wenn der FCB im Sechzehntelfinal-Rückspiel der Europa League einen 2:0-Vorsprung zu verteidigen hat.

«Jeden Tag Morgestraich»

Im Hinspiel hat Frei als Zuschauer den Eindruck erhalten, dass mit Dnjepr eine Mannschaft am Werk ist, die unter der langen Wettkampfpause leidet und wohl geradliniger und effizienter auftritt, wenn sie im Meisterschaftsrhythmus steht. «Dies dürfte für uns ein psychologischer Vorteil sein», sagt Frei. «Drei Wochen Trainingslager, dann ein Spiel, wieder Trainingslager - irgendwann hängt es einem dann aus», sagt Frei. Auf den «Morgestraich» an der Basler Fasnacht hat er verzichtet. «Mit meiner Tochter habe ich zu Hause jeden Tag Morgestraich», sagt Frei. Und lacht.