Verkehrsplanung
Alle wollen die grosse Basler Tram-Revolution – ausser der SP

Verkehrsplanung Das Basler Parlament will die Innenstadt entlasten, aber anders als die Regierung mit ihrer bisher unveröffentlichten Studie.

Daniel Ballmer
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BVB Tram und Bus
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BVB Tram BVB Tram Nr 6 6er
BVB Tram BVB Tram Nr 6 6er
Ein Blick unter das Flexity-Tram zeigt den homogenen Unterbau mit Lochblech-Abdeckung. BVB
BVB Tram
Von den sechs grössten Deutschschweizer öV-Unternehmen sind die BVB die zweitunpünktlichsten.
Tram 8 BVB Haltestelle Endstation Tram 8 in Weil am Rhein, Billetautomat, Ticketpreise über die Grenze.
Bus BVB BVB kauft neue Diesel Busse. Ist das umweltfreundlich? Bus am Wettsteinplatz und in der Grenzacherstrasse.

BVB Tram und Bus

Nicole Nars-Zimmer niz

Das Basler Parlament staunte nicht schlecht. Im August hatte die bz Geheimpläne der Regierung bekannt gemacht, die für den Tramverkehr in der Stadt massive Änderungen vorsehen.

Die Sache hat allerdings einen Haken: Die bisher unveröffentlichte Studie widerspricht bisherigen Vorgaben des Grossen Rats. Basierend auf einer Motion von Basta-Grossrat Beat Leuthardt hat das Parlament nun nochmals eigene Vorstellungen unterstrichen.

Ziel sei es, die Innenstadt vom Tramverkehr zu entlasten, sodass Fussgänger und Velos besser durchkommen. Die Motion gibt detaillierte Veränderungen für mehrere Tramlinien sowie konkrete bauliche Massnahmen für mehrere Plätze vor.

Unter anderem sollen 15er- und 16er-Trams verknüpft durchfahren, ohne Endstation an der Schifflände. Sie verlangt zudem andere Routen für die Pendlerlinien E 11 und 17 sowie teils mehr Zeitreserven im Fahrplan.

Klares Signal an die Regierung

Die SP von Verkehrsdirektor HansPeter Wessels unterstützt zwar das Grundanliegen, die Vorgaben des Vorstosses seien aber viel zu eng, bemängelte Grossrätin Salome Hofer. Das Parlament solle sich auf strategische Vorgaben beschränken und ansonsten dem Bau- und Verkehrsdepartement vertrauen. Genau dieses Vertrauen fehle, entgegnete SVP-Sprecher Joël Thüring und verwies auf das «nicht mehr ganz so geheime Geheimpapier» der Regierung.

Der Vorstoss bilde dazu eine gute Alternative – selbst, wenn auch die SVP nicht mit jedem Detail des Vorstosses einverstanden sei. Ähnlich tönte es etwa von LDP-Sprecher Michael Koechlin.

Auch Grünen-Grossrat Raphael Fuhrer warb für die Motion, die eine «einfache Lösung entwerfe, ohne alles durcheinanderzubringen». Die Konkretisierung sei darum richtig, weil man ja der Regierung ein klares und präzises Signal geben wolle.

Leuthardt sei «näher beim Volk»

Die Regierung selber hatte sich bereit erklärt, die Motion zur Stellungnahme entgegenzunehmen. Verkehrsdirektor Wessels war während der Debatte nicht anwesend.

Motionär Leuthardt, dessen Vorstoss Parlamentsmitglieder aller Fraktionen unterzeichnet haben, sprach sich für eine Gesamtplanung aus. Seine Wunschliste sei jedoch «näher beim Volk» als das Verkehrsdepartement, und sie bringe mit einer Attraktivitätssteigerung auch dem Innerstadt-Detailhandel etwas.

Die unbeliebten Tram-Doppelhaltestellen, die an Barfüsser- und Marktplatz gerade behindertengerecht neu geplant würden, seien zu verhindern, und Velorouten müssten sicherer werden, fordert Leuthardt. Er lehnt auch Ideen ab, dereinst den 8er aus der Innerstadt zu nehmen.

Die Motion wurde mit 57 gegen 28 Stimmen bei 4 Enthaltungen der Regierung zur Stellungnahme überwiesen. Fast alle SP-Ratsmitglieder waren gegen den Vorstoss, ebenso ein einzelner Freisinniger. Alle anderen Parteien stimmten fast geschlossen dafür, ebenso die FDP-Mehrheit. (sda)