Jungtalent
«Allein das Zuschauen, in einem Theater zu sein, fand ich toll»

Ein gerade mal 16 Jahre altes Schauspieltalent steht erstmals auf der Baseldytschen Bihni und ist fasziniert.

Tumasch Clalüna
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Philipp Borghesi (r.) zusammen mit Regisseur Tom Müller (l.). Für die Rolle im Stück «Zimmer mit Liebi» wurde der 16-jährige an einem Casting ausgewählt.

Philipp Borghesi (r.) zusammen mit Regisseur Tom Müller (l.). Für die Rolle im Stück «Zimmer mit Liebi» wurde der 16-jährige an einem Casting ausgewählt.

Er heisst Philipp Borghesi, ist gerade mal sechzehn Jahre alt und beweist sich bereits in einem professionellen Theaterumfeld. Dabei wirkt er nicht gerade wie eine «Rampensau», als ihn die bz zum Interview trifft. Dem widerspricht Regisseur Tom Müller.

Herr Borghesi, wie sind Sie zum Schauspielern gekommen?

Philipp Borghesi: Ich spiele schon länger, das ist also nicht meine erste Theatererfahrung, aber meine erste professionelle. Es hat mich von klein auf fasziniert. Allein das Zuschauen, in einem Theater zu sein, fand ich toll. Also habe ich angefangen, zu spielen, bis ich durch einen Zufall hier gelandet bin.

Wie hat sich der Zufall denn ergeben?

Borghesi: Ich war einmal an einem Jugendkurs der Baseldytschen Bihni und habe dann dem Produktionsleiter eine E-Mail geschrieben, ob ich in meinem Alter auch mitspielen könnte. Dann wurde ich zu einem Casting eingeladen. Ich glaube, sie fanden mich nicht schlecht.
Tom Müller: Wir haben dich nur aus Mitleid genommen (lacht).

Was ist denn für Sie das Faszinierende am Schauspielern?

Borghesi: Einfach in eine andere Rolle zu schlüpfen. Schon, wenn ich durch den Bühneneingang komme oder wenn ich die Bühne betrete, ist das immer ein «Ah»-Moment. Das Zusammenspiel mit den Kollegen, der Nervenkitzel, das brauche ich einfach und es macht riesigen Spass.

Wie ist denn das mit den Schauspiel-Kollegen, sind Sie ein gleichwertiges Ensemble-Mitglied?

Borghesi: Eigentlich schon. Ich sehe mich als gleichwertiges Mitglied, auch wenn man mir noch einiges erklären muss, neben, nicht auf der Bühne.
Müller: Wir hatten einen Durchlauf und er kam nicht zu seinem Auftritt. Wir fanden ihn im Gespräch mit dem Produktionsleiter, der ihm gerade erklärte, wie man sicher keinen Auftritt verpasst.

Ist Ihnen denn schon klar, was Sie werden möchten?

Borghesi: Ich habe vor, an die FMS zu gehen und mich Richtung Pädagogik zu orientieren, um Primarlehrer zu werden.
Müller: Wenn du nicht Schauspieler wirst, bist du eine Knalltüte.

Eine Schauspielausbildung ist keine Option?

Borghesi: Ich habe mir das schon überlegt, aber man weiss dann nie, ob das etwas wird, und dann ist diese Schauspielschule auch noch in Zürich. Bis man richtig bekannt wird, ob man überhaupt richtig bekannt wird ... Ich möchte zuerst einen Beruf lernen, damit ich sicher etwas habe...
Müller: Das ist auch o.k., wenn du den seriösen Weg gehen willst. Ich kann nur sagen, er ist so begabt: Er kann Impulse setzen, er kann Prägnanz zeigen und er kann über sich selber lachen. Er ist auf der Bühne das pure Gegenteil von dem Interview hier.

Würden Sie «Sicherheitsbedürfnis» als einen Charakterzug von Ihnen bezeichnen?

Borghesi: (Überlegt lange) Eigentlich schon. Ich überlege mir etwas lieber zweimal, als plötzlich mit nichts dazustehen. Aber wenn es sich lohnt, dann falle ich halt mal auf die Schnauze. Ich habe mir auch lange überlegt, hier mitzuspielen. Es ist schon viel. 60 Vorstellungen und 40 Abende Proben.

Das heisst, Sie haben überhaupt keine Freizeit? Nur Schule und Theater?

Borghesi: Nicht ganz. Die Wochenenden sind frei und unter der Woche ein bis zwei Abende. Aber jeden Morgen ist es motivierend, zu wissen, dass am Abend Probe ist.

Können Sie mir das Stück «Zimmer mit Liebi» zusammenfassen?

Borghesi: Es hat eine unglaubliche Situationskomik, es passiert relativ viel und es macht einfach nur Spass zum Spielen. Gut, das war jetzt nicht wirklich eine Beschreibung des Stücks.
Müller: Er spielt einen jungen Concierge in einem Gasthof, der gerne Schauspieler werden möchte, und dort steigt ein widerlicher Fernsehproduzent ab.

Eine Rolle, die Ihnen wie auf den Leib geschrieben scheint.

Borghesi: Schon. Ein guter Grund, das Stück unbedingt zu sehen.
Müller: Vor allem, wenn man sieht, wie der auf der Bühne aus sich rausgeht – und das in dem Alter – grandios!

Zimmer mit Liebi, Baseldytschi Bihni, im Lohnhof. Premiere am 6. November um 20 Uhr. Weitere Vorstellungen bis zum 20. Dezember jeweils Do–Sa. 20h.