Einbürgerung
Alle wollen Basler Bürger werden

Die Bürgergemeinde fordert Baslerinnen und Basler auf, sich einzubürgern. Doch was sind überhaupt die Vorteile eines «echten Baslers» und wieso können Männer eher von einer Einbürgerung profitieren als Frauen? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Jennifer Degen
Merken
Drucken
Teilen
«Was, du willst nicht Bürger von Basel werden?!»

«Was, du willst nicht Bürger von Basel werden?!»

Kenneth Nars

Kürzlich flatterte ein Brief der Bürgergemeinde in über 31’000 Basler Haushalte mit der Einladung, ein «echter Basler» zu werden. «Sie leben seit mindestens zwei Jahren in der Stadt Basel? Dann erfüllen Sie die wichtigste Voraussetzung für den Erwerb des Basler Bürgerrechts», steht darin. Die Bürgergemeinde hat diese Aktion gestartet, nachdem sie aus der Bevölkerung vermehrt die Rückmeldung erhalten hatte, als Schweizer würde man in Basel gar nicht dazu eingeladen, sich in der Bürgergemeinde einzubürgern. Ganz im Gegensatz zu Ausländern, die vom Kanton Basel-Stadt nach 12 Jahren per Brief darauf aufmerksam gemacht werden, dass sie das Schweizer Bürgerrecht erwerben könnten.

«Nachdem wir 2010 eine Aktion für eine vergünstigte Einbürgerung lanciert hatten, wollten wir die Baslerinnen und Basler nun erneut dazu einladen, Bürgerinnen und Bürger ihres Wohnorts zu werden», sagt Petra Oppliger, die das Projekt bei der Bürgergemeinde betreut. Gut ein Viertel aller Baslerinnen und Basler (50’000 Personen) haben derzeit das Bürgerrecht inne, und es kommen jährlich rund 70 Personen hinzu, wie Oppliger aus den Akten herausliest. Die Zahlen sind in den letzten Jahren stabil geblieben.

Weder Holz noch Christbaum

Doch welche Vorteile bringt es eigentlich, ein Basler Bürger zu sein? Bekommt man, wie in manchen Baselbieter Gemeinden, einen Tannenbaum zu Weihnachten geschenkt oder wie ganz früher ein Ster Holz zum Heizen? Oder hat man mit dem Bürgerrecht die Garantie, in Basel beerdigt zu werden? Weit gefehlt – solche Geschenke oder Vorzüge sind in Basel nicht mit dem Bürgerrecht verbunden. Dafür gibt es andere Vorteile: «Sie können aktiv am politischen Geschehen der Bürgergemeinde mitwirken und bei Bedarf – und sofern die Voraussetzungen erfüllt sind – die Unterstützung von Stiftungen und Fonds der Bürgergemeinde in Anspruch nehmen», fasst Petra Oppliger die Vorzüge zusammen. Viele wüssten gar nicht, dass die Bürgergemeinde über Stiftungen und Fonds verfüge, die im Bedarfsfall angegangen werden können.

Ein weiterer, wenngleich nur für Männer gültiger Vorteil, ist der Beitritt zu einer Zunft oder Ehrengesellschaft. Ohne das Bürgerrecht bleiben einem Zünfte und Ehrengesellschaften auch heute noch verwehrt. Dies hat den 64-jährigen Basler Walter Linder vor zwei Jahren dazu bewogen, sich um das Bürgerrecht zu bewerben: «Ich wollte in die Zunft zu Schneidern eintreten und nahm die Einbürgerung darum nach vielen Jahren endlich an die Hand», sagt er. Es sei jedoch ein langwieriges und teures Verfahren gewesen, findet er rückblickend. 650 Franken kostet eine Einbürgerung und dauert mindestens vier Monate, bis das Ganze über die Bühne ist. Es kommt nur infrage, wer einen guten Leumund hat und seinen Zahlungsplichten nachkommt. Die Bürgergemeinde prüft, ob ein Strafregister-Eintrag vorliegt und verlangt einen Auszug aus dem Betreibungsregister. Für Walter Linder hat sich die Einbürgerung trotz Papierkram und Kosten gelohnt: «Es gibt mir ein gutes Gefühl, in dieser Stadt zu Hause zu sein.» Dass dies auch der Wunsch vieler Baslerinnen und Basler ist, merkt man derzeit in der Telefonzentrale der Bürgergemeinde. Diese wird von Anfragen regelrecht überrannt.

Aernschd Born zieht weg

Für einen prominenten Basler kommt die Aufforderung der Bürgergemeinde allerdings zu spät. Aernschd Born, Basler Liedermacher und Kulturschaffender, schreibt auf seinem Facebook-Account als Reaktion auf den Brief, er lebe nun seit 59 Jahren in Basel und es sei das erste Mal, dass er dazu eingeladen worden ist, Basler Bürger zu werden. Leider zu spät, denn er zieht per 1. Oktober nach Reinach, nachdem er seinen Kulturpavillon am Zoll Otterbach – und damit auch seine Wohnung – wegen Eigenbedarf des Staatssekretariats für Migration verlassen muss. «Wir sitzen quasi auf den Koffern», sagt seine Frau Barbara Preusler und lacht, «diese Einladung kommt zu spät.» Born seinerseits kommentiert die späte Einladung im Brief an die Bürgergemeinde wie folgt: «Bestimmt wollten Sie mich als Berner nicht allzu ungestüm überrumpeln.» Im Hinblick auf seine neue Wohngemeinde meint er: «Ich weiss nicht, wie lange Reinach warten wird, bis ich dort eine ähnliche Einladung erhalte. Wenn das nochmals 59 Jahre dauert, werde ich wohl als Berner sterben.»