Egal wo man gerade ist, sie sind überall: an jeder Tramhaltestelle, an jedem Bahnhof und am Strassenrand. Mit Puder und Photoshop ins rechte Licht gerückt, buhlen sie sympathisch lächelnd oder mit seriöser Miene und einem mehr oder weniger kreativen Spruch um unsere Stimmen. Wollen Ständerat oder Nationalrätin werden. Ihre Köpfe in Übergrösse hinter jeder Ecke beweisen: Trotz Facebook und Twitter bleiben klassische Plakate wesentlicher Bestandteil der Wahlkampagnen.

Wer in Basel Plakate der jungen Grünen sucht, sucht vergeblich. Nirgends ein «jung und grün statt alt und grau». Nirgends ein «Wir machen Politik, als gäb’s ein Morgen». Es ist aber nicht so, dass sich die Jungpolitiker gegen Plakate entschieden hätten. Im Gegenteil: Gerade für Jungparteien sei Plakatwerbung essenziell, da sie keine Parlamentsvertreter und damit eine garantierte Basis an Öffentlichkeit haben, schreibt die Partei in einer Mitteilung.

Bei der allgemeinen Plakatgesellschaft (APG) haben die jungen Grünen deshalb ein zweiwöchiges Plakatkontingent reserviert. Die 50 Plakate wurden allerdings nie an die Wand gekleistert: «Unsere Plakate sind irgendwo in der Logistik der APG verschwunden», sagt Co-Präsident der jungen Grünen Bálint Csontos. Erst am Montag habe sie die APG wieder gefunden. «Das bringt jetzt natürlich nichts mehr», sagt Csontos. «Am Sonntag sind Wahlen.» Die Partei versucht deshalb, potenzielle Wähler über Flyer oder Inserate zu erreichen.

Plakatieren im Eiltempo

Die APG entschuldigt sich für den Fehler. «Falschplatzierungen sind sehr selten», sagt Mediensprecherin Nadja Mühlemann. Obwohl pro Jahr rund 2,5 Millionen Plakate das Logistikcenter durchlaufen würden. Die Kampagne der jungen Grünen sei falsch im System erfasst worden.

Die APG versucht nun, zu retten, was es noch zu retten gibt: «Die Plakate sind ab Mittwoch im Eiltempo im Aushang», sagt Mühlemann. Momentan hängen an den vorgesehenen Wänden die Plakate der Grünen. Diese hätten eigentlich bereits zwei Wochen vor den Wahlen mit den Sujets der jungen Grünen überklebt werden sollen. Das wird nun nachgeholt.

Immerhin knapp fünf Tage können also auch die Kandidaten der jungen Grünen noch mit allen anderen um die Wette lächeln und ihre Botschaft platzieren. Anstatt von verbleichten – weil schon seit Wochen hängend – von besonders leuchtenden Plakaten.