Vorsichtig bremst die Fahrerin ihren roten Seat ab. Der Polizist führt seine rechte Hand unauffällig in Richtung Gürtel, zu seiner Dienstwaffe. Während ein weiterer Polizist die Frau begrüsst, ist der andere ständig bereit, die Waffe aus dem Halfter zu ziehen. «So eine Verkehrskontrolle macht man immer zu zweit. Einer ist für die Sicherung zuständig und hält die gesamte Situation im Auge», sagt Hauptfeldweibel Ivan Minuz, Ressortleiter Kontrolle bei der Kantonspolizei Basel-Stadt. Man müsse auf alles vorbereitet sein. Meistens, und auch an diesem Abend, bleibt die Pistole aber im Halfter.

Ivan Minuz, Ressortleiter Kontrolle bei der Kantonspolizei Basel-Stadt, sagt, was für ihn das Schönste an einer solchen Aktion ist.

Ivan Minuz, Ressortleiter Kontrolle bei der Kantonspolizei Basel-Stadt, sagt, was für ihn das Schönste an einer solchen Aktion ist.

Die meisten Autofahrer bemerken die Hand bei der Waffe gar nicht – zu überrascht sind sie von der Kontrolle, bemühen sich, einen guten Eindruck zu hinerlassen und blasen in den Alkoholtester, an dem jetzt ein grünes Licht aufblinkt: Die Frau ist sauber, sie darf weiterfahren, von der Holeestrasse rein in den Dorenbachkreisel.

Jede Fahrtrichtung wird kontrolliert

Der Kreisel war am Mittwochabend das Zentrum einer Grosskontrolle: An allen vier Zufahrtsstrassen zum Kreisel signalisieren die Polizisten mit roten Leuchtstäben den Autofahrern, dass sie anhalten sollen. Ob sie getrunken hätten, wird normalerweise zuerst gefragt – nicht so an diesem Abend: Jeder und jede muss in eines der beiden Testgeräte blasen, die jeweils bei einer Kontrollstelle im Einsatz sind.

Die beiden Geräte sind unterschiedlich: Die günstigere Version, das sogenannte Vortestgerät, zeigt nur an, ob überhaupt Alkohol im Blut ist. Das Display des teureren Geräts gibt hingegen den genauen Blutalkoholwert an.

Bei der «Aktion Via» gehe es nicht darum, Bussengelder zu sammeln, sagt Ivan Minuz: «Am schönsten ist es, wenn wir niemanden erwischen.» Die Polizei hofft, dass sich die Kontrollen herumsprechen, damit sich die Verkehrsteilnehmer wieder bewusst werden, dass man nicht fahren soll, wenn man Alkohol oder andere Drogen konsumiert hat. Denn immer wieder verdrängen manche Lenker diese Regel.

Allein schon die sieben Polizisten auf der Holeestrasse erwischen in der ersten halben Stunde der «Aktion Via» mehrere Personen, bei denen das Vortestgerät rot aufleuchtet. Diese Lenker müssen dann auch ins andere Gerät pusten. Zwei Damen weigern sich. Sie könnten nicht so stark pusten, sagen sie den Polizisten. Ein etwas gar auffälliges Ausweichmanöver. «Bei älteren Personen oder solchen mit Asthma stimmt diese Aussage. Aber hier sieht es mehr nach Nicht-Wollen statt Nicht-Können aus», meint einer der Polizisten dazu.

Sauber, «FiaZ» oder «FiaZ light»?

Die beiden Damen werden zur Kontrollstelle an der Oberwilerstrasse begleitet. In einem Lieferwagen der Polizei haben sich zwei Mitarbeiterinnen des Instituts für Rechtsmedizin eingerichtet. Sie nehmen Blutproben und entscheiden, ob es sich um einen «FiaZ» oder einen «FiaZ light» handelt – das sind Begriffe aus dem Polizeijargon: «FiaZ» bedeutet Fahren in angetrunkenem Zustand, also einen Alkoholwert von 0,8 Promille oder höher. Ein Fall von «FiaZ light» liegt vor, wenn der Wert zwischen 0,5 und 0,79 Promille liegt. Wer als Lenker explizit eine Blutprobe wünscht, muss diese selber bezahlen: Das kostet über 100 Franken.

Insgesamt neun von 1850 kontrollierten Fahrzeuglenkern fielen am Mittwochabend in die Kategorie «FiaZ light». Sie müssen mit Bussen und einem Fahrverbot rechnen. Ihren Führerausweis mussten sie für die Dauer von sechs Stunden abgeben. Wie sie danach bestraft werden, entscheidet das Amt für administrative Massnahmen. Ein weiterer Mann wird seinen Ausweis so schnell nicht wieder sehen: Er hatte 0,88 Promille Alkohol im Blut. Weitere neunzig Lenker wiesen einen Wert zwischen 0,1 und 0,49 Promille auf. Sie haben nicht zu tief ins Glas geschaut und durften weiterfahren. Weniger Toleranz gilt übrigens für Neulenker, Lastwagen- und Taxifahrer: Dort liegt der Grenzwert bei 0,1 Promille.

Auch Kiffer waren unterwegs

Bei der Kontrolle zwischen 20.30 und 22.30 Uhr bemerkten die Polizisten aber nicht nur alkoholisierte Personen: Ein Autofahrer stand unter Drogeneinfluss. Auch dessen Führerausweis ist für längere Zeit weg. Sein Auto steht nun auf einem polizei-eigenen Sicherstellungsareal, wo die betroffenen Lenker das Auto später wieder abholen können. Die Polizei erwischt die alkoholisierten Autofahrer nicht nur, sondern hilft ihnen weiter: Einem der Lenker stellte sie zum Beispiel ein Handy zur Verfügung, da er kein eigenes dabei hatte. So konnte er einen Bekannten bitten, ihn abzuholen.

Kurz nach 22 Uhr bringen zwei Baselbieter Polizisten, die an der Grenze zum Kanton Basel-Stadt ebenfalls im Einsatz stehen, einen jungen Autofahrer zu den Rechtsmedizinerinnen. Das Ergebnis des Drogenschnelltests sei positiv gewesen. Für den Schnelltest nehmen die Polizisten mit einem Wattestäbchen Speichelproben von der Zunge und der Wangenschleimhaut. Ist der Test positiv, wird eine Blutprobe genommen. Der junge Mann hat Cannabis konsumiert. Auch für den Wirkstoff THC gebe es Grenzwerte, erklären die Polizisten. Wenn eine Person unter 1,5 Mikrogramm pro Liter Blut aufweist, kann sie wegen Cannabis-Konsum bestraft werden, darf aber weiterfahren. Wer noch mehr Wirkstoff im Blut hat, kommt auch noch wegen Fahren unter Drogen dran – in der Fachsprache «Fud» genannt.

Bei der «Aktion Via» kontrollieren die Polizisten auch Velofahrer: Wer mit über 0,5 Promille in die Pedale tritt, erhält ein Velofahrverbot, bis er wieder nüchtern ist. Wer trotzdem im gleichen Zusammenhang nochmals aktenkundig wird, wird verzeigt.

Und betrunkene Velofahrer sind im nächtlichen Basel einige unterwegs, erzählt Minuz. Bei der letzten grossen Velokontrolle waren nur 10 Prozent der Velofahrer richtig nüchtern. 10 Prozent hatten zu viel getrunken. Und 80 Prozent der Velofahrer waren zwar legal unterwegs, hatten aber zwischen 0,1 und 0,49 Promille intus.

Feierabend ist erst nach Mitternacht

Um 22:30 beendet Ivan Minuz den Einsatz und spricht in sein Funkgerät: «Alle einrücken ins Zeughaus.» Feierabend hatte er dann erst nach Mitternacht.

Die «Aktion Via» dauert noch bis Mitte Januar. Bei der letzten Durchführung vor einem Jahr hiess die Bilanz: 500 Kontrollen mit 3000 überprüften Lenkern, 50 alkoholisierte Personen und drei Personen, die unter Drogen am Steuer sassen. Wenn sich die Fahrzeuglenker an die Regeln halten, werden es dieses Jahr weniger sein.