Jugendschutz
Alkoholverbot in Basler Jugendzentren wird gestrichen

Basler Jugendzentren dürfen künftig auch Bier oder Wein ausschenken. Die Mehrheit des Grossen Rats hält das geltende strikte Alkoholverbot für solche Lokale für überholt und strich es am Mittwoch aus dem Gastgewerbegesetz.

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In Basler Jugendzentren darf neu Bier und Wein ausgeschenkt werden. (Symbolbild)

In Basler Jugendzentren darf neu Bier und Wein ausgeschenkt werden. (Symbolbild)

Aargauer Zeitung

Eine Frau, ein Wort. Andrea Knellwolf von der CVP erinnerte die Ratskollegen daran, dass Drogenprävention ohne den Konsum von Drogen funktioniert. «Daher ist es grotesk, zu sagen, Alkoholprävention funktioniere nur, wenn Alkohol getrunken wird», sagte die Grossrätin. Und verlor trotzdem.

Es war die Stunde von Thomas Gander. Der SP-Grossrat und Jugendarbeiter hatte einen Vorstoss zu Alkohol in Jugendzentren eingereicht. Er verlangte, das geltende Alkoholverbot zu kippen – zugunsten der Prävention. Gestern nun debattierte der Rat über die Motion, welche Grossräte von links bis rechts unterschrieben hatten.

«Der Zugang zu Alkohol ist sehr einfach», sagte Gander. «Wenn Jugendliche trinken wollten, können sie es auch.» Gerade an Orten, an denen Fachleute mit Jugendlichen zu tun hätten, bringe eine Nulltoleranz nichts. «Die Haltung, ‹wir sind ein alkoholfreier Ort, alles andere geht uns nichts an›, ist ein Widerspruch.» Den jungen Leuten müsste ein vernünftiger Umgang mit Alkohol beigebracht werden. Jugendzentren seien prädestiniert für diese Form der Prävention, sagte Gander. Und erntete Kopfschütteln bei der Regierung.

Gespaltenheit bei Grünen und SVP

Die Regierung wollte am Alkoholverbot in Jugendzentren festhalten. Sie glaubt, der Schutz von unter 16-Jährigen wäre sonst schwierig. Ein Argument, das ausser der CVP keine Fraktion gänzlich zu überzeugen vermochte. Ganders Plädoyer für einen modernen Umgang mit dem Thema hingegen überzeugte die grosse Mehrheit: Regeln und Sensibilisierung versus Verbot.
Skeptiker fanden sich dennoch. Thomas Grossenbacher vom Grünen Bündnis etwa sagte, er wollte die Liberalisierung nicht bekämpfen, setzte aber gewisse Fragezeichen. So sprach er von pädagogischen Herausforderungen, die auf Jugendarbeiter zukämen und mahnte, dass es trotz allem wichtig bleibe, jungen Menschen aufzuzeigen, dass auch ohne Alkohol toll gefeiert werden könne. Es gelte, die Folgen einer allfälligen Lockerung zu evaluieren. Das Bündnis hatte vor der Abstimmung offen gelassen, ob es den Antrag überweisen möchte oder nicht.

Ebenso hatte die SVP entschieden, die mit Bruno Jagher einen Verfechter des Verbots in ihren Reihen hat. Der Tenor bei den Liberalisierungsgegnern war: Wir wollen nicht, dass es so aussieht, als ob Freizeitaktivitäten automatisch mit Alkoholkonsum einhergehen müssten.
Jene Grossräte aber, die von Berufes wegen mit Suchtthemen zu tun haben, stärkten Gander den Rücken. Parteigenosse Otto Schmid, der jahrelang im Suchtbereich tätig war, sagte: «Ein Verbot bringt nichts. Die frühere Drogenpolitik hat das deutlich gezeigt: Sie hat zu Tausenden Toten geführt.» Für ihn war klar: Wer nicht offiziell trinken darf, macht es heimlich. Dieser Satz fiel oft, quer durch alle Parteien.

Die Abstimmung fiel mit 67 gegen 17 Stimmen deutlich aus. Sofern niemand das Referendum ergreift, tritt die Änderung im Gastgewerbegesetz direkt in Kraft – und Jugendliche dürfen in Jugendzentren in Zukunft Bier trinken zum Döggelen. Allerdings in vernünftigem Masse, versteht sich.